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Vorab Pharma-Brief-Veröffentlichung: Covid-19-Milliardäre

covid milliardaereInzwischen dürften Staaten Impfstoffe für über 200 Milliarden US$ gekauft haben.[1] Auch wenn die tatsächlichen Produktionskosten ein gut gehütetes Geheimnis sind, machen die Impfstoffe einige Firmen und Einzelpersonen sehr reich.

Pfizer hatte Anfang des Jahres für 2021 mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff einen Umsatz von 16 Mrd. US$ bei einem Reingewinn von 4 Mrd. prognostiziert.[2],[3] Mit dem ersten Quartalsabschluss wurde die Umsatzerwartung mit der Impfung auf 26 Mrd. hochgeschraubt – und dabei sind nur die Bestellungen bis Mitte April berücksichtigt.[4] Damit würde die Impfung zum umsatzträchtigsten Medikament weltweit und den bisherigen Spitzenreiter Humira® [5] mit einem Umsatz von 21 Mrd. auf Platz zwei verdrängen.[3]

Die “People’s Vaccine Alliance” hat die Forbes-Liste der Superreichen ausgewertet.[6] Covid-19 hat neun Personen in die Liste der Milliardäre katapultiert. Allein fünf davon sind mit Moderna verbunden, dazu kommt der Chef von Biontech und drei leitende Mitarbeiter von CanSino Biologicals. Zusammen besitzen diese neu zu Reichtum gekommenen Männer 19,3 Mrd. US$. Mit dieser Summe könnte man sämtliche Personen in den ärmsten Ländern 1,3 mal durchimpfen – und das zu den derzeit üblichen überhöhten Preisen. Es gibt weitere acht Pharma-Milliardäre deren Reichtum durch Covid-19 im Vergleich zum Vorjahr um 32,2 Mrd. US$ angeschwollen ist.  (JS)

Bild Geldscheine © K. Grabowska von pexels 

 

[1] Laut Duke University wurden weltweit bis Anfang Juni 11,9 Milliarden Impfdosen gekauft (Stand 4.6.2021) Bei einem Durchschnittspreis von 19 US$5 ergibt das ca. 226 Mrd. US$ https://launchandscalefaster.org/covid-19/vaccineprocurement [Zugriff 5.6.2021]

[2] Der von Biontech erzielte Umsatz mit dem Impfstoff ist dabei nicht berücksichtigt.

[3] Merelli A (2021) Pfizer’s Covid-19 vaccine is set to be one of the most lucrative drugs in the world. Quartz 2 Feb https://qz.com/1967638/pfizer-will-make-15-billion-from-covid-19-vaccine-sales

[4] Kollewe J (2021) Pfizer forecasts $26bn from annual sales of Covid-19 vaccine. Guardian 4 May www.theguardian.com/business/2021/may/04/pfizer-forecasts-26bn-annual-sales-covid-vaccine

[5] Der Wirkstoff Adalimumab wird bei entzündlichen Prozessen im Immunsystem eingesetzt, etwa bei rheumatoider Arthritis oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

[6] The People’s Vaccine Alliance (2021) COVID vaccines create 9 new billionaires with combined wealth greater than cost of vaccinating world’s poorest countries. Press release 20 May https://app.box.com/s/c487wmiyquh9q1glpbatzf5sukls7ph2 [Zugriff 2.6.2021]


Protestaktion in Berlin

Seit Oktober 2020 hängt eine wichtige Initiative von Indien und Südafrika in der Welthandelsorganisation (WTO) fest, obwohl die darin anvisierten Patent-Ausnahmeregelungen die globale Covid-19-Bekämpfung maßgeblich unterstützen würden. Auch die deutsche Bundesregierung gehört zu den blockierenden Staaten, obwohl die überwältigende Mehrheit der WTO-Mitglieder dafür ist.


Aktionsbündnis gegen AIDS richtet sich an Merkel und von der Leyen

Vom 8. bis 10. Juni findet ein UN High-Level Meeting zu HIV und Aids statt. Es kommt zu einem historischen Zeitpunkt: 40 Jahre nach den ersten registrierten Fällen von HIV-Infektionen und 25 Jahre nach der Gründung von UNAIDS. Ein wichtiger Punkt auf der Agenda des Treffens wird die Verabschiedung einer neuen politischen Deklaration sein, die das globale Engagement gegen die Krankheit in den kommenden Jahren leiten soll.Aids Schleife pixabay

Gemeinsam mit 52 zivilgesellschaftlichen Organisationen aus ganz Europa und initiiert vom Aktionsbündnis gegen AIDS richtet die Pharma-Kampagne im Vorfeld einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen. Mit dem Schreiben fordern die Unterzeichnenden den Einsatz der Politikerinnen für einen starken Deklarationstext, der die Bedeutung der TRIPS-Flexibilität hervorhebt - auch im Kontext von Covid-19. Zu den Themen Forschung und Gesundheitsfinanzierung legt der Brief ebenfalls notwendige Verpflichtungen für die Weltgemeinschaft dar.

Das komplette Schreiben und die Liste aller Unterzeichnenden können beim Aktionsbündnis gegen AIDS nachgelesen werden.

 

Rote AIDS-Schleife © jc_cards von pixybay 


Weitere Kampagne fordert Bekämpfung struktureller Ungerechtigkeiten in der Pandemie

„Raus aus der Krise nicht zurück“ - mit diesem Aufruf fordert ein neues zivilgesellschaftliches Bündnis die Bekämpfung struktureller Ungerechtigkeiten, die von der Covid-19-Pandemie vielerorts noch verstärkt worden sind. Unter dem Namen „Solidarisch geht anders!“ geht es um faire Gesundheits- und Finanzpolitik, aber auch Themen wie Antirassismus und Klimagerechtigkeit werden angesprochen.


Make them sign!

Trotz des dramatischen globalen Mangels an Covid-19-Impfstoffen, blockiert die deutsche Bundesregierung weiterhin internationale Initiativen zur Ausweitung von Produktionskapazitäten. Ein zivilgesellschaftliches Bündnis unter Beteiligung der BUKO Pharma-Kampagne hat deshalb heute die Kampagne „Sign!“ gestartet. make them sign bundeskanzlerin


BUKO zu Gast bei der Bielefelder Global Health Initiative

Einladung an alle Interessierten:

Die BUKO Pharma-Kampagne veranstaltet gemeinsam mit der Bielefelder Global Health Initiative (BiGHI) ein Webinar zu Antibiotikaresistenzen und One Health - anlässlich der European Public Health Week am Thementag „All for one health“.


2021 01 Spezial KrebsBei kaum einer anderen Erkrankung zeigt sich die massive globale Ungerechtigkeit so deutlich wie bei Krebs. PatientInnen im globalen Süden haben kaum Chancen, eine angemessene Versorgung zu bekommen. Die Gesundheitssysteme sind schwach und die für die Therapie notwendigen Medikamente oft unbezahlbar. Die vorliegende Broschüre rückt die dramatischen Versorgungslücken in den Fokus. Sie bietet Daten zur globalen Krebslast und benennt die Hürden beim Zugang zu Präventionsangeboten, Behandlungen und Medikamenten. Fünf Länderstudien aus dem globalen Süden machen greifbar, wie schwierig die Situation für KrebspatientInnen, AktivistInnen und Behandelnde vor Ort ist und wie dringend der Handlungsbedarf. Schließlich berichten wir über Lichtblicke und Handlungsansätze für Wege aus dieser Krise – hin zu einer besseren und gerechteren Versorgung.

 

Download: Pharma-Brief Spezial 1/2021 Unbezahlbar krank [PDF]
Die Broschüre kann auch für 5,- € bestellt werden. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Paragraf 87 des Aufenthaltsgesetzes einschränken – JETZT UNTERZEICHNEN!

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Obwohl per Gesetz geregelt ist, dass jeder Mensch das Recht auf ärztliche Behandlung haben soll, können hunderttausende Menschen, die ohne Aufenthaltsstatus in Deutschland leben, nicht zum Arzt. Aktuell sieht Paragraf 87 des Aufenthaltsgesetzes vor, dass Sozialämter bei einer Kostenübernahme von Behandlungen verpflichtet sind, die Daten der Ausländerbehörde mitzuteilen. Dies könnte für die Betroffenen eine Abschiebung bedeuten.

Mit einer Petition, die auch von der BUKO Pharma-Kampagne unterstützt wird, soll die Übermittlungspflicht eingeschränkt und allen Menschen ermöglicht werden, ohne Angst ärztliche Behandlungen in Anspruch zu nehmen.  

Ein Bündnis von über 60 zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert somit eine Änderung von Paragraph 87 des Aufenthaltsgesetzes: „Das Gesundheitswesen muss daher von der Pflicht ausgenommen werden, Daten über Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus an die Ausländerbehörde weiterzugeben.“

Die gesamte Petition, weitere Informationen zur Kampagne, persönliche Geschichten sowie Gesichter, die hinter der Petition stehen, können Sie auf der Internetseite von GLEICHBEHANDELN einsehen. Ebenso finden Sie hier die Pressemitteilung, die am heutigen 6. Mai 2021 publiziert wurde.

Unterschreiben Sie jetzt!

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Bilder © Ärzte der Welt e. V. 2021 


Max Klein über Probleme in der krebsversorgung

Im Rahmen der Online-Reihe "talk & act" lädt die BUKO zu einem Seminar mit Max Klein ein. Er wird am Abend des 3.5. das aktuelle Projekt "Unbezahlbar krank? Krebserkrankungen im globalen Süden" der BUKO Pharma-Kampagne vorstellen.


Zivilgesellschaft kritisiert Vorstoß der neuen WTO-Führung

Hinweisschild Sackgasse Flensburg Soenke RahnÜber 240 zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter auch die BUKO Pharma-Kampagne, haben sich in der vergangenen Woche mit einem offenen Brief an die neue WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala gewandt. Das Schreiben kritisiert den von der Welthandelsorganisation jüngst lancierten sogenannten Dritten Weg, der eine Alternative aufzeigen soll zum weiterhin blockierten Prozess um den „Patent-Waiver“ von Indien und Südafrika.

Der Vorschlag der Generaldirektorin beruht vor allem darauf, freiwillige Lizenzvereinbarungen zwischen Firmen zu befördern und lediglich limitierten Technologietransfer zu ermöglichen. In dem offenen Brief heißt es daher: „Mit Nachdruck möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf die Einschränkungen lenken, die mit freiwilligen Maßnahmen von Firmen verbunden sind und die sich in dieser Pandemie bereits als unzureichend dargestellt haben.“[1] Die Unterzeichnenden verweisen auch auf den weiterhin leeren Patentpool C-TAP, der von der Pharma-Industrie ignoriert wird. Die Firmen setzen stattdessen primär auf freiwillige, bilaterale Lizenzvergaben, um vollständige Kontrolle über die Produktion zu wahren und die Märkte zu bedienen, die sie als lukrativ genug erachten.

Die Unterzeichnenden des Briefes fordern deutlich konstruktivere Maßnahmen: „Wir denken, der Weg voran sollte ein Abbau von Hindernissen bei Entwicklung, Produktion und Zulassung von Impfstoffen, Therapeutika und anderen medizinischen Technologien sein, die für Prävention, Eindämmung und Behandlung der Covid-19-Pandemie notwendig sind.“[2] So sollen mehr Hersteller, besonders aus dem globalen Süden, unabhängig zum globalen Vorrat beisteuern können. Impfstoffkapazitäten dürften nicht abhängen von den rein kommerziellen Privilegien und Exklusivrechten pharmazeutischer Firmen, so der Brief, denn: „Es steht schlichtweg zu viel auf dem Spiel.“[3]

Hängepartie hält an

Weiterhin wird der „Patent-Waiver“ von seinen GegnerInnen vehement bekämpft. Der neue, norwegische Vorsitz des WTO TRIPS Council, in dem der Entwurf immer noch fest hängt, verweigert sich konkreten Diskussionen zu Formulierungen im Text. Stattdessen wurden die BefürworterInnen des Waivers zum x-ten Male aufgefordert, Beweise für IP-Hindernisse in der Covid-19-Bekämpfung zu liefern.[4] Auch Deutschland, unter Federführung des Ministeriums für Wirtschaft und Energie sowie des Ministeriums für Justiz und Verbraucherschutz, hatte die wichtige Initiative von Indien und Südafrika in den vergangenen Monaten torpediert.[5] Mit Spannung schauen viele BeobachterInnen darauf, wie sich die Biden-Administration positionieren wird, die innenpolitisch bei dem Thema verstärkt unter Druck gerät.[6] Im April soll es nach aktuellem Stand noch zwei Treffen des TRIPS Councils geben (22. & 30.4.), Anfang Mai wiederum eine Sitzung des übergeordneten General Council der WTO (5. & 6.5.).

Eine Freigabe von Patenten wäre elementar, um die globale Bekämpfung von Covid-19 voranzubringen. Der sogenannte Dritte Weg führt jedoch in die Sackgasse und nicht nur fort vom Waiver-Vorschlag, der durch 56 Staaten als Ko-Sponsoren und eine Mehrheit der WTO-Mitglieder unterstützt wird, sondern auch sehenden Auges in eine Sackgasse.  (MK)

 (Veröffentlicht am 19.4.2021)

Zusammen mit PartnerInnen aus dem globalen Süden und Norden lancierte die BUKO Pharma-Kampagne die Kampagne „Patente töten“, der Aufruf kann hier unterstützt werden: https://www.patents-kill.org/deutsch/

Bild Sackgassen-Schild © Soenke Rahn

 

[1] TWN (2021) Zivilgesellschaftlicher Brief an Dr. Ngozi Okonjo-Iweala. www.twn.my/title2/intellectual_property/trips_waiver_proposal/CSOLetter_Dr.%20Ngozi.pdf [Zugriff am 15.4.2021]

[2] ebd.

[3] ebd.

[4] TWN (2021) Attempts to slow down discussions on TRIPS waiver at WTO. https://www.twn.my/title2/wto.info/2021/ti210404.htm [Zugriff am 15.4.2021]

[5] Pharma-Brief (2001) Solidarität dringend gesucht. www.bukopharma.de/de/pharma-brief-archiv/172-2021-artikel/400-pb2021-01-1-covid-19-solidaritaet-gesucht [Zugriff am 15.4.2021]

[6] Forbes (2021) Biden facing calls to waive Covid patents, allowing other companies to make Pfizer´s and Moderna´s vaccines. www.forbes.com/sites/nicholasreimann/2021/04/08/biden-facing-calls-to-waive-covid-patents-allowing-other-companies-to-make-pfizers-and-modernas-vaccines/?sh=30faab63ab3c [Zugriff am 15.4.2021]


Wohin mit der ganzen Kohle?

Pünktlich zum gestrigen Weltgesundheitstag publizierte die Aktionsgruppe Gesundes Klima des Netzwerks Kritische MedizinerInnen Deutschland ein Positionspapier mit dem Titel „Wohin mit der ganzen Kohle? - Divestment im Gesundheitssystem“.

In einer gestern veröffentlichten Pressemitteilung wurde das Positionspapier - unterstützt von mehreren Gesundheitsgruppen und Organisationen, darunter auch die BUKO Pharma-Kampagne - vorgestellt und damit Widersprüche in der Gesundheitspolitik deutlich gemacht.


One World One Health

... unter diesem Schlagwort aus 40 Jahren Kampagnenarbeit laden wir ein zu unserer zweitägigen Konferenz vom 30.4. bis 1.5.2021!


Über TRIPS Waiver und Patentschutzaufhebung

Symbols vaccine FlaviovivoriosallesAm 17. März 2021 fand das virtuelle Fachgespräch "Covid-19 vaccines: low supply despite huge demand. How can this be?" statt, das die BUKO Pharma-Kampagne gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen, Brot für die Welt und der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe DAHW (alle gemeinsam sind das Memento-Bündnis) veranstaltet haben. Redner:innen waren Achal Prabhala von AccessIBSA aus Indien, Umunyana Rugege von Section 27 aus Südafrika und Dimitri Eynikel von MSF aus Brüssel.

In der Diskussion ging es vordergründig um die ungerechte globale Impfstoffverteilung und Möglichkeiten, diese gerechter zu gestalten. Ein Schwerpunktthema war der so genannte TRIPS Waiver, also der Vorschlag Indiens und Südafrikas, den Patentschutz für Impfstoffe und andere Medizintechnologien zeitweise auszusetzen, um zügig mehr Impfdosen produzieren zu können. 

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und kann auf Youtube angesehen werden: Paneldiscussion: The global distribution of Covid 19 vaccines

Bild Impfe © Flaviovivoriosalles


Impfgerechtigkeit – Für Afrika nur Krümel?

Jrg SchaaberBFreyIm Rahmen der Veranstaltungsreihe Bielefelder Vorträge zum Zeitgeschehen hält Jörg Schaaber am nächsten Mittwoch (24.3.21) von 18 bis 20 Uhr einen Vortrag über die weltweite Impfstoffverteilung. Das Versprechen der Vereinten Nationen, der Weltgesundheitsorganisation und weiterer Regierungschefs, auch Entwicklungsländer hinreichend mit SARS-CoV-2-Impfungen zu versorgen, ist bis heute nicht eingelöst. Wieso das so ist und was daraus für die Zukunft zu lernen ist, erklärt Jörg Schaaber in seinem Vortrag. 

Weitere Infos im Veranstaltungskalender der Stadtbibliothek.

Die Stadtbibliothek überträgt den Vortrag im Livestream. Die Teilnahme ist kostenlos, erfordert allerdings eine vorherige Anmeldung.

Bild Jörg Schaaber © Barbara Frey


Protestaktion vor dem Wirtschaftsministerium in Berlin

WTO Patentaktion vorm WirtschaftsministeriumPatentaussetzung in der Covid-19-Pandemie weiter in Wartestellung

Weltweit erhöhen zivilgesellschaftliche Akteure den Druck, damit die Blockade des „Patent-Waivers“ für Covid-19-Produkte durch reiche Staaten bei der Welthandelsorganisation WTO endlich zu einem Ende kommt. Auch Deutschland, unter Federführung des Ministeriums für Wirtschaft und Energie sowie des Ministeriums für Justiz und Verbraucherschutz, bremst die wichtige Initiative von Indien und Südafrika aus.[1] Um auf diese destruktive Rolle aufmerksam zu machen und einen Sinneswandel anzuregen, führten mehrere zivilgesellschaftliche Gruppen, darunter auch die Pharma-Kampagne, vergangene Woche eine Protestaktion vor dem Wirtschaftsministerium in Berlin durch.


Globaler Zugang zu Impfungen und geistige Eigentumsrechte

Leaked Covid prices sCovid-19-Impfstoffe sind derzeit ein knappes Gut. Die Patentinhaber entscheiden alleine, wo und wieviel Impfstoffe hergestellt werden und wer sie bekommt. Eine Ausweitung der Produktion durch Generikahersteller wäre naheliegend. Doch die Industrie lehnt das in der Welthandelsorganisation diskutierte Aussetzen von geistigen Eigentumsrechten ebenso ab wie freiwillige Lizenzen und Technologietransfer durch den WHO-Patentpool C-TAP.[1] Patente seien nicht das Problem, behauptet Big Pharma.

Es ist keine Frage, dass es bei Covid-19 global ungerecht zugeht. Auf zehn Länder entfallen 75% der bislang verimpften Dosen, während in 130 Ländern bis Ende Februar noch niemand geimpft wurde. Nicht nur eine gerechtere Verteilung, vor allem auch mehr Impfdosen wären notwendig.

Wie das am besten erreicht werden kann, ist derzeit ein heiß diskutiertes Thema. Bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages prallten am 24.2.2021 die Meinungen aufeinander.[2] Dr. Siegfried Throm, der als Vertreter der großen Pharmafirmen für den Verband forschender Arzneimittelunternehmen (VfA) sprach, versuchte in Verdrehung der Tatsachen das Problem kleinzureden: „Wo ist der Bedarf? Es dauert ein bisschen. Aber das gilt nicht nur für die Länder in Europa oder auch in anderen Teilen, sondern das gilt natürlich weltweit.“

VertreterInnen der Pharma-Kampagne, Ärzte ohne Grenzen und Medico International, die bei der Anhörung ebenfalls zugegen waren, betonten dagegen, dass es versäumt wurde, rechtzeitig Voraussetzungen für die globale Massenproduktion von Impfstoffen und Medikamenten zu schaffen. Es sei jetzt dringend notwendig, Patente freizugeben und Technologietransfer zu leisten, um weiteren Herstellern die Produktion von Impfstoffen zu ermöglichen.


"Durch Krisen lernen – Eine Welt neu denken" - digitale Konferenz

Logo Eine Welt Netz KonferenzDas Eine Welt Netz NRW lädt zur alljährlichen Eine-Welt-Landeskonferenz am 12. und 13. März 2021 ein. Die Konferenz wird in digitaler Form über das interaktive Tool gather.town sattfinden. Verschiedenste ReferentInnen aus dem globalen Norden und Süden, aus der Politik, Wirtschaft, Kirche und Wissenschaft sind eingeladen. Darüber hinaus sind Workshops geplant, die zur Diskussion anregen sollen: Was lernen wir aus aktuellen Krisen wie der Pandemie und dem Klimawandel? Wie schaffen wir eine Transformation zu mehr Nachhaltigkeit und globaler Gerechtigkeit?

Die BUKO Pharma-Kampagne ist mit dabei und wird die virtuelle Ausstellung auf dem digitalen Markt der Möglichkeiten präsentieren.


Impfstoff als global öffentliches gut

Die Europäische Bürgerinitiative Right to Cure fordert, dass die Europäische Kommission alles in ihrer Macht Stehende tut, um Behandlungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und vor allem Impfstoffe zu global öffentlichen Gütern zu machen, die für jeden Menschen auf der Welt ohne Hürden zugänglich sind. Jeder Mensch hat das Recht auf Gesundheit und somit auch auf Heilmittel. Logo Right to Cure


Forderung: "kein Patentschutz auf lebensnotwendige Medikamente und Impfstoffe"

Berlin/Bielefeld, 19.02.2021

In einem offenen Brief hat sich ein Zusammenschluss von international arbeitenden Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen heute Vormittag an die Kanzlerin Angela Merkel gewandt. Dieser offene Brief erinnert zunächst daran, dass eine bestmögliche Gesundheitsversorgung zu jeder Zeit und besonders in Zeiten einer Pandemie ein Menschenrecht darstellt. Die Organisationen, darunter auch die BUKO Pharma-Kampagne, machen auf die ungerechte Impfstoffverteilung weltweit aufmerksam und sprechen sich für eine Patentschutzaufhebung aus.


EU-Maßnahme gegen Pharma-Hersteller Aspen lenkt den Blick auf globale Preishürden

Die Europäische Kommission hat in der vergangenen Woche die Verpflichtungszusagen der Firma Aspen Pharmacare für bindend erklärt. Der jahrelange Streit mit dem Hersteller um extreme Kosten und geringe Verfügbarkeit von sechs Arzneimitteln soll damit beigelegt werden. Konkret geht es um die Wirkstoffe Melphalan, Chlorambucil, Mercaptopurin, Tioguanin und Busulfan, die bei der Behandlung verschiedener Formen von Blutkrebs eingesetzt werden.

Aspen Durban panoramio xeonAspen hatte die Herstellung der Präparate 2012 nach Auslauf des Patentschutzes übernommen – und anschließend die Preise nach oben gejagt. Die EU antwortete 2017 mit einem Prüfverfahren und warf dem Hersteller vor, seine Marktmacht zu missbrauchen: „Selbst nach Berücksichtigung einer angemessenen Rendite hätten die Preise durchschnittlich um fast 300 Prozent über den relevanten Kosten gelegen, so die Kommission, wobei der Überschuss von Produkt zu Produkt und von Land zu Land unterschiedlich groß ausgefallen sei.“[1] Deutschland war als eines der ersten europäischen Länder von den Preissprüngen betroffen.


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