HIV Aids Jonrawlinson Aids is commons in Africa

HIV – bekämpft, aber nicht besiegt

HIV-Infektionen sind weiterhin ein Thema von globaler Tragweite. Bereits 2014 wurde von UNAIDS das sogenannte 90/90/90-Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2020 sollen 90% aller Menschen mit HIV ihren Status kennen; davon sollen 90% Zugang zu einer antiretroviralen Therapie haben, wodurch wiederum bei 90% die Viruslast im Blut unter die Nachweisgrenze gebracht wird.
Dieses Ziel ist noch lange nicht erreicht. Nach Angaben von UNAIDS lebten 2017 weltweit etwa 37 Millionen Menschen mit HIV, davon 53% in Afrika südlich der Sahara. Knapp 22 Millionen Menschen haben mittlerweile Zugang zu antiretroviraler Behandlung. Vor allem in afrikanischen Ländern ging dadurch die Sterblichkeit durch HIV deutlich zurück. In anderen Weltregionen steigt jedoch die Zahl der Neuinfektionen wieder an, z.B. in Osteuropa (Ukraine, Russland), Zentralasien, dem Mittleren Osten und in Nordafrika.

Finanzlücken gefährden Fortschritte

Bei der Behandlung von HIV/Aids hat sich zweifellos viel getan. Inzwischen stehen etliche Fixdosis-Kombinationen zur Verfügung, also Medikamente, die jeweils mehrere Wirkstoffe enthalten. Eine Einstiegstherapie ist in vielen Ländern ab 100 US$ pro Person und Jahr erhältlich. Wenn die Therapie aufgrund von Resistenzbildung ihre Wirksamkeit verliert, wird zur Secondline-Therapie gewechselt (Kosten ab 300 US$). Eine Thirdline-Therapie wiederum kostet bereits über 1.000 US$, was die Finanzierbarkeit erheblich erschwert.
Um die Preise zu senken und die Verfügbarkeit der Behandlungen zu verbessern, haben in den letzten Jahren internationale Akteure wie der Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria (GFATM) oder der Medicines Patent Pool wichtige Fortschritte erzielt. Die Finanzierung durch den GFATM ist aber mittlerweile in etlichen Schwellenländern gefährdet, weil diese Staaten aufgrund ihrer wachsenden wirtschaftlichen Stärke aus der Förderung herausfallen. PatientInnen aus vulnerablen und einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen werden dann häufig nicht mehr versorgt.

Stigma, Diskriminierung und Kriminalisierung als hohe Hürden

Tony WebsterMinnesota AIDS Project Twin Cities Pride Parade 9180874836Der fehlende Zugang zu Behandlung hat auch Konsequenzen für die Ausbreitung der Krankheit. Denn eine HIV-Therapie stoppt die Vermehrung des Virus und kann die Anzahl der HI-Viren soweit verringern, dass sie im Blut praktisch nicht mehr nachweisbar sind. Das verhindert zugleich eine Übertragung des Virus auf andere Menschen. Die Therapie ist somit Teil der Prävention. Voraussetzung ist jedoch, dass die Person ihren HIV-Status kennt. Häufig stehen aber Diskriminierung und die Angst vor Stigmatisierung oder Kriminalisierung einer Testung und Therapie im Weg. In Osteuropa, dem Mittleren Osten und Zentralasien betrifft dies vor allem Männer, die Sex mit Männern haben, Menschen mit Transgender-Identitäten und DrogennutzerInnen. Auch Menschen im Gefängnis gehören zu diesen Gruppen, die besonders stark von HIV/Aids betroffen sind.
Die globale Gemeinschaft steht nach bedeutenden Erfolgen im Kampf gegen HIV/Aids vor der schweren Aufgabe, nicht in ihren Bemühungen nachzulassen und dadurch Erreichtes zu gefährden. Bei der Welt-AIDS-Konferenz im Juli 2018 wurde mehrfach vor einem möglichen "Rollback" gewarnt. Das durch UNAIDS herausgegebene Global Aids Update 2018 trug auch vor diesem Hintergrund den bezeichnenden Titel „Miles to go“. HIV/Aids ist ein Querschnittsthema und muss als solches begriffen werden. Das bedeutet besonders, den Blick zu weiten für wirksame und breite gesellschaftliche Gegenmaßnahmen – auch und gerade gegen Stigma, Diskriminierung und Kriminalisierung.

Startschuss für neues Projekt

Ein neuer E-Learning-Kurs der BUKO Pharma-Kampagne soll dieses vielschichtige Themenfeld stärker in den Fokus rücken und in der zivilgesellschaftlichen Arbeit verankern. Das Online-Tool richtet sich vor allem an international tätige deutsche NROs sowie deren MitarbeiterInnen, hält aber auch für Aids-Beratungen in Deutschland und Projekt-Finanzierer interessante Informationen bereit.
Der Kurs begreift HIV als globale Herausforderung, verdeutlicht aber anhand von Länderbeispielen auch regional und national spezifische Aspekte. So spielt HIV etwa in einigen Ländern im Kontext von Mutter-Kind-Gesundheit eine wichtige Rolle, in anderen wiederum besonders in Verbindung mit Drogennutzung. Das Tool soll deutlich machen, wie stark die Aspekte Therapie und Prävention zusammenhängen, welche elementare Bedeutung Stigmatisierung und Diskriminierung haben oder auch die Kriminalisierung von Menschen mit HIV. Zusätzlich soll der Kurz praxisnah vermitteln, welche medizinischen und soziokulturellen Maßnahmen sich im Kampf gegen die Krankheit als adäquat und erfolgreich erwiesen haben.
Der Startschuss für das Projekt mit dem Titel „HIV – bekämpft aber nicht besiegt“ fiel im April. Im Frühjahr 2020 wird der Online-Kurs kostenlos auf unserer Webseite zur Verfügung stehen.

Aktuelle Informationen zum Thema finden Sie auch im Pharma-Brief 1/2019 (S. 3-4) und 2/2019 (S. 3-4).

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