Jagd nach Potenzmitteln attraktiver als Malaria
Wo lukrative Absatzmärkte fehlen, da fehlt auch das Forschungsinteresse. Die Pharmazeutische Industrie investiert nach eigenen Angaben jährlich 27 Milliarden US$ in die Forschung. Aber zum größten Teil dient sie der Jagd nach neuen Haarwuchsmitteln, Abspeckmitteln, Potenzmitteln, Medikamenten gegen Allergien oder hohen Blutdruck. Hier kann man kaufkräftige Zielgruppen ansprechen, hier sind Top-Absatzmärkte garantiert. Wen interessieren schon die Krankheiten der Armen? Wichtige Forschung findet auf diesem Feld kaum statt. Von 1556 neuen Wirkstoffen, die von 1975 bis 2004 entwickelt wurden, sind nur dreizehn zur Behandlung von Tropenkrankheiten geeignet. Die Produktion lebenswichtiger Arzneimittel wird nicht selten sogar gestoppt, wenn die Profite ausbleiben. So gab Aventis die Produktion von Eflornithine - eines lebenswichtigen Heilmittels gegen die in Afrika verbreitete tödliche Schlafkrankheit - als unrentabel auf. Das Medikament hatte sich für den eigentlich intendierten Zweck, die Behandlung von Krebs, als wirkungslos erwiesen. Interesse an der Ausgangschemikalie flammte erst wieder auf, als sich herausstellte, dass sich Eflornithine als Enthaarungscreme für Frauen eignen könnte.
Zum Weiterlesen:
Einen Hintergrund zu der Aktion zu vernachlässigten Krankheiten bietet der Pharma-Brief Spezial 2/2004 "Malaria-Krankheit der Armen" [PDF/ 496Kb]
Kurze prägnante Infos bieten die Faltblätter
Malaria - Tropenkrankheit mit deutscher Geschichte [PDF/ 568 kB]
Schlafkrankheit - Behandlung vor dem Aus? [PDF/ 251 kB]
Vernachlässigte Kranke - Keine Forschung für arme Menschen [PDF/ 197 kB]
Forschung, die den Menschen dient [PDF/ 163 kB]
Diese Faltblätter können Sie gegen Kostenerstattung auch bei uns bestellen (Einzelexemplare kostenlos).
Weitere Informationen:
Pharma-Brief Spezial 2/2000, S.12-16und Pharma-Brief 4/2001, S.5.
Ärzte ohne Grenzen startete mit weiteren Organisationen die Drugs for neglected diseases initiative (DNDi). Sie prangert ein "tödliches Ungleichgewicht" in der Pharmaforschung an und setzt sich für Forschung an unentbehrlichen Medikamenten gegen vernachlässigte Krankheiten ein.
Zum Konzept "Arzneimittel als öffentliches Gut" hat die Pharma-Kampagne eine enge Zusammenarbeit mit medico international begonnen.


