Patente um jeden Preis – oder Arzneimittel für Alle?

Mit einer Broschüre versucht der größte deutsche Pharmaindustrie-Verband VFA Stimmung für die Durchsetzung von Patenten in armen Ländern zu machen. Entwicklungspolitische Organisationen sehen in der Veröffentlichung eine gezielte Strategie der Industrie, um vom eigenen Versagen bei der Bereitstellung von bezahlbaren Medikamenten abzulenken. Gerade vor der Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Cancun ein ziemlich durchsichtiger Versuch, die Politik zu beeinflussen.

Unter dem Titel „Gemeinsam für Gesundheit und Entwicklung – Forschende Arzneimittelhersteller verbessern die Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern“ versucht der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), sein Engagement für arme Länder deutlich zu machen. Die aufwändig gestaltete Publikation enthält zwar einige sachliche Hintergrundinformationen, aber auch falsche Zahlen und haarsträubende Thesen. Mit der ausführlichen Replik „Gemeinsam für Patente und Profite?“ weist die BUKO Pharma-Kampagne die Argumente der Pharmaindustrie als fadenscheinig zurück.

Der VFA kultiviert in seiner Publikation Vorurteile gegen Länder der Dritten Welt: Öffentliche Verwaltungen werden der Unfähigkeit und Korruption bezichtigt. Die Menschen seien zu ungebildet, um Medikamente richtig einzunehmen. Dabei beweisen erfolgreiche AIDS-Behandlungsprogramme in Brasilien und Afrika, die eine mindestens ebenso hohe Therapietreue aufweisen wie in Industrieländern, das Gegenteil.

Herstellern in armen Ländern wird pauschal unterstellt, sie könnten keine ausreichende Qualität liefern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht das völlig anders – sie hat etliche AIDS-Medikamente von solchen Herstellern für gut befunden und will bis 2005 die Hälfte aller AIDS-Kranken erreichen. Gegenwärtig wird in Afrika nur ein Prozent der Bedürftigen behandelt.

Dass die Einführung von Patenten in armen Ländern Arzneimittel teurer macht, wird vom VFA als „Missverständnis“ bezeichnet. Angesichts von Preisen von 10.000 US$ für die Behandlung eines einzigen AIDS-Kranken mit Medikamenten aus Industrieländern gegenüber weniger als 300 US$ aus (noch) patentfreier Generika-Produktion mutet diese Aussage seltsam an. Auch die durch öffentlichen Druck ausgelösten Preissenkungen der großen Konzerne können die Probleme nicht langfristig lösen. Die Mittel sind immer noch zu teuer und erreichen nur wenige Menschen. Billige Produktion und Import günstiger Medikamente muss gesichert werden. Das könnte jedes Jahr Millionen Menschen das Leben retten. Die WTO täte gut daran, dazu beizutragen.

Eine ausführlichere Replik finden Sie in „Gemeinsam für Patente und Profite?“ (Word 260 kB).