Schluck & weg Tour 2006

Nichts für die Armen?

Jedes Jahr sterben Millionen Menschen in armen Ländern an Infektionskrankheiten wie Lungenentzündung, Durchfall, Tuberkulose oder Aids, weil sie keinen Zugang zu lebensnotwendigen unentbehrlichen Medikamenten haben. Diesem Mangel steht der Überfluss an Stärkungssäften oder Vitamintabletten und der Überkonsum an Schmerzmitteln gegenüber, für die im Süden wie im Norden massiv geworben wird.

In ihrem Stück lässt die Theatertruppe Schluck und weg einen altertümlichen Heiler eine ebenso phantastische wie hintergründige Reise in die Zukunft antreten. Der Alchemist, ausgezogen um ein Wundermittel gegen die Leiden seiner Zeit zu finden, gerät schon bald in Schwierig­keiten. Seine naiven Begegnungen mit bunten Pillen, aggressiven Marketing-Strategien, pharmazeutischen Großlaboren und den Bossen der Branche sorgen für humorvolle Missverständnisse und verhäng­nisvolle Verwechslungen. Zugleich entlarvt er dabei ungewollt heutige Marktmechanismen, die gnadenlos Profit vor Menschenleben stellen.

Foto: Jörg Schaaber

Das Bild von Hieronymus Bosch hängt im Museum und zeigt die Behandlung eines Kranken im Mittelalter durch einen Alchemisten. Durch Besucher des Museums (ein älters Ehepaar) hört der Alchemist von den Wundermitteln, gegen die Leiden seiner Zeit und zieht aus, um danach zu suchen.

Foto: Jörg Schaaber

Auf dem Pillenstrich trifft er die Schlafpille Acomplia und die Schmerzpille Thomapyrinia, die ihm gegen Geld ihre Dienste anbieten...

Foto: Jörg Schaaber

über die gravierenden Nebenwirkungen und Risiken sagen sie nichts.

Foto: Jörg Schaaber

Auch eine Aids-Pille bietet Ihre Dienste an. Diese ist aber zu teuer und für Arme somit unerschwinglich. Dennoch, der Alchemist fällt auf alle Verprechungen herein und verspricht wiederzukommen.

Foto: Jörg Schaaber
 

Ein Forschungslabor. Hier werden neue Medikamente entwickelt, aber nur die, die Geld bringen. Schönheitsmittel, Enthaarungscremes, Antidepressiva etc. Diese werden marktschreierisch angeboten.

Foto: Jörg Schaaber

In einem kleinen Topf findet der Alchemist auch Ergebnisse der Forschungen für Medikamente gegen Malaria, Tuberkulose und die Schlafkrankheit. Alchemist: "Diese Verlautbarungen kommen meinem Wunsche schon näher. Doch warum ist dieser Topf so klein? Mögen diese Geißeln der Menschheit schon nahezu bezwungen sein? Welch´ glückliche Zeit, in der ich hier gelandet bin."  Doch er muss lernen, dass nicht die Leiden der Armen, die Forschung bestimmen, sondern das, was Geld bringt.

  Foto: Jörg Schaaber

Der Alchemist spricht in der Konzernzentrale einer Pharmafirma vor und bittet um Medikamente gegen das gelbe Fieber und den schwarzen Tod. Aber er bekommt eine abschlägige Antwort. "Für uns gelten die Gesetze des Marktes. Auch mir sind die Hände gebunden. Unsere treuen Aktionäre sitzen uns im Nacken." 

 

Der arme Alchemist wird von den Pharmafirmen mit Werbung für neue Produkte gefüttert: "Die Leute müssen erstmal merken, was Ihnen gut tut."

  Foto: Jörg Schaaber

Die Pharmafirmen berufen eine Pressekonferenz ein, um ihr "großes Herz für arme Schlucker" imageträchtig zu vermarkten. Der Alchemist wird mit unnützen Medikamenten, die er und seine Mitmenschen brauchen überschüttet. Die Presse ist fasziniert und macht tolle Bilder.

Doch für die armen Menschen und die Krankheiten ist nichts dabei. Deshalb geht der Alchemist gefrustet wieder in sein Bild zurück."Was bräuchte ich dies? Gegen Falten, gegen Haarausfall, Bartwuchs. Schlankheitspillen, Vitamintabletten, Appetitanreger, Potenzmittel, Schönheitscreme, Schlaf- und Beruhigungsmittel, das entspricht nicht der Notwendigkeit, die ich verspüre. Fort damit..." Am Ende steht er wieder mit leeren Händen da. " Dies ist eine verrückte Welt, in der ich gelandet bin. Sie besitzen die technischen Möglichkeiten, um das Leiden der Menschen zu beenden und viele Krankheiten zu besiegen. Aber all dies geschieht nicht. Hat sich denn in der Zukunft gar nichts geändert?"

ENDE