Tour 2009
Lisa im Wunderland 
Straßentheater Schluck & weg nimmt Pharmawerbung aufs Korn
Foto: Jörg SchaaberLisa ist eine gutbläubige junge Frau, die sich leicht beeinflussen lässt. Völlig unkritisch schluckt sie alle möglichen Medikamente, um ihr Leben zu meistern. Von der Mutter bekommt sie Pillen zur besseren Gehirndurchblutung, damit der Mathetest in der Schule gelingt. Die Freundin empfiehlt ihr Elli gegen die Fettpölsterchen - schließlich nehmen das alle Mädchen aus der Clique. Und der Arzt rät Lisa dringend zu einem Verhütungsmittel, damit die lästigen Pickel verschwinden.
Foto: Katrin Ara
Doch der übermäßige Pillenkonsum endet im Desaster. Die junge Frau bricht auf offener Straße zusammen. Alle sind entsetzt: "Wir wollten doch nur dein Bestes, Lisa!"
Foto: Katrin Ara
Für Lisa beginnt daraufhin eine abenteuerliche Suche nach den Ursachen ihres Zusammenbruchs. "Schau Kind, wie gut die Pillen helfen", erklärt ihre Mutter und verweist aufs TV-Programm. Im Fernsehen läuft ein Spot zum neuen Wundermittel "Beweg dich": Die Müllerstochter ist verzweifelt, weil sie das ganze Stroh zu Gold spinnen muss. Aber der Pharmawolf bietet seine Hilfe an und schwuppsdiwupps ist aus dem Stroh Gold geworden. Die Müllerstochter ist glücklich.
Foto: Jörg Schaaber
Lisa beschließt, ihren Arzt um Rat zu fragen. Als sie das Wartezimmer betritt, kommen ihr zwei Pharmawölfe entgegen. Sie haben dem Arzt viele Geschenken mitgebracht, damit der ihre neuen Pillen unter die Leute bringt. Auch für Lisa hat der Arzt sofort einige Mittelchen parat. Ihre kritischen Nachfragen zu den verordneten Medikamenten wischt der Doktor leichtfertig vom Tisch: "Die kritische Einstellung geht von den Pillen auch weg."
Foto: Katrin Ara
Lisa ist ratlos. Sie macht sich im Internet auf Informationssuche. Doch hier erwartet sie eine verwirrende Informationsflut. Und hinter manch einer Webseite steckt der Pharma-Wolf als großzügiger Sponsor. Als Lisa die Fratze des Wolfes erkennt, nimmt sie die Verfolgung auf. Das Biest führt sie - ohne es zu ahnen - zum Gipfeltreffen der Pharma-Wölfe aus Süd und Nord. Lisa belauscht die Wölfe.
Foto: Katrin Ara
Die Pharma-Wölfe beklagen, dass immer mehr Menschen in Europa der Industrie misstrauen, und dass es immer noch ein Werbeverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel gibt. Dagegen schwärmt der Süd-Wolf von den paradiesischen Zuständen in Afrika, Asien und Lateinamerika. "Unsere Ladenhüter verkaufen wir ganz easy in armen Ländern - da werden wir alles los! Kontrolle ist dort ein Fremdwort - oder heilbar: mit der Geldspritze, ha, ha! Kontrollbehörden gibt es da unten so gut wie gar nicht. Wir verkaufen unsere hochwirksamen Antibiotika sogar gegen Schnupfen - ein tolles Geschäft!" "Aber das fördert doch Resistenzen!", wendet ein anderer Wolf ein, der schwer von Begriff ist. "Du Dussel, das fördert das Geschäft! Appetitzügler und Stärkungsmittel gegen Hunger gefällig?"
Foto: Katrin Ara
Um dem Versager-Wolf zu zeigen, wie der Hase läuft, wird eine Fernsehshow eingeblendet. Sie führt vor, wie man die märchenhafte Produkte der Pharmaindustrie gewinnbringend verkauft. Gäste der Show sind Rapunzel, Dornröschen und Hans im Glück. Rapunzel hatte wegen der schlechten Ernährung im Turm brüchige und splissige Haare, so dass der Prinz nicht mehr daran hochsteigen konnte. Mit einer Haarwuchspille bekam sie dieses Problem in Nullkommanichts in den Griff. Auch Hans im Glück, den sein schwerer Goldklumpen in tiefe Depressionen gestürzt hatte, ist glücklich. Er tauschte das Gold in der Apotheke gegen Pillen und nun ist ihm ganz leicht ums Herz. Dornröschen hatte Schlafstörungen, aber jetzt schlummert sie so fest, dass sie auf die Frage der Moderatorin gar nicht erst reagiert. Plötzlich kommt es zum Skandal: Noch während der Sendung zeigen sich Nebenwirkungen bei den Interviewten. Rapunzel wachsen eklige lange Haare auf der Brust. Bei Hans ist die Pillendose leer und er gebärdet sie wie ein Verrückter und Dornröschen stellt fest, dass sie das Date mit ihrem heiß ersehnten Prinzen verpennt hat...
Foto: Katrin Ara
"Cut, das schneiden wir sofort raus", befiehlt der Pharma-Boss.
Foto: Katrin Ara
Geschickt schmieren die Pharma-Wölfe aus Nord und Süd die Politiker mit Geld und anderen Annehmlichkeiten.
Foto: Jörg Schaaber
Doch Lisa hat alles mitangesehen und durchschaut die Lage: Sie klagt die Pharma-Wölfe an wegen Verschleierung von gefährlichen Nebenwirkungen, wegen der skrupellosen Ausnutzung schwacher Arzneimittelkontrollen in armen Ländern, wegen der Bestechung von ÄrztInnen. "Das ist ja alles hochkriminell", meint auch die Polizei und legt die Pharma-Wölfe in Ketten.
So bequeme Lösungen gibt es allerdings nur im Theater. In Wirklichkeit sind wir alle gefragt, damit sich in Nord und Süd etwas ändert - als kritische VerbraucherInnen, die nicht alles schlucken!
Eine ausführlichere Bilddokumentation der Straßentheatertour 2009 findet sich unter www.pillen-checker.de - einer Webseite der BUKO Pharma-Kampagne.


