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Aids StophandWeiterhin sterben weltweit jährlich etwa 770.000 Menschen an Aids. Bereits vor dem Ausbruch von COVID-19 grassierte die Sorge vor Rückschritten in der HIV-Arbeit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont, dass eine der größten Herausforderungen in dem Feld seit Langem besteht: HIV betrifft nach wie vor überdurchschnittlich häufig Menschen, die marginalisiert und zugleich von den globalen Bemühungen nur ungenügend erreicht werden. Zu diesen Schlüsselgruppen gehören etwa Menschen in der Sexarbeit und Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Stigma, Diskriminierung und Kriminalisierung behindern oft Prävention und Behandlung.

Am 23. Juni veröffentlicht die BUKO Pharma-Kampagne ihren neuen Online-Lernkurs zu HIV. Er beleuchtet den aktuellen Handlungsbedarf und bietet praktische Empfehlungen. Das deutschsprachige Angebot ist frei zugänglich unter www.bukopharma-online-lernbox.de/aids/. Der Launch erfolgt im Vorfeld der im Juli (digital) stattfindenden Fachkonferenzen „HIV2020“ und „AIDS 2020“.

Der E-Learning-Kurs richtet sich an Personen, die im globalen Süden in Gesundheitsprojekten tätig sind oder in Deutschland zuständig für deren Konzeption und Management. Auch die politische Arbeit zu Gesundheitsthemen wird aufgegriffen und die Finanzierenden von entsprechenden Vorhaben angesprochen. Ebenso können Aidshilfen in Deutschland davon profitieren und natürlich alle, die sich für die Probleme der Bekämpfung von HIV interessieren.PFQ Startvideo

Der Kurs umfasst sechs Module mit Unterkapiteln. Jeder Abschnitt wird mit einem Erklärvideo eingeleitet. Neben den medizinischen Grundlagen werden vor allem die Formen und Auswirkungen von Stigma, Diskriminierung und Kriminalisierung verdeutlicht. Ein Schwerpunkt liegt zudem auf den verschiedenen Ebenen und Instrumenten der Präventionsarbeit sowie den UNAIDS-Schlüsselgruppen. Länder- und Projektstudien aus dem globalen Süden bringen in allen Kapiteln positive und negative Ansätze näher. Praktische Hilfestellungen für die Zielgruppen runden den Kurs ab. Teilnehmende können ein Zertifikat erhalten, wenn sie sich anmelden und erfolgreich Testfragen beantworten.

 


Warum die EU-Handelspolitik umlenken muss.

Webinar Menschenleben vor PatentrechteDas Patentrecht ist seit langem ein Zankapfel zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden. Auch hier zeigt die Coronakrise den notwendigen Handlungsbedarf in einer globalen Dimension auf. Da es sich um eine Pandemie handelt, die auch die Industrienationen mit voller Wucht trifft, kann es sich keine Regierung leisten, einseitig die wirtschaftlichen Interessen von Pharmakonzernen zu schützen. Obwohl noch gar kein Impfstoff für COVID-19 entwickelt werden konnte, legen Parlamente bereits jetzt die Grundlage für eine Zwangslizenzierung.

Insbesondere die Länder des Globalen Südens sind aufgrund ihrer oft mangelhaften Gesundheitssysteme auf globale Solidarität angewiesen. Jedoch stellt die Herstellung und Verbreitung von Impfstoffen und Medikamenten speziell Entwicklungsländer vor große Herausforderungen. Grund: Der Schutz geistiger Eigentumsrechte von Pharmakonzernen. Pharmaunternehmen blockierten die Produktion generischer Medikamente, um ihre Profite zu schützen, die oftmals die Entwicklungskosten neuer Medizin um ein Vielfaches übersteigen. Entwicklungsländer werden so von der Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten abgeschnitten, aber auch die Krankenkassen in Deutschland und Europa geraten durch die hohen Lizenzkosten unter Druck.Im Rahmen des WTO-Abkommens über handelsbezogene geistige Eigentumsrechte (TRIPS) verpflichten sich die WTO-Mitglieder dazu, geistige Eigentumsrechte wie Patente, Markenzeichen und Urheberrechte auch im grenzüberschreitenden Handel zu schützen. Doch schon früh hagelte es Kritik: TRIPS erschwere den Zugang zu neuen Technologien und erhöhe die Abhängigkeit von den Industrieländern bei der Befriedigung grundlegender Bedürfnisse, wie dem Schutz der Gesundheit durch Zugang zu bezahlbaren Medikamenten.

Das Webinar gibt einen Einblick in die Problemlage und wir diskutieren mit Jörg Schaaber (BUKO Pharma Kampagne) und Anna Cavazzini (Mitglied des Europäischen Parlaments/Handelspolitische Sprecherin der Fraktion Die Grünen/EFA) in welche Richtung die EU-Handelspolitik jetzt einschlagen muss.

Coronakrise: Warum Menschenleben vor Patentrechte gehen & die EU-Handelspolitik jetzt umlenken muss

Öffentliches Webinar am Mittwoch, den 24. Juni 2020 um 16 Uhr.

Die Anmeldung ist hier möglich.


Ein Webinar der AG Handel.
Konzeption Brot für die Welt, Forum Umwelt und Entwicklung, PowerShift und Greenpeace.
Unter Mitwirkung der Mitglieder der AG Handel im Forum Umwelt und Entwicklung.


Antibiotikaresistenzen nehmen durch COVID-19 zuDie COVID-19 Pandemie droht, Antibiotikaresistenzen weltweit zu fördern. Bereits vor der Krise stiegen die Resistenzraten. Doch im Zuge der Pandemie werden noch einmal mehr Antibiotika irrational eingesetzt, wie Health Policy Watch berichtet. Laut WHO benötigen nur wenige COVID-19 PatientInnen aufgrund von zusätzlichen bakteriellen Erkrankungen eine solche Therapie. Neue Antibiotika sind dringend nötig, um das globale Resistenzproblem in den Griff zu bekommen. Ansonsten droht uns allen, dass bisher behandelbare Infektionskrankheiten in Zukunft tödlich enden. Leider werden jedoch kaum neue Antibiotika entwickelt, denn sie sind nicht profitabel für die Pharmaindustrie.

Interessiert an dem Thema? Weitere Informationen zu Antibiotikaresistenzen gibt es in unserem neuen Pharma-Brief Spezial!


Deutschland macht nicht mit

WHO Pool

Es war ein großartiger Vorschlag von Costa Rica: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) solle das Wissen und die notwendigen Technologien zu Covid-19 bündeln, damit Produkte schneller entwickelt werden und nach Zulassung allen Menschen weltweit zur Verfügung stehen. Jetzt wurde der COVID-19 Technology Access Pool (C-TAP) von der WHO aus der Taufe gehoben.[1]

In einem offenen Brief hatten die BUKO Pharma-Kampagne, medico international, das Aktionsbündnis gegen AIDS und World Vision Bundeskanzlerin Merkel aufgefordert, sich zu beteiligen. Doch vergeblich. Am 29. Mai 2020 beim Start von C-TAP war Deutschland nicht dabei.[2] Unterstützt wird der Pool bisher von 38 Ländern, darunter fünf EU-Staaten.[3] (Details zu C-TAP siehe unten.)


2020 05 12 Sharepic Beate Wieseler COVID 19 DWissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG und der Cochrane Collaboration appellieren an die Europäische Arzneimittel-Agentur (European Medicines Agency, EMA), alle klinischen Studienberichte (CSR) zu allen COVID-19-Arzneimitteln und -Impfstoffen unmittelbar mit dem Tag der Marktzulassung zu veröffentlichen. Die sofortige Veröffentlichung beschleunigt den wissenschaftlichen Fortschritt. Und nur mit diesen umfasssenden Informationen ist sichere Therapie möglich. Eigentlich muss die EMA den CSR 60 Tage nach Zulassung eines Medikaments veröffentlichen. Wegen ihres Umzugs von London nach Amsterdam kommt sie dieser Verpflichtung seit Dezember 2018 aber nicht mehr zeitnah nach.  


Tedros WHA73 C WHOGegenwärtig gibt es weder eine Impfung noch eine spezifische Behandlung für Covid-19. Einige bereits existierende Medikamente werden auf ihre Wirksamkeit getestet, vor allem in die Impfstoffforschung fließt jetzt viel öffentliches Geld. Doch wie gut werden  die Ergebnisse verfügbar sein? Bei der Weltgesundheitsversammlung wurden am 19.5.2020 große Versprechen gemacht, doch wichtige Fragen bleiben offen.

Während sich zu Beginn der Epidemie die Aufmerksamkeit auf fehlende Masken für Gesundheitspersonal und den Mangel an zuverlässigen Tests konzentrierte, richten sich nun Hoffnungen auf einen Impfstoff. Bis zum Covid-19 Ausbruch gab es kaum kommerzielle Forschungsprojekte zu Corona, obwohl mit SARS (2002) und MERS (2012) schon zwei Corona-Virenstämme zirkulierten, die schwere Verläufe auslösten.[1] Dabei steckten z.B. die US-National Institutes of Health seit 2003 fast 700 Millionen US$ in die Corona-Forschung, davon flossen rund 100 Mio. direkt an Firmen.


2020 01 Spezial ResistenzenResistente Bakterien breiten sich weltweit aus. Welche Ursachen und Folgen das hat, haben wir gemeinsam mit Partnern in Indien, Tansania, Südafrika und Deutschland untersucht. Dieser Pharma-Brief Spezial präsentiert die Ergebnisse. Er beleuchtet die Risiken für Mensch, Tier und Umwelt. Lokale Probleme und Handlungsansätze rücken dabei ebenso in den Fokus wie internationale Wechselwirkungen oder die Verantwortung von MedizinerInnen, LandwirtInnen und VerbraucherInnen.


Download: Pharma-Brief Spezial 1/2020 Resistente Erreger [PDF]
Die Broschüre kann auch für 5,- € bestellt werden. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


grey garden bug 4431744 960 720Das Jahr 2020 soll der globalen Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten (NTDs) Schub verleihen. Betrachtet man exemplarisch die Entwicklungen bei der Chagas-Bekämpfung, werden jedoch schnell Hindernisse für einen Durchbruch deutlich.

Außerdem im aktuellen Heft:
Corona als globale soziale Katastrophe
Spahns Machtgelüste

Download: Pharma-Brief 3-4/2020 [pdf/410kB]


arznei telegramm Wasserturm J Schaaber
Das unabhängige arznei-telegramm berichtet aktuell über Hintergründe von Lieferengpässen bei Medikamenten. Die Herstellung von Wirkstoffen konzentriert sich auf wenige Länder. Manche Wirkstoffe werden weltweit nur noch in wenigen Fabriken hergestellt. Gibt es Probleme bei der Produktion, kann es schnell zu Lieferengpässen kommen. Ein Beispiel ist die Verunreinigung von Valsartan-Präparaten mit krebserzeugenden Substanzen 2018, die zu zahlreichen verübergehenden Verboten führten (Pharma-Brief 7/2018, S. 4). Beim Gesundheitsministerium, Krankenkassen und anderen Akteuren ist wenig Problembewusstsein vorhanden und konkrete Lösungvorschläge sind erst recht Mangelware. Dabei ist eine bessere Steuerung und Dezentralisierung der Arzneimittelproduktion dringend erforderlich. 

CC Nagarjun Masked woman

Wie viele Menschen an der Corona-Pandemie sterben werden, ist derzeit noch unklar. Doch die gesellschaftlichen Folgen reichen weit über die unmittelbar durch Covid-19 verursachten Todesfälle hinaus. Eine kritische Überprüfung von Nutzen und Schaden von Eindämmungsmaßnahmen ist ebenso nötig wie ein globaler sozialer Ausgleich.


478px SARS CoV 2 without backgroundDie BUKO Pharma-Kampagne fordert anlässlich der Corona-Pandemie gemeinsam mit über 250 internationalen Organisationen und UnterstützerInnen eine internationale Kooperation zur Förderung medizinischer Entwicklung sowie eine umfassende und gerechte weltweite Gesundheitsversorgung. Die gegenwärtige Krise ist ein globaler Weckruf, endlich das unfaire, intransparente und wenig effektive Forschungssystem zu verändern.


Berlin 2020 03Schon in der kommenden Woche, ab 23.3.2020, soll ein Gesetz verabschiedet werden, das dem Gesundheitsminister angesichts der Ausbreitung von Corona weitreichende Vollmachten geben würde, die durch das Parlament nicht mehr kontrolliert werden können.
Auch angesichts der insgesamt großen Bereitschaft der Bevölkerung, Einschränkungen hinzunehmen und den bereits vorhandenen Restriktionsmöglichkeiten durch das Infektionsschutzgesetz sind die Maßnahmen übertrieben und greifen tief in die Grundrechte ein.
 
Eine Einordnung der gegenwärtigen Lage bietet auch ein Papier des Deutschen Netzwerks für evidenzbasierte Medizin: www.ebm-netzwerk.de/de/veroeffentlichungen/covid-19 

lottery loose 1422098 640Die Gentherapie Zolgensma® soll Kindern helfen, die an einer seltenen Muskelerkrankung leiden. Die einmalige Behandlung kostet rund zwei Millionen Euro, das Mittel ist in Europa noch nicht zugelassen. Novartis kündigte Anfang des Jahres an, 100 Einzelgaben zu verlosen. Das stößt ebenso wie der hohe Preis auf Kritik.

Außerdem im aktuellen Heft:
Maßnahmen gegen Arzneimittelfälschungen
Interview mit Amit Khurana zu Umweltaspekten von Antibiotikaresistenzen
Infos zu unserer Wanderausstellung und Straßentheatertournee 2020
Ungesunde Eile durch vorschnelle Zulassungen

Download: Pharma-Brief 2/2020 [pdf/420kB]


Memento Preis JSchaaber Für ihren Einsatz für bezahlbare Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente wird die SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens mit dem diesjährigen Memento Politikpreis ausgezeichnet. „Es darf uns nicht gleichgültig sein, wenn Menschen sterben, weil das Medikament, das geholfen hätte, zu teuer ist oder wegen mangelnder Renditeerwartung nicht entwickelt wurde“, so die Preisträgerin, Vorsitzende des Unterausschusses Globale Gesundheit des Deutschen Bundestages. Die Preisverleihung wird nicht wie geplant am Mittwoch, dem 11. März stattfinden, sondern wird auf Grund der aktuellen epidemiologischen Situation bei der Lungenerkrankung COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) und der veränderten gesundheitspolitischen Empfehlungen seitens des Bundesministeriums für Gesundheit auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.


DPGG-Tagung zu Öffentlich-Privaten Partnerschaften

DPGG win loseAm 11.11.2019 veranstaltete die Deutsche Plattform für globale Gesundheit (DPGG) in Berlin unter dem Titel „Win-win oder win-loose?“ eine gut besuchte Veranstaltung zu den Chancen und Risiken Öffentlich-Privater Partnerschaften in der Globalen Gesundheit. Die Pharma-Kampagne hatte die Fachkonferenz mitorganisiert.

Damit wurde ein Thema auf die Agenda gesetzt, das gewöhnlich von Parteien, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen gleichermaßen lieber hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Mit der Frage „Win-win oder Win-lose?“ beleuchteten wir die Wucht, mit der private AkteurInnen, allen voran die großen philanthropischen Stiftungen, die Agenda der globalen Gesundheit beeinflussen. Der Einführungsvortrag von Prof. Dr. Anna Holzscheiter, Wissenschaftszentrum Berlin, die dort die Forschungsgruppe Governance for Global Health leitet, machte pointiert den massiven Einfluss deutlich, den einzelne private Akteure bereits heute haben.
Danach gab es zwei moderierte Gespräche. Die erste Runde mit einer Journalistin, die die engen Kooperationen von staatlichen und privaten Akteuren seit längerem kritisch verfolgt, einer Vertreterin des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und einem ehemaligen Vertreter des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. In der zweiten Runde stellten sich PolitikerInnen von CDU, SPD, Grünen und Linken der Diskussion. Die zusammenfassende Dokumentation der Tagung ist jetzt erschienen (JS)

DPGG (2020) Win-win oder win-loose.


pexels photo 928199Die Charité Universitätsmedizin, eines der größten Lehr- und Forschungskrankenhäuser in der Republik, hat sich Bayer-Vorstand Stefan Oelrich in den Aufsichtsrat geholt. Dazu Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin: „Es ist uns gelungen, fünf exzellente Expertinnen und Experten für den Aufsichtsrat der Charité zu gewinnen. Ich danke ihnen für ihre Bereitschaft, die Charité auf dem Weg zu einer der weltweit besten Unikliniken zu begleiten, und freue mich auf unsere Zusammenarbeit.“1 Kliniken, die zu 100% im Besitz des Landes Berlin sind, von einem Topmanager eines privaten Pharmakonzerns beaufsichtigen und beeinflussen zu lassen, scheint uns keine besonders brillante Idee. (JS)

1 Senatskanzlei (2020). Der Neue Sachverständige im Aufsichtsrat der Charité. Pressemitteilung vom 25. Feb. www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2020/pressemitteilung.899253.php [Zugriff 3.3.2020]


csm GF MSF Memento Preis 2018 WEB 070 96f2c4abaeDie Preisverleihung des Memento Preis für vernachlässigte Krankheiten wird nicht wie geplant am Mittwoch, dem 11. März 2020 stattfinden, sondern wird auf Grund der aktuellen epidemiologischen Situation bei der Lungenerkrankung COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) und der veränderten gesundheitspolitischen Empfehlungen seitens des Bundesministeriums für Gesundheit auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Die gesundheitlichen Bedürfnisse von Menschen in ärmeren Ländern werden seit langem vernachlässigt. Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten wie zum Beispiel Chagas oder Tuberkulose sind entweder nicht vorhanden, veraltet oder ungeeignet für die klimatischen und strukturellen Gegebenheiten vor Ort, nicht für Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten und für die Betroffenen oft unbezahlbar. Um auf diesen Notstand hinzuweisen, haben sich Ärzte ohne Grenzen e.V., Brot für die Welt, die BUKO Pharma-Kampagne und die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. zusammengeschlossen und gemeinsam den Memento Preis für vernachlässigte Krankheiten ins Leben gerufen. Seit 2014 wird er für besonderes Engagement in der Bekämpfung von vernachlässigten Krankheiten in den Kategorien „Forschung und Entwicklung“, „Journalismus“ und „Politischer Wille“ an Personen in einer öffentlichen Funktion verliehen.

Weitere Informationen zum Memento-Bündnis und dem Preis finden Sie auf der Internetseite: www.memento-preis.de.


Leider wird der diesjährige Kongress Armut und Gesundheit 2020 abgesagt!

csm Armut und Gesundheit 2020 750x500px 7c6475fdb8Auf dem Kongress wird Jörg Schaaber von der BUKO Pharma-Kampagne am 08.03. zum Thema "Das 1 x 1 der globalen Gesundheitspolitik: Private Interessen und globale Gesundheit – wie geht das zusammen?" zu Gast sein:

Termin: 8.3.2020 11.00-12.30
Ort: TU Berlin, Straße des 17. Juni 135
Raum: H 1012

Globale Gesundheit hat es in den letzten 20 Jahren vom Nischendasein zu einem der zentralen Themen auf der politischen Agenda geschafft. In Deutschland zeigt sich dies unter anderem in der neuen Globalen Gesundheitsstrategie der Bundesregierung. Mit dem Bedeutungsgewinn von Global Health treten aber auch inhaltlich-konzeptionelle Differenzen stärker zu Tage. Diese will die Deutschen Plattform für Globale Gesundheit näher beleuchten. Eine besondere Dynamik ist nicht zuletzt durch die wachsende Bedeutung internationaler Privatstiftungen wie der Bill & Melinda Gates Foundation und die Bildung von so genannten Multi-Akteurs-Foren wie dem Global Health Hub Germany entstanden, die die Gesundheitsdebatte in Deutschland stark prägen. Die Deutsche Plattform für Globale Gesundheit will das Gesundheitsverständnis der neuen Akteure beleuchten und nach ihrer Prioritätensetzung bei der Lösung globaler Gesundheitsprobleme fragen. Mit dem Fachforum „Das Einmaleins der Gesundheitspolitik - Wie kann Gesundheit gesamtgesellschaftlich gedacht und gestaltet werden?“ bietet die Deutsche Plattform für Globale Gesundheit (DPGG) eine Einführung in die grundlegenden Fragen und Probleme der Gesundheitspolitik an. Das Format soll eine Orientierung über die komplexen Anforderungen und Verflechtungen der nationalen und globalen Gesundheitspolitik bieten. Das Fachforum richtet sich vor allem an alle Neulinge in der Gesundheitspolitik.

11:00 Uhr: Das Partnerschafts-Paradigma in der globalen Gesundheit
Mareike Haase | Brot für die Welt | Germany

11:20 Uhr: Der Global Health Hub Germany, der Einfluss philanthropischer Stiftungen und andere aktuelle Entwicklungen in Deutschland
Jörg Schaaber | BUKO Pharma-Kampagne | Germany



Am 09.03. wird Claudia Jenkes von der BUKO Pharma-Kampagne zum Thema "Zunehmende Antimikrobielle Resistenzen im Globalen Süden und weltweit – welche Rolle spielt die Armut?" zu Gast sein.

Termin: 9.3.2020 9.00-10.30
Ort: TU Berlin, Straße des 17. Juni 135
Raum: H 1058

Hintergrund: Antimikrobielle Resistenzen (AMR) breiten sich durch reisende Menschen und globalisierten Handel rund um den Globus aus. Sie sorgen weltweit für massive Behandlungsproblemen, tragen zur Explosion der Gesundheitskosten und erhöhten Sterberaten bei behandelbaren Erkrankungen bei u.a.: Tuberkulose, Wundinfektionen, Malaria, krankenhausassoziierten Infektionen. Das drohende Zukunftsszenario eines post-antibiotischen Zeitalters bezeichnete die WHO schon 2015 als eine "globale Gesundheitskrise". Methode: In vier Beiträgen werden eigene wissenschaftliche (quantitative und qualitative) Daten der teilnehmenden Referenten bzw. ihrer Netzwerke dargestellt und diskutiert: Die aktuelle Verbreitung von AMR und die Herausforderungen an effektives Monitoring. Außerdem der Einfluss der Armut, schwacher Gesundheitssysteme, des Gesundheitsfachkräftemangels, fehlender Diagnostika sowie begrenzter Überwachung von Arzneimitteln- und Arzneimittelmärkten. Ergebnisse: AMR und fehlende Wirksamkeit essentieller Medikamente werden aus zahlreichen low- and middle-income countries (LMICs) berichtet, die Daten sind allerdings häufig unvollständig, werden selten erhoben und notwendige Diagnostika sowie Instrumente zur Surveillance fehlen oft. Es werden irrationale Verschreibungspraxis durch inadäquat qualifiziertes Personal bei Erkrankten und unkontrollierter Gebrauch in der Tierproduktion berichtet. Diskussion: Armut und fehlender Zugang zu einer umfassenden Gesundheitsversorgung und Gesundheitsüberwachung sind Triebfedern für hohe Resistenzraten in LMICs. Um die komplexen Probleme zu lösen braucht es nationale und globale Antworten. Auch Deutschland steht hier in der Verantwortung.

09:00 Uhr: Antimikrobielle Resistenzen - soziale, ökonomische und politische Dimensionen Indien, Tansania und Südafrika
Claudia Jenkes | BUKO Pharma-Kampagne | Germany

09:20 Uhr: Antimikrobielle Resistenzen in Afrika und Indien
Prof. Dr. Frank Mockenhaupt | Charité | Germany

09:40 Uhr: Erfahrungen bei der Erhebung Antimikrobieller Resistenzen (AMR) in Nigeria
Dr. Gerhard Schwarzkopf-Steinhauser | Berater für das Robert Koch-Institut | Germany

10:00 Uhr: Antimikrobielle Resistenz (AMR) als globale Herausforderung
Dr. Tim Eckmanns | Robert Koch-Institut, Berlin | Germany


800px J30 193 Bf Karsdorf Weiche 62Für den Global Health Hub Germany (GHHG) stehen Richtungsentscheidungen an. Zeitnah wird der Interims-Lenkungskreis in einer Sitzung über die Kommentare zum Satzungsentwurf entscheiden. In den vergangenen Monaten war intensiv darum gerungen worden, wie transparent und partizipativ das BMG-Projekt wirklich arbeiten sollte – der Satzung kam in der Debatte eine zentrale Rolle zu (wir berichteten).

Die Akteursgruppen Jugend und Zivilgesellschaft kommentierten intensiv und konstruktiv. Dabei ging es ihnen vor allem um die Sicherung basisdemokratischer Strukturen und Partizipationsmöglichkeiten. So soll nach Meinung der zwei Gruppen zwingend jährlich eine Mitgliederversammlung (MV) stattfinden, die das zentrale Entscheidungsgremium bilden soll. Auch soll das Wahlverfahren für den Lenkungskreis basisdemokratisch werden, so dass die jeweiligen Akteursgruppen selbst ihre Kandidaten dafür benennen können und zuvor „intern“ wählen. Zudem sollen die zu Recht kritisierten automatischen Mitgliedschaften im Lenkungskreis, wie sie etwa für den World Health Summit und die großen Stiftungen eingerichtet wurden, auf keinen Fall einfach in der Satzung verankert, sondern zunächst gut begründet und in der MV zur Abstimmung gebracht werden. Im Übrigen findet sich in der Kommentierung auch die Forderung nach einem Bekenntnis des GHHG zu Open Access, Open Data und Equitable Licensing.

Die baldige Satzungsentscheidung wird elementar für den weiteren Verlauf des Projekts sein. Sie wird zeigen, ob der Hub tatsächlich den deutlich formulierten Gestaltungswillen seiner Mitglieder ernst nimmt oder ein Gremium mit undurchsichtigen und asymmetrischen Strukturen bleibt. (MK)

Foto: Falk2 [CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

 


Open letter access clinical study reportsSeit einiger Zeit ist die europäische Zulassungsbehörde EMA transparenter geworden. Sie hat begonnen, die Clinical Study Reports (CSR) von Medikamenten zu veröffentlichen. Für neue Mittel sieht das die EU Verordnung zu klinischen Studien von 2014 auch ausdrücklich vor.[i] Damit könnte bald Schluss sein: Der Europäische Gerichtshof hatte 2018 noch Herstellerklagen gegen die Veröffentlichung der Studienergebnisse zurückgewiesen. Jetzt hat der Generalanwalt der EU Gerard Hoogan dem Einspruch von zwei Firmen[ii] stattgegeben und die Sache muss erneut verhandelt werden.[iii]
Die Hersteller behaupten, der CSR enthielte Geschäftsgeheimnisse, die bei Offenlegung der Konkurrenz Vorteile verschafften. Das ist aber vermutlich nur ein Teil der Wahrheit. CSR enthalten unentbehrliche Informationen für die Bewertung des Nutzens von Arzneimitteln. Würden sie nicht mehr öffentlich zugänglich, wäre es noch einfacher zweifelhafte Produkte zu vermarkten. Das schadet PatientInnen. Auch die EMA warnt, dass ihre Transparenzpolitik dann revidiert werden müsse.[iv]
Die Einlassungen des Generalanwalts sind sehr wirtschaftsfreundlich und enthalten auch bizarre Elemente. So wird allen Ernstes als Argument, dass der CSR ein Geschäftsgeheimnis sei, darauf verwiesen, dass auf jeder Seite steht: „PTC Therapeutics, Inc. — Confidential“. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs wird für Anfang 2020 erwartet. Die Pharma-Kampagne hat einen offenen Brief mit unterzeichnet, der zu einer Verteidigung des Zugangs zu unterstützt und die Politik zum Handeln auffordert.[v] (JS)


[i] Regulation (EU) No 536/2014 of the European Parliament and of the Council of 16 April 2014
[ii] Translarna® (Ataluren) von PTC Therapeutics International (Case C-175/18 P) und ein Tierarzneimittel von MSD (Case C‑178/18)
[iii] Opinion of advocate general Hogan delivered on 11 September 2019 Case C-175/18 P http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=217636&pageIndex=0&doclang=EN&mode=req&dir=&occ=first&part=1&cid=6556014
[iv] Coombes R (2019) European drug regulator fears return to days of data secrecy. BMJ; 367, p I6133
[v] www.bukopharma.de/images/aktuelles/EU_Clinical_studies_2019.pdf


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