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2021-artikel

Warum werden Profite statt Menschen geschützt?

Vor zwei Jahren wurde Covid-19 entdeckt, seit einem Jahr gibt es Impfstoffe. Doch große Teile der Weltbevölkerung sind vom Zugang ausgeschlossen. Konstruktive Vorschläge, die Produktion zügig auszuweiten, werden von wenigen Industrieländern blockiert, Deutschland gehört dazu. Jetzt rächt sich die global geringe Impfrate. Immer neue Virusvarianten machen auch vor reichen Ländern nicht halt.

Bereits die Delta-Variante des Virus war deutlich ansteckender als vorherige Covid-19 Typen. Sie verbreitete sich innerhalb kurzer Zeit weltweit. Seit kurzem ist die zuerst in Südafrika identifizierte Omikron-Variante in Europa angekommen. Noch ist unklar, welche Auswirkungen sie hat. Fest steht allerdings, dass eine schnelle Eindämmung der Pandemie wesentlich von hohen Impfraten überall auf der Welt abhängt. Dafür braucht es viele Impfdosen. Und die fehlen, denn die Patentinhaber beharren auf ihrem Recht, allein zu entscheiden, wo und wieviel Impfstoff produziert wird – obwohl die Entwicklung auf öffentlichen Erfindungen basiert und mit Milliardensummen für Forschung und Abnahmeversprechen abgesichert wurde.

Geradezu zynisch wirkt das Argument von Firmen und Politik, irgendwann im nächsten Jahr würde ja genügend Impfstoff produziert. Weder ist es sicher, dass das Versprechen Wirklichkeit wird, noch wird der Preis angemessen sein. Und letzteres ist auch von großer Bedeutung, da die Beschaffung von Impfstoffen über den globalen Verteilmechanismus COVAX mit öffentlichen Geldern finanziert werden muss.

„In der langen Geschichte der Pharmakonzerne ist ihr wichtigstes Anliegen, die Gewinne zu maximieren. Das ist ihr Geschäftsmodell. Um Gewinne zu maximieren, muss man das Angebot verknappen.“[1] - Wirtschaftsnobelpreisträger Josef Stieglitz

Das Herstellungsmonopol dient lediglich dazu, die Produktion zu beschränken und so möglichst hohe Preise zu sichern. Pfizer, Biontech und Moderna erzielen mit den Impfstoffen dieses Jahr nach Berechnungen der People's Vaccine Alliance einen Gewinn (!) von 34 Milliarden US$.[2]

Vorschläge lagen auf dem Tisch

Bereits im Mai 2020 brachte Costa Rica in die Weltgesundheitsversammlung einen sinnvollen Vorschlag ein: Man solle den für HIV-Medikamente existierenden Patentpool (MPP) auch für die damals noch zu entwickelnden Covid-19 Produkte zu nutzen und um Technologietransfern zu erweitern (C-TAP). Der Pool blieb aber bis vor einem Monat völlig leer,[3] kein einziger Impfstoff ist an den MPP lizensiert. Denn selbst diese (freiwillige) Lizensierung an den Patentpool wurde von reichen Ländern nicht unterstützt. Im Oktober 2020 stellten daher Indien und Südafrika den Antrag auf ein Aussetzen der Patentrechte für Covid-19 Produkte (Waiver) bei der Welthandelsorganisation (WTO). Während weit über 100 Staaten den Waiver unterstützen, blockieren einige Industrieländer. „Eine politisch erwirkte Freigabe der Patente halte ich für den falschen Weg“, sagte Bundeskanzlerin Merkel in ihrer Regierungserklärung vom 24.6.2021.[4]

WTO vertagt sich wegen Covid

"Das Vorenthalten von Impfstoffen ist im Grunde eine Fortsetzung des Kolonialismus mit anderen Mitteln." - Jörg Schaaber

Eigentlich sollte vom 30.11.-3.12.2021 die WTO in Genf tagen und eine Lösung für die Blockade beim Waiver finden. Wegen der neuen Corona-Reisebeschränkungen wurde das Treffen jedoch wenige Tage vor Beginn auf unbestimmte Zeit verschoben. Der politische Schaden ist groß. Denn mit der Vertagung rückt eine schnelle Lösung in weite Ferne, obwohl inzwischen auch die kleine aber mächtige Front der Waiver Gegner bröckelt. Sogar die USA können sich für einen Waiver erwärmen. Präsident Biden betonte kürzlich erneut, dass er sich dafür einsetzt: „Die Nachrichten über diese neue Variante [Omikron] macht es deutlicher denn je zuvor, warum die Pandemie nicht enden wird, bevor wir weltweit Impfungen haben.“[5]

Die Europäische Union setzt dagegen weiter auf Scheinlösungen. Kürzlich verkündete Handelskommissar Valdis Dombrovskis: „In den vergangenen Monaten hat sich die Europäische Union, in diesem Fall die EU-Kommission, innerhalb der WHO sehr engagiert, um zu diskutieren, wie wir Zwangslizenzen handhaben könnten.“[6] Dabei gehören Zwangslizenzen längst zum von der WTO erlaubten Instrumentarium, um Medikamente und Impfstoffe auch ohne Zustimmung des Patentinhabers produzieren zu können. Nur ist das Verfahren zeitraubend und unflexibel und deshalb in der aktuellen Krise untauglich.

Mary Robinson, ehemalige Präsidentin von Irland und UN-Menschrechtskommissarin, appelliert an die EU, die Blockade aufzugeben. Eine besondere Botschaft hat sie an Deutschland: „Deutschland, das mit der Förderung und Unterstützung des Biontech-Pfizer Impfstoffs der Welt einen enormen Dienst erwiesen hat, muss seine Schlüsselrolle spielen, indem es sich anderen europäischen Ländern anschließt, um ihn [den Waiver] Wirklichkeit werden zu lassen. Ich hoffe, dass die Regierung des kommenden Kanzlers Scholz diese frühe Gelegenheit, globale Führungsstärke zu zeigen, zu nutzen weiß.“[7]  (JS)

Der Zugang zu Covid-19-Impfungen ist global ungerecht verteilt. In den meisten afrikanischen Staaten liegt die Quote der voll Geimpften unter 10%, Schlusslicht ist die Demokratische Republik Kongo mit 0,06%.[8] In Deutschland sind dagegen 68,6% voll geimpft und 12,5% haben eine zusätzliche Boosterimpfung erhalten.[9]

Artikel aus dem Pharma-Brief 10/2021, S.1
Bild Weltkarte Zugang Covid-19-Impfungen © WHO, Datenstand 30.11.2021

[1] www.youtube.com/watch?v=dD8McADeWvs [Zugriff 1.12.2021]

[2] Oxfam (2021) Profit vor Weltgesundheit: 1000 Dollar Gewinn pro Sekunde für Pharmafirmen – aber kaum Impfstoff für einkommensschwache Länder. Pressemitteilung 16. Nov. www.oxfam.de/presse/pressemitteilungen/2021-11-16-profit-weltgesundheit-1000-dollar-gewinn-pro-sekunde-pfizer [Zugriff 1.12.2021]

[3] Pharma-Brief (2021) Molnupiravir: Öffentlich entdeckt – privat kassiert? Nr. 8-9, S. 4

[4] Tagesschau (2021) Regierungserklärung vor EU-Gipfel: Merkel verteidigt Patentschutz für Impfstoffe. 24. Juni www.tagesschau.de/inland/merkel-regierungserklaerung-155.html

[5] Reuters (2021) U.S. President Biden calls for intellectual property protection waivers after Omicron discovery. 27 Nov www.reuters.com/business/healthcare-pharmaceuticals/us-president-biden-calls-intellectual-property-protection-waivers-covid-19-2021-11-26

[6] Reiche M (2021) Streit über Patente: Zwangslizenzen für Corona-Impfstoff? Tagesschau 1.12.2021 www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/patente-freigabe-corona-impstoff-101.html [Zugriff 1.12.2021]

[7] Robinson M (2021) Vaccine waiver is a moment of truth for EU values. Politico 1 Dec www.politico.eu/article/vaccine-waiver-eu-values-coronavirus

[8] WHO (2021) WHO Coronavirus dashboard. Datenstand 30.11.2021 https://covid19.who.int/ [Zugriff 1.12.2021]

[9] RKI (2021) Tabelle mit den gemeldeten Impfungen nach Bundesländern und Impfquoten nach Altersgruppen. Datenstand 1.12.2021 www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Impfquotenmonitoring.xlsx

 


Impfstoff-Zugang bleibt global ungerecht

Während in großen Teilen der Welt die meisten Menschen noch keine Covid-19-Impfung erhalten haben, beginnen Industrieländer eine dritte Dosis zu impfen.

In Europa wurden pro 100 EinwohnerInnen inzwischen 101 Dosen verimpft, auf dem afrikanischen Kontinent gerade einmal 8,4.[1] Entgegen den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation haben etliche Industrieländer damit angefangen, eine dritte Dosis zu impfen.[2] Das ist nicht nur krass ungerecht und kostet Menschenleben. Es ist auch epidemiologisch unsinnig. Denn solange Covid-19 weiter grassiert, bilden sich immer neue Varianten und Viren kennen bekanntlich keine Grenzen.

Der Waiver für Covid-19-Patente bei der WTO wird von Industrieländern weiter blockiert. Damit verschieben sich auch die Aussichten auf eine massive globale Ausweitung der Impfstoffproduktion immer weiter in die Zukunft. Darüber können auch einige von den Patentinhabern kontrollierte neue Produktionsstätten im globalen Süden nicht hinwegtäuschen. So die Kooperation von Biovac (Südafrika) mit Biontech/Pfizer, die ab 2022 rund 100 Millionen Dosen für Afrika produzieren soll.[3] Die Preiskonditionen sind dabei unbekannt.

Covax bleibt Trostpflaster

Das internationale Public Private Partnership Covax kann die Lücke auch nicht füllen und bleibt sogar hinter seinen eigenen bescheidenen Ansprüchen zurück. Bis Ende August wurden weltweit gerade einmal 230 Millionen Dosen ausgeliefert, die sich auf 139 Länder verteilen.[4]

Deutschland hat zwar 100 Millionen Dosen an Covax versprochen, die „hauptsächlich an Entwicklungsländer“ gehen sollen.[5] Ausgeliefert werden davon bis Mitte September aber nur 1,3 Millionen Dosen. Zum Vergleich: In Deutschland wurden bis zum 9. September 103,8 Millionen Dosen verimpft, damit sind 72,6% der Bevölkerung ab 18 Jahren vollständig geschützt.[6] Das Abgeben an Covax fällt nicht besonders schwer, denn insgesamt hat sich Deutschland für 2021 viel mehr gesichert, als gebraucht wird: 313 Millionen Dosen.[7]

Von Süd nach Nord

Besonders bizarres Beispiel der globalen Ungerechtigkeit: Die südafrikanische Firma Aspen füllt bereits den Johnson & Johnson-Impfstoff ab. Der Vertrag wurde schon im November 2020 geschlossen.[8] Südafrika hatte mit Johnson & Johnson eine Lieferung von 31 Millionen Dosen für 2021 vereinbart.[9] Davon hat das Land bis Ende Juni gerade einmal 1,5 Millionen erhalten. In den letzten Monaten wurden aber mindestens 32 Millionen Dosen aus Südafrika exportiert, schwerpunktmäßig nach Europa, unter anderem auch nach Deutschland und Spanien.

Das war möglich, weil Südafrika einen Vertrag unterschreiben musste, der Exportbeschränkungen untersagte. Pop Maja, Sprecher des Gesundheitsministerium, bedauerte: „Die Regierung hatte keine Wahl – unterzeichne den Vertrag oder es gibt keinen Impfstoff.“5 Darüber hinaus enthält die Vereinbarung mit Südafrika auch noch andere fragwürdige Klauseln. So können nicht nur Betroffene keine Impfschäden gegen Johnson & Johnson geltend machen, auch eine Mängelhaftung des Herstellers gegenüber der südafrikanischen Regierung ist ausgeschlossen.

Seit Juli füllt Aspen nun 60% der Dosen für Afrika und 40% für Europa ab. Produziert wird derzeit mit Wirkstoff aus den Niederlanden. Die günstigere Verteilung beruht auf einem Entgegenkommen der Europäischen Union, die angesichts der Krise jetzt darauf verzichtet, wie ursprünglich mit Johnson & Johnson vereinbart, nur 10% der Dosen in Afrika zu lassen.

Erst nach heftigen Protesten machte die EU eine Kehrtwende und sagte am 2. September zu, dass alle bereits exportierten Dosen zurückgeschickt werden und künftig die gesamte südafrikanische Produktion von Aspen in Afrika bleibt.[10]

Dass in Südafrika inzwischen 10% der Bevölkerung voll geimpft ist,4 ist hauptsächlich Bestellungen von Biontech-Impfstoff durch die Regierung und eine Spende von 5,7 Millionen Dosen durch die USA zu verdanken.[11] Der Todeszoll bleibt wegen der geringen Impfrate hoch: Anfang September starben innerhalb einer Woche 1.824 SüdafrikanerInnen mit Covid-19.[12]

Schlechter? Preis erhöhen!

Obwohl sich zeigt, dass die Wirkung der bislang zugelassenen Impfstoffe gegen die Delta-Variante geringer ist, haben die wichtigsten Lieferanten für die EU die Preise erhöht, wie Anfang August bekannt wurde.[13] Biontech/Pfizer verlangt nun 26% mehr,[14] Moderna 13%.[15] Angesichts einer möglicherweise notwendigen dritten Dosis nimmt Biontech/Pfizer dann 63% mehr ein. Wahrhaft ein gutes Geschäft. Vorbei die Zeiten, in denen Produkte, die ihre Versprechen nicht hielten, billiger wurden.  (JS)

 

Biontech Rekordumsatz

Nach einem Rückgang im vergangenen Jahr wächst das Bruttosozialprodukt in Deutschland dieses Jahr voraussichtlich um 4%. Allein das Umsatzwachstum von Biontech trägt dazu 0,5% bei. Die Firma erwartet 2021 mit ihrem Covid-19 Impfstoff einen Umsatz von 15,9 Mrd. €. Sebastian Dullien, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), sagte dazu, dass ihm kein anderer Fall bekannt ist, wo eine einzelne Firma einen so starken Einfluss auf das Wachstum gehabt hat.[16]

 

Artikel aus dem Pharma-Brief 7/2021, S.6

[1]Holder J (2021) Tracking Coronavirus Vaccinations Around the World. 7 Sept. www.nytimes.com/interactive/2021/world/covid-vaccinations-tracker.html [Zugriff 7.9.2021]

[2]Reuters (2021) Factbox-Countries weigh need for booster COVID-19 shots. 24 Aug. www.reuters.com/article/us-health-coronavirus-booster-idUKKBN2FP168

[3]Russell R (2021) Battling vaccine inequity: Africa boosts Covid-19 jab production capacity. Standard 17 Aug. www.standard.co.uk/optimist/vaccine-world/covid-vaccine-inequity-africa-production-capacity-b951012.html

[4]GAVI (2021) COVAX Global Supply Forecast. 8 Sept. www.gavi.org/news/document-library/covax-global-supply-forecast

[5]Gavi (2021) First delivery of German-donated COVID vaccines to COVAX land in Mauritania, with other deliveries to follow. Press release 8 Sept. www.gavi.org/news/media-room/first-delivery-german-donated-covid-vaccines-covax-land-mauritania-other-deliveries

[6]RKI (2021) Impfquotenmonitoring. Datenstand 9. Sept. www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Impfquotenmonitoring.xlsx?__blob=publicationFile [Zugriff 10.9.2021]

[7]BMG (2021) Lieferprognosen der verschiedenen Hersteller für das Jahr 2021 (Stand 22.06.2021) www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/C/Coronavirus/Impfstoff/Lieferprognosen_verschiedene_Hersteller_2021.pdf [Zugriff 10.9.2021]

[8]Aspen (2020) Aspen announces agreement with Johnson & Johnson to manufacture investigational COVID-19 vaccine candidate. 2 Nov. www.aspenpharma.com/2020/11/02/aspen-announces-agreement-with-johnson-johnson-to-manufacture-investigational-covid-19-vaccine-candidate

[9]Robbins R and Mueller B (2021) Covid Vaccines Produced in Africa Are Being Exported to Europe. New York Times 16 Aug. www.nytimes.com/live/2021/08/16/world/covid-delta-variant-vaccine#while-south-africa-waits-for-vaccine-supplies-jj-doses-made-there-are-sent-to-europe

[10]Jerving S (2021) Deal to send COVID-19 vaccines from South Africa to Europe dismantled. DEVEX 2 Sept. www.devex.com/news/deal-to-send-covid-19-vaccines-from-south-africa-to-europe-dismantled-101532

[11]US Embassy in South Africa (2021) United States Donates 5.7 Million COVID-19 Doses to South Africa. Press release 28 July https://za.usembassy.gov/united-states-donates-5-7-million-covid-19-doses-to-south-africa/

[12]WHO (2021) Covid-19 dashboard https://covid19.who.int/region/afro/country/za [Abruf 7.9.2021]

[13]Reuters (2021) Pfizer and Moderna raise prices for COVID-19 vaccines in EU- FT. 2 Aug. www.reuters.com/business/healthcare-pharmaceuticals/pfizer-moderna-raises-prices-its-covid-19-vaccines-eu-ft-2021-08-01

[14]19,50 € statt bislang 15,50 €

[15]21,48 € (25,50 US$) statt 19,00 €

[16]Reuters (2021) BioNTech alone could lift German economy by 0.5% this year. 10. Aug. www.reuters.com/article/us-germany-economy-biontech-idUSKBN2FB15A


Wie sich die Investitionen der Stiftung in die Pharmabranche mit ihren eigenen Forschungsanstrengungen überlappen

Der Hauptgeldgeber der Gesundheitsforschung profitiert finanziell von der Pandemie; das wirft Fragen zu Transparenz und Verantwortlichkeit auf. Ein Beitrag aus dem BMJ von Tim Schwab.*

Ein Merkmal der Covid-19-Pandemie wird immer deutlicher: Die Antwort des öffentlichen Gesundheitswesens wird nicht nur von Regierungen und multilateralen Institutionen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorangetrieben, sondern auch von einer Flut von Öffentlich-Privaten Partnerschaften, bei denen Arzneimittelfirmen und private Stiftungen mitwirken.

Eine neue führende Stimme ist dabei der Wellcome Trust, einer der weltgrößten Geldgeber für Gesundheitsforschung, zu seinen sich immer weiter ausbreitenden wohltätigen Aktivitäten in der Pandemie gehört es, gemeinsam mit der WHO ein Programm zur Unterstützung neuer Covid-19-Therapien zu leiten. Das Projekt “Access to Covid-19 Tools (ACT) Accelerator” hofft, Milliarden Dollar einzuwerben und im laufenden Jahr hunderte Millionen von Behandlungskursen zur Verfügung zu stellen, darunter Dexamethason und einer Reihe von monoklonalen Antikörpern.[1]

Das BMJ fand heraus, dass Wellcome gleichzeitig Beteiligungen an Firmen hält, die genau diese Behandlungen herstellen. Finanzmitteilungen von Ende 2020 zeigen, dass Wellcome mit 275 Mio. £ (318 Mio. €; 389 Mio. US$) an Novartis beteiligt ist. Die Firma stellt Dexamethason her und erforscht weitere Therapien. Und Roche, an der Wellcome mit 252 Mio £ beteiligt ist,[2] hilft dem Biotechnologie-Unternehmen Regeneron bei der Herstellung von monoklonalen Antikörpern. Beide – Roche und Novartis – berichten, dass sie mit dem WHO “ACT Accelerator” Gespräche über ihre therapeutischen Arzneimittel geführt hatten.[3]

Die finanziellen Interessen von Wellcome wurden auf der Webseite des Trusts veröffentlicht und sind durch gesetzlich geforderte Angaben bei den Finanzbehörden öffentlich zugänglich. Sie sind aber anscheinend nicht als finanzielle Interessenskonflikte im Zusammenhang mit der Arbeit von Wellcome zu Covid-19 offengelegt worden, obwohl sie zeigen, dass der Trust potenziell finanziell von der Pandemie profitieren kann.

Auf Enthüllungen der finanziellen Interessenskonflikte des Wellcome Trusts folgen auf Berichte über eine andere Wohltätigkeitsorganisation, die Gates Stiftung, die ebenso in der Lage ist, aus ihrer führenden Rolle bei der Pandemiebekämpfung finanziellen Nutzen zu ziehen. Eine Recherche von The Nation enthüllte, dass Gates mehr als 250 Mio. US$ (179 Mio. £; 206 Mio. €) in Firmen investiert hatte, die zu Covid-19 arbeiten, und zitierte zivilgesellschaftliche Gruppen, die über den übergroßen Einfluss alarmiert waren, den die milliardenschwere Wohltätigkeitsorganisation in der Pandemiebekämpfung ausübt; sie sehen das als eine Stärkung der Rolle der Pharmaindustrie.[4]

Doch Stiftungen wie die von Gates und Wellcome — und sogar Pharmakonzerne — werden während der Pandemie im Allgemeinen in den Medien für ihre Anstrengungen gepriesen, die Gesundheitskrise zu lösen. Ihre finanziellen Interessen erfahren dagegen relativ wenig Aufmerksamkeit und ihre Arbeit ist wenig externer Kontrolle unterworfen.

„Die Pandemie trägt gerade dazu bei, den Ruf von Organisationen wie Gates und Wellcome und der Pharmakonzerne aufzupolieren. Ich glaube nicht, dass sie das wirklich verdienen”, sagt Joel Lexchin, emeritierter Professor der School of Health Policy and Management der York University in Toronto. „Ich denke, sie handeln, wie sie es immer getan haben. Das heißt aus Sicht der Pharmafirmen, ihre eigenen finanziellen Interessen zu verfolgen, und aus der Sicht der Stiftungen, ihre eigenen privat entwickelten Ziele zu verfolgen, ohne irgendjemand außer ihren eigenen Vorständen verantwortlich zu sein.“

Interessenkonflikte?

Mohga Kamal-Yanni, eine Politikberaterin von UNAIDS und anderen Organisationen, arbeitete vor kurzem an einem Paper mit, das auf Probleme mit dem Einfluss der Gates Stiftung in der Pandemie hinwies. Sie sagt, dass die Investitionen des Wellcome Trusts kritische Fragen rund um das Thema Transparenz und Verantwortlichkeit aufwerfen.[5]

„Bei Covid haben diese beide Worte eine so riesige Bedeutung, weil wir wissen müssen, ob Entscheidungen auf der Grundlage von Evidenz und Wissenschaft getroffen werden,“ sagt sie zum BMJ. „Wissen wir, mit welchen Firmen sie sprechen? Wie sie entscheiden, welche Firma sie finanziell fördern? — oder dieses oder ein anderes Produkt?“

Der Wellcome Trust bestreitet, dass seine Investitionen seine Unabhängigkeit kompromittieren — oder gar in Widerspruch zu ihr geraten. „Wir sind uns keiner Situation in unseren Beziehungen mit … dem ACT Accelerator bewusst, in der als Folge unseres Investmentportfolios ein Konflikt entstanden ist oder in der es für Repräsentanten von Wellcome notwendig gewesen wäre, sich wegen Befangenheit zurückzuziehen,“ sagte ein Sprecher und lehnte es ab, seine Investitionen in Novartis oder Roche zu kommentieren. „Wir würden niemals Entscheidungen zur Pandemiebekämpfung treffen oder Dritten Empfehlungen aus anderen Gründen als der Sorge um die öffentliche Gesundheit geben.“

Unterstützer von Wellcome beschreiben die sehr kompetente biomedizinische Expertise, die die Stiftung in der Pandemie einbringt, in herausragender Weise mit seinem Direktor, Jeremy Farrar, einem berühmten Erforscher von Infektionskrankheiten, dem der Verdienst zugeschrieben wird, bei früheren Ausbrüchen von Ebola und Vogelgrippe eine führende Rolle gespielt zu haben.[6][7]

Kenny Baillie, Leiter einer Forschungsgruppe in der Abteilung Genetics and Genomics an der University of Edinburgh, der Forschungsgelder von Wellcome erhalten hat, sagt, dass die Stiftung Anerkennung verdient als ein “Leuchtturm von Integrität und verantwortungsvoller Unternehmensführung.”

Er erklärt: „Ich kann sicherlich aus eigener persönlicher Erfahrung in der Zusammenarbeit auf der Wissenschaft sprechen, da gab es keinen Versuch, mich oder andere ForscherInnen, die ich kenne, zu beeinflussen und abzuhalten, die beste Wissenschaft zum Wohl der Menschen zu liefern.“ Doch es bleibt unklar, welche Governance-Strukturen bestehen, die garantieren, dass Wellcomes riesiges Stiftungsvermögen das Agenda-Setting bei der WHO oder andere Arbeit der Stiftung in der Pandemie nicht beeinflusst.

Unitaid, das mit federführend für das WHO ACT Accelerator Project ist, sagt, dass es mit Wellcome ein „klares gegenseitiges Einvernehmen gibt, dass relevante institutionelle Interessen transparent offengelegt werden.“ Aber Unitaid teilte dem BMJ vergangenen Dezember mit: “Wir haben noch keine einzige Erklärung zu Interessenkonflikten erhalten.“

Marc Rodwin, Rechtsprofessor an der Suffolk University in Boston, Massachusetts, sagt, dass Institutionen mit finanziellen Interessenskonflikten dennoch wertvolle Beiträge zur Pandemiebekämpfung leisten könnten, aber keine Einfluss- oder Entscheidungsposition haben sollten.

„Ich würde sogar noch weiter gehen, als nur zu sagen, sie sollten sich vor bestimmten Entscheidungen als befangen erklären. Warum werden sie überhaupt ausgewählt für diese Stellen mit Machtbefugnissen?“, fragt er. „Ich mag hier das Konzept des epidemiologischen Risikofaktors – es führt nur ein Risikolevel ein, das unnötig ist. Wenn viel Geld im Spiel ist, willst du nicht solche finanziellen Konflikte haben, die diese Entscheidungen beeinflussen.“

Regierungsberater

Zusätzlich zur Arbeit durch die WHO beeinflusst Wellcome die Pandemiebekämpfung auch durch Farrars Stellung in der Scientific Advisory Group for Emergencies, die die Regierung des Vereinigten Königreichs zu Covid-19 berät; er hat zudem einen Sitz im Vorstand der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations, einer führenden Öffentlich-Privaten Partnerschaft in der Pandemie, die mehr als eine Mrd. US$ für die Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen zugesagt hat.[8] Auch tritt Farrar häufig als Experte in den Medien auf, einschließlich dem BMJ, wo er das Potenzial bestimmter Medikamente gegen Covid-19 hervorhob.[9],[10] Diese Berater- und Medienaktivitäten weisen Überschneidungen zu den 28 Mrd. £ Stiftungskapital des Wellcome Trust auf, der mindestens 1,25 Mrd. £ in Firmen investiert hat, die zu Covid-19-Impfstoffen, Therapeutika und Diagnostika arbeiten: Roche, Novartis, Abbott, Siemens, Johnson & Johnson, und — durch Beteiligungen an der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway — Merck, AbbVie, Biogen, and Teva.[11]

Farrar sitzt in dem internen Investment-Ausschuss von Wellcome, der in Bezug auf das Stiftungskapital eine wichtige beratende Rolle spielt.[12] Wellcome will sich nicht dazu äußern, ob die Doppelrolle Farrars wünschenswert ist — Hilfe beim Management des Stiftungsvermögens und die karitative Mission —, und lehnte mehrfach Nachfragen nach einem Interview mit Farrar oder anderen VertreterInnen der Stiftung ab.

Das ganze Ausmaß der Investitionen von Wellcome in Firmen, die zu Covid-19 arbeiten, ist nicht bekannt, da die Stiftung sich auch weigerte, gegenüber dem BMJ Details zu ihrem Investmentportfolio offenzulegen, das meiste davon wird nur allgemein beschrieben als Investition in „Hedge-Fonds“, „Aktien“, „Firmenbeteiligungen “ oder „Immobilien“.[13] Wellcome veröffentlicht auf seiner Webseite eine Liste von einigen Dutzend seiner größten individuellen Unternehmensinvestitionen. Und das BMJ enthüllte zusätzliche Informationen über Wellcomes Stiftungsvermögen durch Einsicht in Unterlagen, die die Stiftung bei der US-Finanzaufsicht einreichte.

Auf der Basis dieser begrenzten öffentlichen Berichterstattung scheint es, als expandiere Wellcome seine Covid-bezogenen Investitionen. Die Stiftung berichtete letzten Sommer den Besitz von fast zwei Millionen Aktien von Abbott Laboratories, einem Hauptlieferant von diagnostischen Tests für Covid-19.[14] Den von Wellcome eingereichten Finanzunterlagen kann entnommen werden, dass der Wert seiner 1,95 Millionen Anteile an Abbott zwischen Juli und Oktober 2020 von 178 Mio. US$ auf 212 Mio. US$ angewachsen ist, ein unerwarteter Gewinn für die gemeinnützige Stiftung.[15]

Wellcome berichtet von 3.3 Mrd. £ Gewinn aus allen Investitionen im Jahr 2020, dreimal so viel Geld, wie der Trust für wohltätige Zwecke ausgeschüttet hat.

Der Einfluss von Investoren

Die Rolle von Wellcome auf den Finanzmärkten während der Pandemie hat sich auch auf andere markante Weise niedergeschlagen. Das Wall Street Journal hat berichtet, dass Wellcome schon im Januar 2020 Telefonkonferenzen mit privaten Investmentfirmen abgehalten hat, wo Farrar Vermögensverwalter vor dem Ernst von Covid-19 warnte.[16] Die Gespräche trieben die Investoren an, ihre Portfolios zu reorganisieren, entweder um Verluste zu minimieren oder finanzielle Gewinne zu erzielen, so die Zeitung.

Die Stiftung war nicht bereit, Protokolle von Farrars Telefonkonferenz mit fremden Kapitalgebern zu liefern, und erklärte stattdessen, dass er Investoren die gleichen Covid-Warnungen anbiete wie den Nachrichtenmedien und bei anderen Treffen.

Zwei Investmentgesellschaften — Sequoia und Blackstone—, die an den Gesprächen mit Farrar teilgenommen hatten, zahlten in den letzten Jahren Dividenden an Wellcome aus, wie die Steuerveranlagung der Stiftung in den USA kürzlich zeigte. Wellcome wollte nicht kommentieren, ob sie zu dem Zeitpunkt Geld in die Firmen investiert hatte, als die Stiftung Telefongespräche von Farrar mit eben diesen Unternehmen organisiert hatte.[17]

Die Ethik der Investmentaktivitäten von Wellcome wurde in den vergangenen Jahren mehrfach öffentlich in Frage gestellt. Unter anderem in einer öffentlichen Kampagne, die 2015 vom Guardian organisiert wurde, um auf Wellcome und die Gates Stiftung Druck auszuüben, sich von Investitionen in fossile Brennstoffe zu trennen. Zehntausende unterzeichneten eine Petition, die argumentierte, dass die Investments von Wellcome und Gates in fossile Brennstoffe im Widerspruch zu ihrer Arbeit zur Förderung des „menschlichen Fortschritts und der Gleichheit“ stehe.[18]

Farrar lehnte in einem Antwortschreiben Desinvestition (Divestment) als Strategie ab. Er sagte, Wellcome nutze seine Stellung als Investor dazu, Firmen fossiler Brennstoffe zu einem besseren Verhalten zu drängen.[19] Ein früherer Mitarbeiter von Wellcome berichtete dem BMJ, dass das Investment der Stiftung in fossile Brennstoffe zu vielen Auseinandersetzungen unter den Mitarbeitern führte, die diese Investmentstrategie der Stiftung in Frage stellten.

Die Zeitschrift Science berichtete 2018, dass Wellcome fast 1 Mrd. US$ an Offshore-Investitionen hielt, einschließlich eines Cayman Islands Energiefonds, der Anteile an einer Firma hielt, die extrem umweltbelastende Schiffstreibstoffe verkauft. Science zitierte Ökonomen, die Offshore-Investitionen von Wellcome und anderen Stiftungen in Steueroasen wie den Cayman Islands scharf kritisierten und sie beschuldigten, ein Verhalten der Steuervermeidung zu institutionalisieren und zu normalisieren, was die Einkommensungleichheit verschärft.[20]

Governance des öffentlichen und privaten Sektors

Während der ganzen Pandemie kursierten Vorwürfe finanzieller Interessenskonflikte öffentlicher und privater Akteure in vielen Ländern. Im Vereinigten Königreich geriet der wissenschaftliche Chefberater der Regierung, Patrick Vallance, in die Schlagzeilen, als ihm nachgewiesen wurde, finanzielle Verbindungen zu der Pharmafirma GlaxoSmithKline zu haben.[21] Regierungsquellen haben Vallance gegen Vorwürfe von Fehlverhalten verteidigt.

In den USA wurden gegen vier Kongressmitglieder Untersuchungen eingeleitet, weil sie Aktienhandel mit nicht-öffentlichen Informationen betrieben, zu denen sie auf Grund ihrer politischen Stellung Zugang hatten. Alle wurden sie während der Untersuchung freigesprochen, berichtete die New York Times.[22],[23]

Im letzten Jahr berichtete das BMJ über ein Versagen der Scientific Advisory Group for Emergencies des Vereinigten Köngreichs, konkurrierende Interessen in Bezug auf Covid-19 zu veröffentlichen. Daraufhin wurden sie zur öffentlichen Überprüfung freigegeben.[24]

Trotz der herausragenden Rolle, die private Wohltätigkeitsorganisationen in der Pandemiebekämpfung spielen, wurden ihre finanziellen Interessen wenig hinterfragt, wohl weil Stiftungen nicht den gleichen Aufsichtsmechanismen unterworfen sind wie öffentliche Institutionen.

Linsey McGoey, eine Soziologieprofessorin an der University of Essex, die extensiv über Verantwortlichkeit in der Philanthropie geschrieben hat, sieht einen Zusammenhang zwischen den Investment von Wellcome und Gates in die Pharmaindustrie im und ihrer Unterstützung für die herrschenden Marktmechanismen, die die moderne Medizin antreiben – was dazu führt, dass die reichen Länder bevorzugten Zugang zu Covid-19 Medikamenten bekommen.[25] Viele Stakeholder stellen dieses ökonomische Modell während der Pandemie in Frage, stellt McGoey fest, und sie üben Druck auf die Welthandelsorganisation aus, Einschränkungen durch geistige Eigentumsrechte in Bezug auf Impfstoffe und Therapeutika zu lockern.[26]

Sie sagt, „Sie scheinen sich ganz einem gemeinnützigen Modell verpflichtet zu fühlen …[das] in Wirklichkeit aber dem Ansatz von Gesundheits- und Impfstoffgerechtigkeit, den die meisten AktivistInnen und politischen EntscheidungsträgerInnen des globalen Südens fordern, zu widersprechen scheint.“

„Diese Art von Stiftungen erhalten den falschen ideologischen Eindruck aufrecht, dass sie [...] das Problem lösen, auch wenn sie gerade das nicht tun. Und sie könnten es noch verstärken, indem sie den ideologischen Eindruck perpetuieren, der privaten Sektor nehme die Rolle des Retters ein.“

 

Tim Schwab, Freier Journalist Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

*Dieser Artikel erschien am 3.3.2021 im BMJ; 372, p n556 https://doi.org/10.1136/bmj.n556 . Wir danken dem BMJ für die Abdruckgenehmigung. Übersetzung: Margit Urhahn

Interessenkonflikte: Tim Schwab hat die Politik des BMJ zu Interessenkonflikten gelesen und verstanden. Er erklärt, dass er Empfänger eines Alicia Patterson Foundation journalism fellowship 2019 ist. Das BMJ veröffentlicht Arbeiten von Forschungsgruppen und AkedemikerInnen, die von der  Bill and Melinda Gates Foundation und dem  Wellcome Trust gefördert werden.

Hinweis für den englischsprachigen Originalartikel: This article is made freely available for use in accordance with BMJ‘s website terms and conditions for the duration of the covid-19 pandemic or until otherwise determined by BMJ. You may use, download and print the article for any lawful, non-commercial purpose (including text and data mining) provided that all copyright notices and trade marks are retained. https://bmj.com/coronavirus/usage

 

Artikel aus dem Pharma-Brief 3-4/2021, S.4

 

Wir behalten im Folgenden die Zitierweise des BMJ bei:

[1] Schreier P. A look inside the global partnership that’s working to find and deliver Covid-19 treatments. Wellcome Trust. 29 Oct 2020. https://wellcome.org/news/look-inside-global-partnership-thats-working-find-and-deliver-covid-19-treatments

[2] Wellcome Trust. List of directly held equity holdings as of September 2020. https://wellcome.org/about-us/investments/direct-public-equity-holdings

[3] Guarascio F. Exclusive: WHO-led COVID drug scheme doubles down on antibodies, steroids and shuns remdesivir. Reuters 2020 Nov 5. https://www.reuters.com/article/us-health-coronavirus-who-drugs-exclusiv/exclusive-who-led-covid-drug-scheme-doubles-down-on-antibodies-steroids-and-shuns-remdesivir-idUSKBN27L1OY

[4] Schwab T. While the poor get sick, Bill Gates just gets richer. Nation 2020 Oct 5. https://www.thenation.com/article/economy/bill-gates-investments-covid/

[5] Malpani R, Baker B, Kamal-Yanni M. Corporate charity—is the Gates Foundation addressing or reinforcing systemic problems raised by covid-19? Health Policy Watch 2020 Oct 31. https://healthpolicy-watch.news/gates-foundation-address-systemic-covid-19/

[6] Rosenthal E. On the front: a pandemic is worrisome but unlikely. New York Times 2006 Mar 28. https://www.nytimes.com/2006/03/28/health/on-the-front-a-pandemic-is-worrisome-but-unlikely.html

[7] McKie R. “We can beat Ebola but must prepare for what comes next,” says Wellcome Trust head. Guardian 2019 Dec 22. https://www.theguardian.com/world/2019/dec/22/we-can-beat-ebola-prepare-for-health-battles-to-come-jeremy-farrar-wellcome-trust

[8] UK Government Office of Science. List of participants of SAGE and related sub-groups. https://www.gov.uk/government/publications/scientific-advisory-group-for-emergencies-sage-coronavirus-covid-19-response-membership/list-of-participants-of-sage-and-related-sub-groups. (CEPI list of board members and COVID vaccine support is available at www.cepi.net.)

[9] Farrar J. Soon Covid-19 will be treatable, but it shouldn’t just be the rich who benefit. Guardian 2020 Oct 12. https://www.theguardian.com/commentisfree/2020/oct/12/covid-19-treatable-vaccines-treatments

[10] Looi M-K. Jeremy Farrar: Make vaccine available to other countries as soon as our most vulnerable people have received it. BMJ2021;372:n459. doi:10.1136/bmj.n459 pmid:33608412

[11] Wellcome Trust. Annual report and financial statement 2020; list of directly held equity holdings as of September 2020. https://wellcome.org/about-us/investments/direct-public-equity-holdings

[12] Wellcome Trust. Investment committee list. https://wellcome.org/about-us/investments. (Investment policy, 2020 Feb 24, is available at https://wellcome.org/sites/default/files/investment-policy-202002.pdf.)

[13] Wellcome Trust. Annual report and financial statement 2020. https://wellcome.org/reports/wellcome-annual-report-2020

[14] Abbott Laboratories. US Securities and Exchange Commission 10Q regulatory filing for the quarterly period ended September 30, 2020. https://www.abbottinvestor.com/node/32711/html

[15] Wellcome Trust. US Securities and Exchange Commission 13F regulatory filings. 10 Jul and 20 Oct 2020. https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1026720/000101297520000777/xslForm13F_X01/infotable.xml  

[16] Chung J. The early coronavirus warning that woke up Wall Street. Wall Street J 2020 Jun 12. https://www.wsj.com/articles/the-early-coronavirus-warning-that-woke-up-wall-street-11591954202  

[17] Wellcome Trust. Annual 990 tax filings with the United States Internal Revenue Service.

[18] Howard E. Keep it in the ground campaign: six things we’ve learned. Guardian 2015 Mar 25. https://www.theguardian.com/environment/keep-it-in-the-ground-blog/2015/mar/25/keep-it-in-the-ground-campaign-six-things-weve-learned. The Guardian’s “Keep it in the Ground” petition can be found at https://www.theguardian.com/environment/ng-interactive/2015/mar/16/keep-it-in-the-ground-guardian-climate-change-campaign

[19] Farrar J. Fossil fuel investments are an issue on which fair-minded people will disagree. Guardian 2015 Apr 17. https://www.theguardian.com/environment/keep-it-in-the-ground-blog/2015/apr/17/fossil-fuel-investments-are-an-issue-on-which-fair-minded-people-will-disagree

[20] Piller C. Private research funders court controversy with billions in secretive investments. Science 2018 Dec 6. https://www.sciencemag.org/news/2018/12/private-research-funders-court-controversy-billions-secretive-investments

[21] Thacker PD. Conflicts of interest among the UK government’s covid-19 advisers. BMJ2020;371:m4716. doi:10.1136/bmj.m4716 pmid:33298559

[22] Benner K, Fados N. Justice Dept ends inquiries into 3 senators’ stock trades. New York Times 2020 May 26. https://www.nytimes.com/2020/05/26/us/politics/senators-stock-trades-investigation.html

[23] Fandos N, Benner K. Justice Dept ends stock trade inquiry into Richard Burr without charges. New York Times. 19 Jan 2021. https://www.nytimes.com/2021/01/19/us/politics/richard-burr-stock-trades-investigation.html

[24] Coombes R. Covid-19: SAGE members’ interests published by government 10 months into pandemic. BMJ2020;371:m4911. doi:10.1136/bmj.m4911 pmid:33334782

[25] Dyer O. Covid-19: Many poor countries will see almost no vaccine next year, aid groups warn. BMJ2020;371:m4809. doi:10.1136/bmj.m4809 pmid:33310819

[26] India and South Africa ask WTO to waive rules to aid COVID-19 drug production. Reuters 2020 Oct 4. https://www.reuters.com/article/uk-health-coronavirus-wto/india-and-south-africa-ask-wto-to-waive-rules-to-aid-covid-19-drug-production-idUKKBN26P0H3?edition-redirect=uk


Auch Mutter-Kind-Gesundheit gefährdet

Ghana hat auf die Pandemie schnell reagiert und die Zahl der Todesfälle durch Covid-19 ist bisher verhältnismäßig niedrig. Doch die Gesundheitsversorgung hat stark gelitten. Viele Einrichtungen konnten übliche Versorgungsleistungen nicht anbieten, weil es wegen der Pandemie an Testkapazitäten mangelte und Medikamente knapp wurden. Auch Impfkampagnen wurden ausgesetzt. Mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden nun Konzepte umgesetzt, um grundlegende Versorgungsleistungen auch unter Pandemiebedingungen zu gewährleisten.

Rund 118.000 Infektionen und rund 1.000 Todesfälle durch Covid-19 zählte Ghana bis Ende August,[1] die meisten davon in städtischen Ballungsgebieten wie Accra und Kumasi. Bereits sehr früh hatte die Regierung Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen. Die Ausstattung von Laboren wurde verbessert, Quarantäne- und Isolationsstationen eingerichtet, Krankenhauskapazitäten aufgestockt. Im Februar hatte Ghana als erster Staat der Welt Corona-Impfstoff über das Covax-Programm erhalten und damit begonnen, die Bevölkerung zu impfen.[2]

Doch die Lage im Gesundheitssystem ist durch die Pandemie äußerst angespannt: Für 1.000 Menschen steht nur ein Krankenhausbett zur Verfügung. Nicht einmal zwei ÄrztInnen und gerade einmal 42 Pflegekräfte und Hebammen kommen in Ghana auf 10.000 EinwohnerInnen.[3] Eine flächendeckende Versorgung der PatientInnen ist vor allem in ländlichen Gebieten nicht gewährleistet. Gesundheitsdienste und Präventionsarbeit wurden wegen der Pandemie eingeschränkt, Impfkampagnen ausgesetzt.covid19 in ghana

Müttergesundheit vernachlässigt

Schon vor der Pandemie war die Müttersterblichkeit in Ghana hoch: Pro 100.000 Lebendgeburten starben 319 Mütter durch Schwangerschaft oder Geburt.[4] In Deutschland sind es sieben.[5] Grund dafür ist vor allem die mangelnde Vorsorge während der Schwangerschaft: Etwa ein Drittel aller Gebärenden nimmt Vorsorgetermine nicht wahr oder hat keinen Zugang dazu. Covid-19 hat diese Situation noch verschlechtert. Agbozo und Jahn untersuchten die Auswirkungen der Pandemie auf die Versorgung von Schwangeren in der ersten Jahreshälfte 2020 und konstatieren einen starken Rückgang an Gesundheitschecks und Blutuntersuchungen in den von Covid-19 besonders betroffenen städtischen Regionen.[6] Um Kontakte zu vermeiden, wurden Vorsorgetermine in das zweite Drittel der Schwangerschaft verlegt und Untersuchungsabstände wurden vergrößert, sofern keine Risiko-Schwangerschaft vorlag. Aus Angst vor Ansteckung vermieden außerdem viele Schwangere den Besuch in Gesundheitseinrichtungen. Die größte Gesundheitseinrichtung des Landes verzeichnete von Januar bis Mai 2020 einen Rückgang der Servicenutzung um bis zu 65%. Die Wissenschaftler befürchten, wenn dieser Trend anhalte, könnten die bereits erzielten Erfolge bei der Müttergesundheit zunichte gemacht werden. Kontinuierliche Investitionen in den Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur seien nötig, um sie für diese und zukünftige Krisen besser zu wappnen.

Pandemie verstellt den Blick auf andere Krankheiten

Während das Gesundheitssystem damit beschäftigt ist, die Ausbreitung von Covid-19 zu bekämpfen, würden andere lokale Krankheitsausbrüche sträflich vernachlässigt, beklagen Derrick Mensah und KollegInnen.[7] Der Ghana Health Service habe am 15. April 2020 409 Fälle von zerebrospinaler Meningitis gemeldet. Fünf der 16 Provinzen Ghanas waren von der Epidemie betroffen. 40 Menschen seien allein in der zweiten Aprilwoche gestorben – bei weitem mehr also als die 9 Corona-Toten im gleichen Zeitraum. Der Ausbruch sei nicht nur besonders schwerwiegend gewesen. Besorgniserregend sei auch die fehlende Reaktion der Behörden, die der derzeitigen Überlastung des Gesundheitswesens geschuldet sei.

Ursache des Meningitis-Ausbruchs sei ein neuer und gefährlicher bakterieller Erregertypus. 10-15% aller PatientInnen sterben daran, wenn sie nicht behandelt werden. In Ghana waren es wegen fehlender Interventionen viermal so viele Tote. Notwendig sei es, das Gesundheitssystem nachhaltig zu stärken, um eine kontinuierliche Versorgung von PatientInnen auch in Krisenzeiten zu gewährleisten, so die WissenschaftlerInnen.

Massenimpfungen verschoben

Etliche Schlüsselbereiche der Versorgung gerieten durch die Pandemie ins Stocken. Die für April/Mai 2020 geplante Impfkampagne gegen Polio wurde wegen des Verbots von Massenveranstaltungen auf den Herbst verschoben, ebenso die Impfkampagne gegen Gelbfieber und auch die Verteilung von Bettnetzen zum Schutz vor Malaria wurde vorerst ausgesetzt. „Inzwischen sind wir zurück am Start“, so Anthony Adofo Ofosu, Generaldirektor des Ghana Health Service. Man habe gemeinsam mit der WHO Pläne erarbeitet, um essenzielle Gesundheitsdienste auch in Zeiten der Pandemie aufrechtzuerhalten.[8] Dazu zählten Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten, Impfprogramme oder auch die Versorgung vulnerabler Bevölkerungsgruppen wie Kindern und älterer Menschen. Viele Anstrengungen seien unternommen worden, um das Risiko einer Covid-19-Ansteckung im Gesundheitssektor zu minimieren – durch Schulungsprogramme für das Personal, Schutzausrüstung und andere Vorsichtsmaßnahmen. „Wir haben in dieser Zeit viel darüber gelernt wie wir diese Dienstleistungen aufrechterhalten und zugleich sowohl unser Gesundheitspersonal als auch die Öffentlichkeit vor einer Covid-19-Infektion schützen können.“

 

Artikel aus dem Pharma-Brief 7/2021, S.5
Bild © Owula kpakpo

[1]WHO (2021) Coronavirus (COVID-19) Dashboard https://covid19.who.int/region/afro/country/gh [Zugriff 31.8.2021]

[2]Covax beliefert erstes Land mit Impfstoff. Tagesschau, 24.2.21 www.tagesschau.de/ausland/afrika/ghana-corona-impfstoff-covax-101.html [Zugriff 28.7.21]

[3]Afulani PA et al. (2021) Inadequate preparedness for response to COVID-19 is associated with stress and burnout among healthcare workers in Ghana. PLoS ONE; 16 p e0250294. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0250294

[4]www.afro.who.int/countries/ghana [Zugriff 28.7.21]

[5]www.who.int/data/gho/data/indicators/indicator-details/GHO/maternal-mortality-ratio-(per-100-000-live-births) [Zugriff 28.7.21]

[6]Agbozo F and Jahn A (2021) COVID-19 in Ghana: challenges and countermeasures for maternal health service delivery in public health facilities. Reprod. Health;18, p 151 https://doi.org/10.1186/s12978-021-01198-5

[7] Mensah D et al. (2020) COVID-19 effects on national health system response to a local epidemic: the case of cerebrospinal meningitis outbreak in Ghana. Pan African Medical Journal. 35(2):14. https://doi.org/10.11604/pamj.supp.2020.35.2.23138

[8]WHO regional office for Africa (2020) Reinforcing key health services amid COVID-19. www.afro.who.int/news/reinforcing-key-health-services-amid-covid-19 [Zugriff 28.7.21]


Globaler Zugang zu Impfungen und geistige Eigentumsrechte

Leaked Covid prices sCovid-19-Impfstoffe sind derzeit ein knappes Gut. Die Patentinhaber entscheiden alleine, wo und wieviel Impfstoffe hergestellt werden und wer sie bekommt. Eine Ausweitung der Produktion durch Generikahersteller wäre naheliegend. Doch die Industrie lehnt das in der Welthandelsorganisation diskutierte Aussetzen von geistigen Eigentumsrechten ebenso ab wie freiwillige Lizenzen und Technologietransfer durch den WHO-Patentpool C-TAP.[1] Patente seien nicht das Problem, behauptet Big Pharma.

Es ist keine Frage, dass es bei Covid-19 global ungerecht zugeht. Auf zehn Länder entfallen 75% der bislang verimpften Dosen, während in 130 Ländern bis Ende Februar noch niemand geimpft wurde. Nicht nur eine gerechtere Verteilung, vor allem auch mehr Impfdosen wären notwendig.

Wie das am besten erreicht werden kann, ist derzeit ein heiß diskutiertes Thema. Bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages prallten am 24.2.2021 die Meinungen aufeinander.[2] Dr. Siegfried Throm, der als Vertreter der großen Pharmafirmen für den Verband forschender Arzneimittelunternehmen (VfA) sprach, versuchte in Verdrehung der Tatsachen das Problem kleinzureden: „Wo ist der Bedarf? Es dauert ein bisschen. Aber das gilt nicht nur für die Länder in Europa oder auch in anderen Teilen, sondern das gilt natürlich weltweit.“

VertreterInnen der Pharma-Kampagne, Ärzte ohne Grenzen und Medico International, die bei der Anhörung ebenfalls zugegen waren, betonten dagegen, dass es versäumt wurde, rechtzeitig Voraussetzungen für die globale Massenproduktion von Impfstoffen und Medikamenten zu schaffen. Es sei jetzt dringend notwendig, Patente freizugeben und Technologietransfer zu leisten, um weiteren Herstellern die Produktion von Impfstoffen zu ermöglichen.


Betroffene brasilianische Frauen gehen leer aus

Vor 20 Jahren kam das Verhütungsmittel Essure auf den Markt. Die Spiralen, die in die Eileiter eingeführt wurden, sollten als Ersatz einer chirurgischen Sterilisation dienen und angeblich risikoärmer sein. Doch die Erwartungen erfüllten sich nicht, viele Frauen klagten über Schmerzen oder starke Blutungen, teilweise brachen die Spiralen und mussten operativ entfernt werden. 2018 stellte Bayer den Vertrieb von Essure in Europa[1] und ein Jahr später auch in den USA ein. Zu diesem Zeitpunkt waren in den USA schon Zehntausende Klagen von geschädigten Frauen gegen den Hersteller anhängig. Im August 2020 zahlte Bayer den Betroffenen in den USA 1,35 Milliarden Euro – ohne aber seine Schuld anzuerkennen.[2]

Ganz anders in Brasilien, wo ebenfalls etliche Frauen erhebliche Nebenwirkungen durch Essure erlitten hatten. Hier lehnt Bayer Entschädigungen ab, wie die Tagesschau auf Nachfrage erfuhr. Die Firma begründet ihr unterschiedliches Verhalten damit, dass „die Einigung in den USA eine kommerzielle Entscheidung widerspiegelt, die zum großen Teil von den einzigartigen Aspekten des US-amerikanischen Rechtssystem abhängt, einschließlich der hohen Kosten von US-Rechtsstreitigkeiten.“ [3] Man kann das auch so lesen: Wo es eine patientinnenfreundliche Gesetzgebung gibt, wird bei Schäden gezahlt, wo nicht, zeigt man den Betroffenen die kalte Schulter. 300 brasilianische Frauen wollen jetzt den Konzern in Deutschland verklagen.  (JS)

Der Artikel erschien zuerst in GPSP 6/2021
Artikel aus dem Pharma-Brief 8-9/2021, S. 6

 

[1] In Deutschland ist die Sterilisation eine seltene Verhütungsmethode, und vermutlich wurden hierzulande nur einigen hundert Frauen Essure-Spiralen eingesetzt.

[2] FAZ (2020) Bayer zahlt Klägerinnen in Amerika 1,35 Milliarden Euro. 20.8. www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/essure-bayer-zahlt-klaegerinnen-in-usa-1-35-milliarden-16914554.html  [Zugriff 7.10.2021]

[3] Ebert M (2021) Wir waren Versuchskaninchen. Tageschau.de 25.9. www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/bayer-essure-klagen-101.html  [Zugriff 7.10.2021]


Mehr als ein Grund zu feiern40 jahre buko pharma kampagne

Am Ende unserer ABR-Konferenz gab es eine kleine virtuelle Feier zum vierzigjährigen Bestehen der Pharma-Kampagne. Eingeleitet wurde die Veranstaltung mit einem kurzen Film über Highlights der Kampagnenarbeit aus den letzten 40 Jahren, den Sie auf unserer Website anschauen können. Produziert hat ihn unser ehemaliger Mitarbeiter Stefan Jankowiak.
Dann folgte – moderiert von unserer Vorstandsfrau Elisabeth Lipsewers – ein bunter Regen von Glückwünschen aus aller Welt. Gopal Dabade vom Drug Action Forum Karnataka, Indien, hob hervor, wie wichtig die Arbeit von BUKO angesichts des massiven negativen Einflusses großer Pharmakonzerne im globalen Süden sei. Andy Gray aus Südafrika lobte die Zusammenarbeit beim Kampf für den Zugang zu Aids-Medikamenten. Das unterstrich auch Peter Wiesner vom deutschen Aktionsbündnis gegen Aids.
Davina Dietrich und Jan Quakernack von unserem Straßentheater „Schluck & weg“ lieferten eine geschickt inszenierte Botschaft. Sigrun Landes-Brenner grüßte von Brot für die Welt, Alexander Lohner von Misereor. Wilbert Bannenberg erinnerte humorvoll an die nachbarschaftliche Entwicklungshilfe: Der niederländische Pragmatismus hat sicher zum Überleben der Kampagne erheblich beigetragen.
Der entfernteste Gruß kam von Anwar Fazal aus Malaysia, der an die gemeinsame Gründung des Netzwerks Health Action International (HAI) vor 40 Jahren in Genf erinnerte. Birte Bogatz-Mander vom globalen HAI-Büro in Amsterdam hob die Hartnäckigkeit und Ausdauer der Pharma-Kampagne hervor und wünschte viele weitere Jahre guter Zusammenarbeit.
Dies ist nur eine kleine Auswahl der vielen Highlights des Abends. Zahlreiche Gratulationen erreichten uns auch auf schriftlichem Weg. Ihnen und euch allen ganz herzlichen Dank dafür!
Und fest versprochen sei schon hier, dass es eine echte Feier geben wird, wenn das wieder möglich ist. Wie bei der Pharma-Kampagne üblich, werden wir das Fest mit einem thematischen Input verbinden – aber einfach nur zum Feiern zu kommen, ist auch völlig OK. (JS)

Bild © Jörg Schaaber
Artikel aus dem Pharma-Brief 5/2021, S.7