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support letter for Anand Grover and the Lawyers Collective 1Die indische Lawyers Collective ist derzeit massiven Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Die Häuser ihrer Gründungsmitglieder wurden von der Polizei durchsucht. Mit der Organisation hat die BUKO Pharma-Kampagne in der Vergangenheit immer wieder zusammengearbeitet, wenn es um den Patentstatus von Arzneimitteln und patentrechtliche Fragen ging. Ein besorgniserregender Trend setzt sich hier fort: Indische NGOs, die sich politisch einmischen, werden mit Repressionen eingeschüchtert, um sie mundtot zu machen und zivilgesellschaftlichen Protest im Keim zu ersticken. Die Pharma-Kampagne zeichnete einen Protestbrief an die indische Botschafterin.

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logo GHHGUneinigkeit bei Struktur und Mitbestimmung

Der Global Health Hub Germany (GHHG) bleibt ein Problemprojekt des Bundeministeriums für Gesundheit (BMG). Denn das Hauruck-Verfahren bei seiner Gründung rächt sich nun bei der Diskussion um die interne Entscheidungskultur.

Nach anhaltender externer Kritik, zuletzt etwa in einem Beitrag in welt-sichten1, rumort es mittlerweile vernehmlich in den „Eingeweiden“ des Hubs. Ursächlich dafür sind vor allem auch die Versäumnisse beim Aufbau des Prestige-Objekts (wir berichteten2).
Entzündet haben sich die Diskussionen innerhalb des GHHG vor allem an der Frage, wie die noch ausstehende Satzung aussehen soll und dabei besonders, in welchem Verfahren sie bearbeitet und verabschiedet werden wird. In einem Brief an das BMG und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) benennt Eva-Maria Schreiber, Bundestagsabgeordnete der Linken und Mitglied im Hub, das Problem3: Demnach sei ursprünglich zugesagt worden, die Satzung in einem transparenten Konsultationsprozess gemeinsam mit allen Mitgliedern zu erarbeiten – nun solle jedoch wohl zeitnah der Lenkungskreis allein eine finale Version verabschieden. Die GIZ bestreitet das. Mitglieder könnten bald im Intranet des Hubs Rückmeldungen zu der von GIZ und Lenkungskreis entworfene Satzung geben.
Dennoch stellen sich (mindestens) zwei kritische Frage. Zum Einen, auf welcher Grundlage der Interims-Lenkungskreis bei diesem Prozess eigentlich handeln kann. Zum Anderen, welche Rolle denn die Mitglieder des Hubs letztlich spielen, sofern basisdemokratisches Handeln wirklich angestrebt wird.

Deutschland schert bei WHA-Resolution zu Transparenz aus

Die Weltgesundheitsversammlung (WHA) hat am 28.5. eine Resolution verabschiedet, die sich für stärkere Transparenz im Markt für Medikamente, Impfungen und andere Medizinprodukte einsetzt. In einem tagelangem Ringen im Genfer Hauptquartier der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde versucht, den Originaltext aufzuweichen. Deutschland tat sich dabei besonders negativ hervor.

Room 24 cropped e1558734826783Die Transparenzresolution bei der Weltgesundheitsversammlung (WHA) steht auf der Kippe. Bis in den späten Samstagabend verhandelte eine kleine Gruppe über einen Kompromissvorschlag, der von mehr Ländern getragen wird. Das macht es wahrscheinlicher, dass über die Resolution am Dienstag, 28.5., dem letzten Tag der WHA abgestimmt werden kann. Gleichzeitig zeichnet sich aber ab, dass der Zugang zu Informationen über Forschungskosten verwässert wird.

Mehr Informationen hier.

Foto: Catherine Saez.

(23.5.2019) Auf der Weltgesundheitsversammlung wird derzeit eine wichtige Resolution diskutiert, die für mehr Transparenz bei Arzneimittelpreisen sorgen soll. Doch Deutschland torpediert die Verabschiedung. Mit einem offenen Brief an Jens Spahn fordern wichtige deutsche Nichtregierungsorganisationen den Bundesgesundheitsminister auf, die Blockade aufzugeben.

749px Palais des Nations unies GenveHohe Preise behindern in vielen Ländern den Zugang zu Medikamenten. Gerechtfertigt wird das oft mit dem hohen Aufwand für Forschung und Entwicklung. Die tatsächlichen Kosten sind jedoch meist ebenso wenig bekannt wie der Anteil öffentlicher Forschungsmittel. Identische Präparate kosten je nach Land unterschiedlich viel, soweit die tatsächlich gezahlten Preise überhaupt bekannt sind. Auch der Nutzen vieler Medikamente bleibt angesichts unvollständiger Veröffentlichung der Ergebnisse klinischer Studien unklar.

Italien, Griechenland, Ägypten, Malaysia, Portugal, Serbien, Slowenien, Südafrika, Spanien, Tunesien, der Türkei und Uganda haben deshalb eine Resolution eingebracht. Sie soll mehr Klarheit in den ganzen Prozess von der Ausrichtung der Forschung bis zur Finanzierung von Medikamenten für die PatientInnen bringen. Ein Mandat der Weltgesundheitsorganisation, für mehr Transparenz bei den Medikamentenpreisen zu sorgen, würde ein wichtiges Zeichen für einen besseren Zugang für alle Menschen setzen.

Hier finden Sie den offenen Brief an Jens Spahn.                                                     

Hier finden Sie die zahlreichen Änderungs- und Streichungsvorschläge zur WHA-Resolution (Abruf 23.5.2019)

Unterzeichner des offenen Briefs:
Aktionsbündnis gegen Aids
Ärzte der Welt
Ärzte ohne Grenzen
Brot für die Welt
BUKO Pharma-Kampagne
Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e. V. (bvmd)
Deutsches Institut für Ärztliche Mission e.V. (Difäm)
Memento Bündnis
Sektion Universal Access Deutsche Aids Gesellschaft e.V. (DAIG)
Universities Allied for Essential Medicines Europe (UAEM)
Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP)

Joint StatementDie Pharma-Kampagne und weitere NGOs fordern: Regierungen müssen sich auf der Weltgesundheitsversammlung für Transparenz bei Medikamentenpreisen einsetzen.
Das gemeinsame Statement (auf Englisch) finden Sie hier.

Joerg kleinAuf der Jahrestagung von Health Action International (HAI) in Riga am 10.5.2019 wurde dem BUKO Pharma-Kampagne Mitarbeiter Jörg Schaaber von der HAI Europa-Vorsitzenden Elita Poplavska die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Sie dankte für sein außergewöhnliches jahrzehntelanges Engagement. Jörg Schaaber hat HAI im Mai 1981 mitgegründet und war von 1988-2001 im Vorstand von HAI Europa. Bis heute begleitet er viele Aktivitäten von HAI mit seiner inhaltlichen Kompetenz. Das Team der Pharma-Kampagne gratuliert dem Kollegen.

Medizinische Erfolge lösen soziale Probleme nicht

Der Fall des „Londoner Patienten“ sorgte zuletzt weltweit für Schlagzeilen: Der HIV-positive und krebskranke Mann wurde in Großbritannien aufwendig behandelt, mittlerweile ist das HI-Virus bei ihm seit Monaten nicht mehr nachweisbar. Kann man also von einer „Heilung“ sprechen? Und was bedeutet diese Nachricht für den globalen Kampf gegen HIV/Aids?

Screenshot 2019 05 15 Phbf2019 02 pdfAuslöser der sensationellen Meldung war ein Beitrag im Fachjournal Nature Anfang März. Ein medizinischer Fachartikel schilderte den Fall eines an Lymphdrüsenkrebs erkrankten und HIV-positiven Mannes. Nach einer speziellen Therapie ließen sich in seinem Blut selbst 18 Monate nach Aussetzen der antiretroviralen Behandlung keine Erreger mehr finden.1 Das mediale Echo war gewaltig, oft fiel das Wort „Heilung“.
Ein Ärzteteam in Großbritannien hatte den Patienten wegen Krebs behandelt. Nach der Chemotherapie griffen sie zu einer speziellen Knochenmarktransplantation (Stammzelltransplantation). Dafür suchten sie einen passenden Spender, der zugleich eine seltene Gen-Mutation aufwies. Sie bewirkt, dass viele Varianten des HI-Virus nicht in die Immunzellen des Körpers eindringen können.2 Das Vorgehen der MedizinerInnen in London orientierte sich dabei an dem Fall des so genannten „Berliner Patienten“.
Das erste Mal, dass ein Mensch mit HIV von einem Großteil der Fachwelt als geheilt angesehen wurde, liegt über zehn Jahre zurück. Der Patient wurde damals in der Berliner Charité behandelt, auch er litt an Krebs und bekam fremdes Knochenmark. Allerdings wies er eine weit fortgeschrittene Leukämie auf und erhielt zwei Transplantationen, sowie eine deutlich stärkere Chemotherapie. Auch heute noch ist das Virus bei ihm nicht mehr nachweisbar. Nach diesem Behandlungserfolg tauchten zudem weitere Fälle auf, in deren Zusammenhang über eine mögliche Heilung diskutiert wurde, die jedoch sehr umstritten bleiben.3

Heilung in Sicht?

So positiv die Entwicklung beim „Londoner Patienten“ verlaufen ist, so sehr bedarf die aktuelle Meldung einer kritischen Einordnung. Zum einen ist der Begriff der Heilung im Kontext von HIV/Aids äußerst unscharf. Die Autoren der Nature-Studie sprechen daher stattdessen von einem langfristigen Rückzug der Erkrankung. Erinnert sei an den Fall des „Mississippi Baby“, das sich bei der Geburt mit HIV ansteckte, später aber 27 Monate lang ohne antiretrovirale Therapie keine Viren mehr aufwies, ehe die Krankheit erneut diagnostiziert wurde.4
Zum anderen kann die Behandlung der zwei genannten Patienten ohnehin nicht als nahe Standardtherapie gesehen werden. Stammzelltransplantationen sind Ultima Ratio, extrem teuer und mit massiven Risiken behaftet. Der Versuch, die Behandlung des „Berliner Patienten“ zu kopieren, schlug zuvor bereits in mehreren anderen Fällen fehl, teils mit Todesfolge. Das jeweils passende Knochenmark mit zusätzlicher Mutation zu finden, ist ebenfalls eine Mammutaufgabe. Darüber hinaus existieren HI-Viren, die anderweitig in die Zellen gelangen können.

Neue Hoffnung, alte Probleme

So wünschenswert medizinische Fortschritte im Bereich HIV/Aids sind – sie sollten nicht davon ablenken, dass im globalen Kampf gegen die Krankheit weiterhin vor allem soziale Barrieren ein großes Problem darstellen.
Anlässlich des letzten Weltaidstages konstatierte die WHO: „Eine der größten Herausforderungen für den Kampf gegen HIV ist seit 30 Jahren unverändert: HIV betrifft überdurchschnittlich Menschen in vulnerablen Bevölkerungsgruppen, die oft stark marginalisiert und diskriminiert werden.“ 5 Diese zu erreichen, ist eine vordringliche Aufgabe für die Weltgemeinschaft. Als wichtige Betroffenengruppen sieht die WHO vor allem DrogennutzerInnen, Menschen im Gefängnis, Sex-ArbeiterInnen, Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sowie Transgender-Personen.
Stigma und Kriminalisierung dieser Menschen führen z. B. zum Verlust von Arbeit und Wohnraum, zu Inhaftierung, Missbrauch und schlechterer Gesundheitsversorgung. Die Auswirkungen lassen sich in Form steigender Zahlen bei Neuinfektionen beobachten – etwa in Teilen Osteuropas, in Zentralasien oder Nordafrika. Durch die Kriminalisierung von DrogennutzerInnen und das Ablehnen von Programmen zur Risikominderung (z. B. Bereitstellung sauberer Nadeln) stieg beispielsweise in Zentralasien die Anzahl an HIV-Neuinfektionen zwischen 2010 und 2017 um 30 Prozent.6
Der Traum von Heilung kann Hoffnung geben, aber eine riskante Stammzelltransplation gehört eher nicht dazu. Dennoch, medizinischer Fortschritt, etwa in Form einer vorbeugenden Impfung, bietet im Feld von HIV/Aids noch großes Potenzial. Ein Hoffen auf die Zukunft sollte jedoch nicht vom Blick auf die Gegenwart ablenken und davon, dass die vorhandenen Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten die Betroffenen oft nicht erreichen. Ein Zeitungskommentar zu den Nachrichten aus London mahnte: „Wer von Heilung träumt, sollte die Gründe, die zur Infektion führen, nicht vergessen. Wie wäre es mit einer Spritze gegen Diskriminierung und Ausgrenzung?“ 7


1 Gupta R et al. (2019) HIV-1 remission following CCR5Δ32/Δ32 haematopoietic stem-cell transplanta-tion. NATURE; www.nature.com/articles/s41586-019-1027-4 [Zugriff 04.04.2019]
2 DIE ZEIT (2019) HIV-Heilung, die zweite. www.zeit.de/wissen/gesundheit/2019-03/aids-erreger-hiv-virus-...1 [Zugriff 04.04.2019]
3 Avert (2019a) 5 times HIV was “cured”. www.avert.org/news/5-times-hiv-was-cured [Zugriff 27.03.2019]
4 Ananworanich J & Robb M (2014) The transient HIV remission in the Mississippi baby: why is this good news? Journal of the International AIDS Society. www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4240852/pdf/JIAS-17-19859.pdfncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4240852/pdf/JIAS-17-19859.pdf [Zugriff 05.02.2019]
5 WHO (2018) Why the HIV epidemic is not over. www.who.int/hiv-aids/latest-news-and-events/why-the-hiv-epidemic-is-not-over [Zugriff 02.04.2019]
6 Avert (2019b) Harm reduction for HIV prevention. www.avert.org/professionals/hiv-programming/prevention/harm-reduction [05.04.2019]
7 Kedves J (2019) Wo bleibt das Mittel gegen Ausgrenzung? Süddeutsche Zeitung 6. März www.sueddeutsche.de/kultur/2.220/hiv-aids-heilung-1.4356968 [Zugriff 04.04.2019]

logo dpgg 220Gemeinsam mit der Deutschen Plattform für Globale Gesundheit übt die Pharma-Kampagne scharfe Kritik am neu gegründeten Global Health Hub der Bundesregierung. Die Zusammensetzung des neu gegründeten Gremiums, das am 19.2. lanciert wurde, berge massive Interessenkonflikte zwischen Gemeinwohlinteressen und Gewinninteressen im Gesundheitsbereich.
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Warum NICE wichtige Ergebnisse verschweigt
Brustkrebs ist die häufigste Form von Krebs bei Frauen. Deshalb ist es für sie besonders wichtig zu wissen, ob neuere Medikamente häufiger den Tod verhindern. Das englische NICE schwärzt in seiner Bewertung von Palbociclib aber ausgerechnet die Daten zum Überleben und findet das richtig so.

NICE PalbociclibAm 20.12.2017 veröffentlichte die englische „National Institute for Health and Care Excellence“ seine Bewertung von Palbociclib.1 Dabei sind die Daten zur Überlebenswahrscheinlichkeit nach ein, zwei und drei Jahren geschwärzt (siehe Abbildung). Till Bruckner von Transparimed2 wollte sich damit nicht abfinden und forderte kürzlich vom NICE nach dem britischen Freedom of Information Act die Herausgabe der Daten.3

Transparenz – nein Danke

Zwar räumte das NICE in seiner Antwort ein: „Zugunsten der Offenlegung erkennen wir an, dass es im öffentlichen Interesse ist, Transparenz und Verantwortlichkeit darüber herzustellen, wie NICE Technologiebewertungen durchführt und wie Pharmafirmen daran beteiligt sind.“4 Nur um fortzufahren: „Wir müssen jedoch berücksichtigen, dass die geschwärzte Information von Pfizer als kommerziell sensitiv betrachtet wird und dass die Offenlegung ihren Geschäftsinteressen schaden könnte.“
Aus dieser Antwort kann man eigentlich nur schließen, dass die geschwärzten Passagen für den Hersteller ungünstige Informationen zu dem Medikament enthalten. Wenn die vollmundigen Versprechen der Firma zum Nutzen von Palbociclib nicht zutreffen,5,6 könnte das in der Tat dem Umsatz schaden. Gleichwohl haben die von Brustkrebs betroffenen Frauen ein berechtigtes Interesse daran, vollständig über den tatsächlichen Nutzen und Schaden einer Behandlung informiert zu werden. Zumal die unerwünschten Wirkungen von Palbociclib erheblich sind.7

Immer schön brav

Damit nicht genug. Besonders krass ist die weitere Begründung von NICE. Da wird die Schwärzung damit begründet, dass ohne diese Vertraulichkeit die Unternehmen eventuell das Verfahren nicht mehr unterstützen würden und das könne nicht im öffentlichen Interesse sein.3 Zum Hintergrund: Im Gegensatz zum deutschen Nutzenbewertungsverfahren, dass die Hersteller per Gesetz dazu verpflichtet, die vollständigen Daten zu ihrem Präparat herauszurücken, geschieht das in England auf freiwilliger Basis. Das macht das NICE erpressbar – was zu beweisen war.
Der ganze Vorgang ist auch mit Blick auf die derzeitige Debatte über eine einheitliche europäische Nutzenbewertung wichtig, denn beim heutigen Stand des Gesetzentwurfs, sind weder die Verpflichtungen des Herstellers zur Lieferung der Daten von klinischen Studien noch die Transparenz des Bewertungsprozesses hinreichend klar geregelt. Der geschilderte Vorfall mag als Mahnung dienen, dass hier Rückschritte verhindert werden müssen. (JS)


IQWiG PalbociclibZum Vergleich: Die Bewertung des deutschen "Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen"

KlimabildLebensräume, Atemluft, Trinkwasser und Ernährung sind durch steigende Meeresspiegel, Extremwetter-Ereignisse, Hitzewellen und Dürren in Gefahr. Unterlassener Klimaschutz kommt uns teuer zu stehen. Mit ihrem Bericht zur Weltklimakonferenz COP24 in Kattowitz legt die WHO dazu aktuelle Berechnungen vor.

Außerdem im aktuellen Heft:
Die Schattenseiten des Vitamin D-Papstes
Der Arzneiverordnungsreport 2018
Warum der Zugang zu Medikamenten in Europa verbessert werden muss
Manifest zu den Europawahlen


Download: Pharmabrief 10/2018 [PDF/400kB]

EP Manifesto logosDie Europäische Union muss die Menschen in den Mittelpunkt ihrer Forschungspolitik stellen. Das fordern 25 Organisationen in einem heute veröffentlichten Manifest. Viele Gesundheitssysteme in der EU leiden unter den Folgen einer einseitigen Industriepolitik im pharmazeutischen Sektor. Diese zielt fast ausschließlich auf das Wirtschaftswachstum und auf Gewinnmaximierung, statt auf die optimale Versorgung der Bevölkerung mit guten und bezahlbaren Medikamenten. Bessere Regeln für Forschung und Entwicklung können eine Kehrtwende einleiten.
Viele Gesundheitssysteme in der EU leiden unter den Folgen einer einseitigen Industriepolitik und Regeln für geistige Eigentumsrechte im pharmazeutischen Sektor. Beide zielen fast ausschließlich auf das Wachstum der europäischen Wirtschaft und auf Gewinnmaximierung, statt die Versorgung der Bevölkerung mit guten und bezahlbaren Medikamenten in den Mittelpunkt zu stellen. In Europa und weltweit steigen die Preise neuer Arzneimittel rasant. Das bedeutet für die öffentlichen Gesundheitssysteme enorme finanzielle Belastungen. In der Folge wird eine steigende Zahl von Behandlungen für lebensbedrohende Infektionen und Krankheiten wie Krebs oder Hepatitis C für viele PatientInnen und nationale Gesundheitssysteme unbezahlbar. Das ist das Ergebnis eines ineffektiven und teuren Systems für Forschung und Entwicklung (F&E), das neue Medikamente mit Monopolen belohnt.
Dr. Christian Wagner-Ahlfs von der BUKO Pharma-Kampagne stellt fest: „Wir brauchen einen „Public return on public investment“: Das Geld der SteuerzahlerInnen, das in biomedizinische F&E investiert wird, muss den größtmöglichen Nutzen für die Gesellschaft bringen.“
Dazu sollten das Europäische Parlament und die Europäische Kommission die Arzneimittelforschung mit dem Leitprinzip Open Science nachhaltig gestalten. Ansatzpunkte sind De-Linkage (Arzneimittelentwicklung von der Aussicht auf hohe Preise abkoppeln), Forschungsprämien, sozialverträgliche Lizenzierungen und Open Source Forschung.
Weitere Information bietet das Manifest „Gesundheit hat Vorrang: Zugang zu Medikamenten in Europa verbessern“ [pdf/50kB]

English Version [pdf/1MB]

Startbild7Am 14.11. ist Weltdiabetestag. Die WHO listet die chronische Krankheit als eine der zehn häufigsten Todesursachen weltweit. Gerade Länder im globalen Süden sind verstärkt betroffen, doch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wird dieser neuen Herausforderung noch nicht gerecht. Nun ist ein deutschsprachiges Lern-Instrument zugänglich, das Abhilfe schaffen soll. Es ist frei verfügbar unter www.bukopharma-online-lernbox.de/diabetes/.
Der neue Kurs richtet sich an Personen, die im globalen Süden in Gesundheitsprojekten tätig sind oder in Deutschland zuständig für deren Konzeption und Management. Auch die politische Arbeit zu Gesundheitsthemen wird aufgegriffen und die FinanziererInnen von entsprechenden Vorhaben angesprochen. Auf lange Sicht soll so die Versorgung der PatientInnen, aber auch die Prävention verbessert werden. Dafür gibt das Tool in seinen sechs Kapiteln nicht nur einen facettenreichen Überblick zum Thema, sondern erläutert auch praktische Hilfestellungen für die Arbeit der Zielgruppen.
Nach den Themen Verhütung (2015) und Antibiotikaresistenzen (2016) ist der Online-Kurs zu Diabetes bereits der dritte der BUKO Pharma-Kampagne.

EU HTAÖsterreich macht Kompromissvorschlag zur einheitlichen Nutzenbewertung (EU-HTA).

Nachdem der Gesundheitsausschuss des EU-Parlaments dem ursprünglichen Entwurf der Kommission (Pharma-Brief 3/2018, S. 1) für eine einheitliche europäische Nutzenbewertung schon die meisten Giftzähne gezogen hatte (Pharma-Brief 7/2018, S. 6), stimmte das Parlament am 3. Oktober dem Gesetzentwurf mit wenigen Änderungen zu. Beschlüsse sollen nun mit einer qualifizierten Mehrheit getroffen werden: 55% der Mitgliedsstaaten und mindestens 65% der EU-Bevölkerung muss durch die zustimmenden Staaten repräsentiert sein. Eine gute Regelung wurde etwas aufgeweicht: Zwar soll nach wie vor mindestens eine vergleichende Studie vorgelegt werden, die den neuen Wirkstoff mit der besten bekannten Therapie vergleicht und dabei patientenrelevante Endpunkte wie Sterblichkeit und Krankheitsverlauf misst, aber einschränkend wurde eingefügt, dass das nur dann verlangt werden kann, „sofern dies praktisch umsetzbar und ethisch vertretbar ist“.
Als kritisch gilt auch eine bereits vom Gesundheitsausschuss formulierte Regelung zur Transparenz. Dort heißt es: „Veröffentlichte Daten mit den Ergebnissen gemeinsamer wissenschaftlicher Konsultationen müssen ferner auf anonymisierte Weise präsentiert werden, wobei alle sensiblen Geschäftsdaten unkenntlich zu machen sind.“ Nach bisherigen Erfahrungen mit der Europäischen Zulassungsbehörde EMA lässt eine solche Formulierung befürchten, dass auch relevante Ergebnisse von klinischen Studien geschwärzt werden könnten.
Streitpunkt zwischen Parlament und Mitgliedsstaaten bleiben zusätzliche nationale Nutzenbewertungen, die zwar prinzipiell durch die vom Parlament beschlossene Fassung ermöglicht werden (Artikel 8), aber die Bedingungen dafür bleiben unklar formuliert. Außerdem gibt es quasi einem Genehmigungsvorbehalt für diese zusätzlichen Bewertungen (Artikel 34).
Die österreichische Ratspräsidentschaft versucht zu vermitteln. So wird vorgeschlagen, dass Mitgliedsstaaten zusätzliche Bewertungsschritte durchführen können und zusätzliche Analysen zu Aspekten gemacht werden können, die von der EU-Bewertung nicht abgedeckt werden. Auch die Auswertung zusätzlicher Studien sei möglich. Vor allem aber soll der Artikel 34 gestrichen werden, also die EU keine Möglichkeit haben, zu den zusätzlichen Bewertung den Daumen zu heben oder zu senken.1
Das deutsche Bundesgesundheitsministerium hält es für unwahrscheinlich, dass die Regeln zum EU-HTA noch vor der Wahl zum neuen EU-Parlament im Mai nächsten Jahres verabschiedet werden können. Ende diesen Monats treffen sich die Gesundheitsminister wieder, um über den österreichischen Vorschlag zu diskutieren.


1Wheaton S (2018) Austrian Council presidency floats HTA compromise. Politico 22 Oct.

Medikamente PackungenAm 27.9. findet das dritte High-Level Meeting der UN zur Verhinderung nichtübertragbarer Krankheiten (NCDs) in New York statt. Menschen in ärmeren Ländern haben im Alter zwischen 30 und 70 Jahren die höchste Sterblichkeit an NCDs. Viele dieser Todesfälle ließen sich durch Prävention und bessere Behandlung vermeiden. Die WHO nennt als wichtiges Hindernis für Verbesserungen die Rolle der Alkohol-, Tabak- Lebensmittelindustrie und fordert den ungehinderten Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln.[i] Dass in dem Vorbereitungsprozess des Gipfels die Allianz der zehn größten Nahrungsmittel- und Getränkehersteller, der internationale Verband von Big Pharma (IFPMA) und die ebenfalls mit Herstellerinteressen belastetete NCD Commission eine prominente Rolle spielten, stieß auf scharfe Kritik von NGOs, darunter auch der Pharma-Kampagne. Sie fordern, für die Weiterarbeit scharfe Regeln zu Interessenkonflikten aufzustellen.

Quelle: http://apps.who.int/gb/ebwha/pdf_files/WHA71/A71_14-en.pdf

Download: Offener Brief an die Verantwortlichen der UN [pdf/490kB]

IMG 20180905 100914Beteiligung an globaler Gesundheitsstrategie

Bis Ende 2019 will die Bundesregierung eine Strategie zu globaler Gesundheit entwickeln. Der Prozess dahin ist von bislang ungewohnter Beteiligung und Transparenz geprägt. Auf einer Austauschveranstaltung am 5.9.2018 konnten die nichtstaatlichen Akteure ihre Positionen vorstellen.

Bereits in ihrer Koalitionsvereinbarung hatten die Regierungsparteien betont, dass Deutschland eine aktive und konstruktive Rolle in der internationalen Gesundheitspolitik spielen solle. Und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich das Entwicklungsziel Gesundheit (Ziel 3 der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen) auf die Fahne geschrieben. Gemeinsam mit dem Präsidenten Ghanas, Nana Addo Dankwa Akufo-Addo, und der norwegischen Ministerpräsidentin Erna Solberg schrieb sie im April an Tedros Adhanom Ghebreyesus, den Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die drei StaatschefInnen mahnten in ihrem Brief verstärkte Anstrengungen für das Entwicklungsziel Gesundheit. Sie forderten die WHO auf, bei der Umsetzung eine Führungsrolle zu übernehmen und gemeinsam mit anderen UN-Organisationen einen konkreten Aktionsplan zu entwickeln.

Wir berichteten wiederholt über die Diskussion um den Gesetzesvorschlag der EU-Kommission zur Nutzenbewertung von Arzneimitteln (HTA).1,2 Am vergangenen Donnerstag gab es eine wichtige Zwischenentscheidung. Wesentliche Kritik der Pharma-Kampagne und vieler anderer wurde aufgegriffen.

Medikamente EvaluationJetzt liegen auch die konsentierten Kompromissvorschläge des federführenden Ausschusses für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittel (ENVI) des EU-Parlaments vor.3 Gegenüber dem Kommissionsvorschlag gibt es einige deutliche Verbesserungen. Wichtig ist, dass die HTA-Bewertung nicht mehr parallel mit dem Zulassungsprozess durchgeführt werden soll, sondern im Anschluss. Die Berichterstatterin des ENVI-Ausschusses, Soledad Cabezón Ruiz, betonte, dass eine schnelle Marktverfügbarkeit nicht das erste Kriterium sein könne: „Für uns ist es sehr wichtig, dass die Qualität im Vordergrund steht, […] nicht die Geschwindigkeit“.4 Deshalb wurde der Anspruch, dass die Bewertung des Nutzens zum Zeitpunkt der Zulassungsentscheidung abgeschlossen sein soll, gekippt.
Beschlüsse über die Bewertung eines Arzneimittels oder Medizinprodukts sollen im Streitfalle nur mit einer 2/3 Mehrheit der Mitgliedsstaaten verabschiedet werden können. Vorgesehen war eine einfache Mehrheit.

Aufbau des Straßentheaters vor dem Hambacher WaldUnser Straßentheater Schluck & weg machte am Mittwoch (12.09.) Station am Hambacher Forst und gab spontan eine Vorstellung ihres Stücks zum Thema Klimawandel und Gesundheit. Denn der Hambacher Forst wird momentan zum zentralen Symbol der Auseinandersetzung um den Kohleausstieg und den Stopp des Braunkohletagebaus.
Davina Dietrich, Akteurin des Straßentheaters schreibt dazu in ihrem Blog: "Wir wollten diesen Menschen hier, die den Wald schon seit Jahren besetzen, sagen: Ihr seid nicht allein im Kampf gegen den Klimawandel!" Die Wald-BesetzerInnen zeigten der Gruppe nach der Aufführung den Wald und ihre Baumhäuser.

Seit gestern (13.09.) hat die Polizei mit der Räumung des Waldes begonnen. Heute fielen bereits die ersten Bäume, weil die Polizei zur Räumung eine Schneise in den Wald schlägt (Quelle: WDR).

Hier können Sie die Petition "Retten statt roden" unterzeichnen.

Binguel BRiskante Manoever Cover(3.5.2018) Ein Pharmakonzern hat ein Problem. Sein neues Schmerzmittel für Kinder scheint schwere unerwünschte Wirkungen zu haben. Der PR-Agent Mats Holm wird engagiert, um den Schaden für die Firma zu begrenzen.

So steigt der WDR-Journalist Birand Bingül in seinen Erstlingskrimi „Riskante Manöver“ ein. Daraus entwickelt sich eine Geschichte, die zu jedem Krimi gehört: Verwicklungen, falsche Fährten, und etwas gewalttätig geht es natürlich auch zu.

Der Autor schafft es, mit seiner fiktiven Handlung einen glaubwürdigen Einblick in das Denken und Handeln der Pharmabosse zu geben. Ganz nebenbei bekommen die LeserInnen auch noch etliche Fakten und Zusammenhänge über die dunklen Seiten der Branche serviert, die – leider – den Tatsachen entsprechen. Auch wenn der Autor zu Recht betont, „alle in diesem Roman geschilderten Handlungen und Personen sind frei erfunden“, so ähnlich könnte eine Krise in der Pharma-Industrie ablaufen. Vermutlich etwas unblutiger, aber die Abwehrstrategien sind aus real existierenden Fällen durchaus bekannt. Schließlich hat der Autor bei seinen Recherchen für den Roman auch mit der BUKO Pharma-Kampagne und anderen Kennern der Szene gesprochen. 

Bingül B (2018) Riskante Manöver. Ein Fall für Mats Holm. München: btb. 446 S., 10 €

CC.GPSLeo Ende Gelnder November 2017 Police in front of a digger(7.4.2018) Es ist an der Zeit, Gesundheit klar vor Profitinteressen zu stellen! Wir lehnen eine Wirtschaft und Politik ab, die Krankheit verursacht und billigend in Kauf nimmt.
Zum Weltgesundheitstag appelliert die Pharma-Kampagne darum an die Bundesregierung, alles Notwendige für einen schnellen und sozialverträglichen Kohleausstieg zu tun. Denn die Gesundheit der BürgerInnen muss oberste Priorität haben - und auch der globalen Verantwortung sollte Deutschland Rechnung tragen.

Die Pharma-Kampagne unterstützt mit ihrer Forderung die Ziele der AG Klimawandel und Gesundheit/Kritische MedizinerInnen Deutschland und auch der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit. Dieses neue Bündnis von Organisationen und Einzelpersonen aus dem Gesundheitsbereich will Klimawandel als wichtiges Gesundheitsthema etablieren und politische und gesellschaftliche Veränderungen anstoßen.

Foto: Ende Gelände

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