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Versorgungslücken weltweit und auch in Deutschland

Tony WebsterMinnesota AIDS Project Twin Cities Pride Parade 9180874836Auch wenn sich der Zugang zu antiretroviralen Medikamenten weltweit stark verbessert hat – Stigmatisierung, Kriminalisierung und auch hohe Medikamentenpreise schließen immer noch viele Menschen von Prävention, Diagnose und Behandlung aus. Eine neue Broschüre von BUKO Pharma-Kampagne und Aktionsbündnis gegen Aids (AgA) analysiert den Status Quo der globalen Bemühungen gegen HIV/Aids und beleuchtet diese Probleme.

UNAIDS verzeichnet weiterhin Rekordzahlen bei den Behandlungsraten und Erfolge bei der Verringerung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV. Auch im Bereich Vorsorge hat sich Einiges getan: So stehen z.B. neue Therapien zur Verfügung, um stark gefährdete Menschen aus Schlüsselgruppen vor einer Ansteckung zu schützen.
Trotzdem bleibt noch viel zu tun, denn von den fast 38 Millionen Menschen mit HIV weltweit erhalten nur etwas mehr als 24 Millionen eine entsprechende Behandlung (Stand Juni 2019). Und eine der größten Herausforderungen ist seit Dekaden unverändert geblieben: HIV betrifft nach wie vor überdurchschnittlich viele Menschen in Bevölkerungsgruppen, die stark marginalisiert und diskriminiert werden1. Menschen in Haft, Sex-ArbeiterInnen, NutzerInnen intravenös injizierter Drogen, Transgender, sowie Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) werden weiterhin von Präventions- und Therapieangeboten nur ungenügend erreicht. „Millionen Menschen warten immer noch darauf, dass ihrem Recht auf Gesundheit mit Solidarität und Engagement begegnet wird.“, resümiert Max Klein von der BUKO Pharma-Kampagne.
Die neue, 36-seitige Broschüre „HIV/Aids global – Was zu tun bleibt“ nimmt diese Situation näher in den Blick. Die AutorInnen beleuchten aktuelle Trends, zeigen alte und neue Probleme bei Aufklärung, Prävention und Behandlung auf und analysieren den Status Quo in der Arbeit gegen die Erkrankung. Stimmen aus Deutschland kommen dabei ebenso zu Wort wie ExpertInnen und AktivistInnen aus dem globalen Süden. Sie machen auch deutlich, wo es positive Entwicklungen und sinnvolle Handlungsansätze gibt, um bis 2030 ein Ende von Aids zu erreichen, wie es die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) der Vereinten Nationen fordern.
Probleme bereiten z. B. die schwindende Finanzierung für Gesundheitsprogramme im Bereich HIV/Aids und die hohen Preise für neuere Therapien. Vor allem aber begünstigen Ausgrenzung und Stigmatisierung massiv die Ausbreitung des Virus – das belegen etwa steigende Infektionszahlen in Teilen Osteuropas und Zentralasiens. Doch auch in Deutschland tun sich weiterhin Lücken bei der Prävention und Versorgung auf – etwa bei Menschen in Haft. Benachteiligungen im Alltag sind weltweit für viele Betroffene eine regelmäßige Erfahrung – etwa am Arbeitsplatz, bei der Berufsausbildung oder beim Arztbesuch. Aufklärung und Sensibilisierung sind also hierzulande ebenso weiterhin gefragt.
Nicht zuletzt erweist sich das Erstarken populistischer und nationalistischer Strömungen als gravierendes Problem für PatientInnen und NGOs. In vielen Ländern tragen zivilgesellschaftliche Organisationen eine Hauptlast in den Bemühungen gegen HIV/Aids. Doch die Handlungsspielräume dieser Akteure schrumpfen, z.B. in Brasilien, Indien oder auf den Philippinen. Organisationen und Einzelpersonen, die sich im Bereich HIV/Aids engagieren, werden eingeschüchtert oder sind erheblichen Repressalien ausgesetzt. Das behindert sinnvolle Präventions- und Therapieangebote für Schlüsselgruppen. Max Klein: „Hier liegt ein großes Dilemma: Medizinischer Fortschritt kann Menschen nicht umfassend erreichen, wenn der soziale Fortschritt ausbleibt.“
„HIV/Aids global“ steht hier für Sie zum freien Download bereit.


1 WHO (2018) Why the HIV epidemic is not over. www.who.int/hiv-aids/latest-news-and-events/why-the-hiv-epidemic-is-not-over [Zugriff 23.09.2019]

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