Antibiotikaresistenzen

Jährlich sterben hunderttausende Menschen weltweit an Krankheiten, die eigentlich mit Antibiotika behandelbar wären. Diese haben aber in den vergangenen Jahren an Wirkung verloren, da sich Resistenzen immer weiter ausbreiten. Was sind die Ursachen? Was wird dagegen unternommen? Wo versagen die bisherigen Aktionspläne? Welche Alternativen gibt es?

Wir gehen dem Thema auf den Grund.

Pharma-Brief Spezial

Antibiotika sind ein Segen für die Medizin. Ihre Entdeckung machte Infektionen behandelbar, die zuvor viel Leid und viele Todesfälle verursachten. Aber die Situation verändert sich dramatisch: Immer mehr Bakterien sind resistent gegen immer mehr antibiotische Wirkstoffe. Jährlich sterben weltweit zehntausende Menschen durch multiresistente Keime. Und die Resistenzen machen nicht vor Grenzen halt. Sie entstehen überall, und sie verbreiten sich überall hin. Das Resistenz-Problem muss deshalb genau so global gelöst werden wie seine Ursachen sind. Der Slogan "One Health" - eine Gesundheit - ist umfassend zu verstehen: globaler Norden und Süden, Humanmedizin und Tiermedizin, soziale Komponenten und technische Lösungen müssen berücksichtigt werden.

Download: Pharma-Brief Spezial: Antibiotika-Resistenzen [PDF/2,9kB]

Neuer E-Learning-Kurs: Antibiotika-Resistenzen vermeiden

Mit diesem E-Learning Kurs bietet die Pharma-Kampagne Bildungsmaterial zum Thema Antibiotika-Resistenzen. Das Thema ist nicht nur in der Humanmedizin relevant, sondern auch im Bereich Landwirtschaft und Nutztierhaltung, bei der ländlichen Entwicklung, beim Gewässerschutz, der Trinkwasserversorgung oder der Ernährungssicherheit.
Informative Texte, anschauliche Länderbeispiele und nützliche Links liefern einen umfassenden Überblick über die aktuelle globale Problemlage. Berücksichtigt werden dabei sämtliche Anwendungsbereiche und Errungenschaften, aber auch die verschiedensten Risiken, die mit dem Gebrauch von Antibiotika einhergehen. Ganz im Sinne des OneHealth-Ansatzes werden dabei neben der Humanmedizin auch die Veterinärmedizin, die Antibiotika-Produktion oder auch Umweltaspekte angesprochen.
Damit stellt das Tool eine gute Wissensbasis zur Verfügung, die für MitarbeiterInnen in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, d.h. in der praktischen Projektarbeit vor Ort, in der Projektplanung oder auch im Projektmanagement hilfreich sein können. Ein Zertifikat kann erworben werden. Zum Tool

Forderungskatalog:
Antibiotika-Resistenzen - Bisherige Programme reichen nicht aus

In den letzten Jahren wurden etliche Inititativen gestartet, die dem Problem der Antibiotika-Resistenzen mit konkreten Maßnahmen begegnen wollen. Dennoch decken die dort vorgeschlagenen Maßnahmen noch lange nicht alles ab, was notwendig wäre. Die Programme weisen in manchen Bereichen Lücken auf, oder wichtige Maßnahmen stehen zwar auf dem Papier werden aber nicht umgesetzt. Mit der Unterstützung von ExpertInnen aus Medizin, Pharmazie, Gesundheitswissenschaften sowie Entwicklungs- und Forschungspolitik hat die Pharma-Kampagne die Bereiche Arztpraxis, Krankenhaus, kommerzielle Tierhaltung, Multinationale Programme und Forschungslücken schließen kritisch unter die Lupe genommen und Handlungsempfehlungen erarbeitet. Download: Forderungskatalog [PDF/145kB]

22./23. Februar 2016:
Fachkonferenz: Antibtiotika-Resistenzen - Eine globale Herausforderun
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ExpertInnen aus Medizin, Tiermedizin, Pharmazie, Gesundheitsversorgung, Entwicklungspolitik und Forschung analysierten während der Tagung bestehende Aktionsprogramme, zeigten Lücken auf und entwickelten Handlungsempfehlungen. Zusammenfassung der Tagung


Ausgewählte Vorträge:

Tiermast und Nutztierhaltung -Dr. S. Löbert (Landwirtschaftskammer NRW)

Arzt-Patienten-Beziehung - Einsatz von Antibiotika  - Dr. J. Helfrich (DAK)

Antbiotika-Resistenzen im Krankenhaus  - Dr. G. Schwarzkopf-Steinhauser (Stabsst. Klinikhygiene, München)

Globale Programme & Globale Probleme - Dr. P. Schmitz (Institut für Hygiene und Public Health):

Resistenz ab Werk - Antibiotikaproduktion in Indien und China in der Kritik
Schon der Herstellungsprozess von Antibiotika kann die Bildung von Resistenzen fördern, wenn die Abwässer nicht richtig behandelt werden. Ein neuer Bericht zeigt, dass das in wichtigen Herstellungsländern ein gravierendes Problem ist. Die Produkte erreichen auch den europäischen Markt. Zum Artikel.

Antibiotika-Resistenzen in Deutschlands Kliniken  - Was muss sich alles ändern?
Auch wenn die Zahlen von Infektionen mit MRSA in den letzten Jahren rückläufig sind, viele andere multiresistente Erreger befinden sich auch in deutschen Kliniken weiterhin auf dem Vormarsch. Dr. Gerhard Schwarzkopf-Steinhauser erläutert die Situation und was zu tun ist. Zum Interview

Was passiert in Deutschlands Arztpraxen?
Das Engagement gegen Antibiotika-Resistenzen erfordert viele verschiedene Maßnahmen. Dr. Jan Helfrich von der DAK-Gesundheit zeigt auf, worauf ÄrztInnen bei der Verschreibung von Antibiotika achten sollten. Zum Interview.

Antibiotika in der Landwirtschaft - Was läuft schief mit der Tiergesundheit?
Die globale Ausbreitung von Resistenzen gegen Antibiotika zeigt, wie eng die Gesundheit von Mensch und Tier zusammenhängt. Die WHO spricht deshalb von One Health. Stig Tanzmann (Landwirtschaftsexperte) spricht über die Zusammenhänge. Zum Interview

Globale Programme sind wichtig
Dr. Anna Zorzet und Dr. Jasper Littmann vom Netzwerk ReAct erläutern, was global gegen das Problem Antibiotika-Resistenzen unternommen wird. Interview lesen

Bei den Kleinsten fängt es an
Kinder bekommen oft Antibiotika. Resistenzen gegen Standardmedikamente sind bei ihnen weit verbreitet und in ärmeren Ländern am häufigsten. Mehrere Faktoren tragen zu dieser Entwicklung bei. Pharma-Brief 3/2016

Antibiotika-Resistenzen: Folgen eines sorglosen Einsatzes - ein Blick in den globalen Süden
In den 1980er Jahren wurden Antibiotika-haltige Präparate zum Beispiel gegen Durchfall vermarktet. Pharma-Brief Spezial zu G7 - 1/2015

Antibiotika-Resistenz: Globale Unwissenheit
Umfrage der WHO bestätigt, dass großer Aufklärungsbedarf über den richtigen Umgang mit Antibiotika besteht. Pharma-Brief 10/2015

Der starke Staat - Forschung fördern, aber mit Bedingungen
Der Staat ist kein mehr oder weniger schwacher Regulator in einem neoliberalen Wirtschaftssystem, sondern ein unverzichtbarer Motor für Innovation. Deshalb sollte er auch deutliche Ansprüche an die Unternehmen formulieren. Pharma-Brief 08/2014

Neue Sterne am Horizont - EU-Forschungsförderung
Öffentliche Forschungsförderung spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheitsversorgung. Die Pharma-Kampagne hat sich deshalb dafür eingesetzt, die soziale Lizenzierung in der Forschungspolitik zu verankern. Pharma-Brief 05/2014

Wichtige Chance vertan - WHO Pilotprojekte für Forschung bieten wenig Neues
WHO will neue Wege der Forschungsförderung testen, die ausgewählten Modelle sind jedoch konventionell - dabei standen etliche Vorschläge zur Auswahl, die wirklch Neuland betreten hätten.
Pharma-Brief 01/2014

Andere Quellen

Aktionspläne
Der 2015 herausgegebene Aktionsplan „Global Action Plan On Antimicrobial Resistance“  der WHO skizziert die Herausforderungen und Lösungsvorschläge zur Bekämpfung von antimikrobiellen Resistenzen.
apps.who.int/iris/bitstream/10665/193736/1/9789241509763_eng.pdf?ua=1

GARD ist die Abkürzung für “Global Antibiotic Research and Development” und ein Kooperations-Projekt der WHO und DNDi (Drugs for Neglected Diseases Initiative). Das Projekt konzentriert sich auf alternative Forschungsmodelle zur Entwicklung neuer antibiotischer Wirkstoffe. www.dndi.org/wp-content/uploads/2016/03/Global_Antibiotic_RD_Facility_Concept_Note.pdf

DART 2020 (Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie) ist das von der deutschen Bundesregierung erarbeitete Programm zur Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen. Anhand von sechs übergreifenden Zielen werden bisher Erreichtes, Herausforderungen sowie konkrete Implikationen für die Bereiche Human- und Veterinärmedizin dargestellt. www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Publikationen/Ministerium/Broschueren/BMG_DART_2020_Bericht_dt.pdf

Antibiotika-Resistenzen in Deutschland
Diese von der Charité Berlin im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen erarbeitete Studie gibt einen umfassenden Überblick über die Problematik von Antibiotika-Resistenzen. Vorgestellt werden Handlungsempfehlungen und Beispiele der Guten Praxis. www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/themen_az/agrar/Studie-Antibiotika-und-Resistenzen.pdf

Die Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) ist ein Instrument zur Datensammlung und -darstellung antimikrobiellen Resistenzen in deutschen Krankenhäusern. Der Artikel gibt einen Überblick über die aktuelle Lage, beschreibt den Aufbau des Surveillance-Systems und stellt konkrete Daten übersichtlich dar. www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/ThemenAZ/T/Art_03.pdf?__blob=publicationFile

Antibiotika und Nutztierhaltung
Dieser Artikel des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) beschäftigt sich mit Antibiotika-Resistenzen in Nutztierbeständen und Lebensmitteln sowie ihrer Bedeutung für die Humanmedizin. www.bfr.bund.de/cm/343/antibiotikaresistenz-in-nutztierbestaenden-und-lebensmitteln-ihr-bedeutung-fuer-die-humanmedizin-und-handlungsoptionen-fuer-das-risikomanagement.pdf

Antibiotika-Resistenzen breiten sich zunehmend auch in der Landwirtschaft und der Umwelt aus. Der Artikel beschreibt umfassend die Folgen und zeigt Maßnahmen, um das Problem in den Griff zu bekommen. amr-review.org/sites/default/files/Antimicrobials%20in%20agriculture%20and%20the%20environment%20-%20Reducing%20unnecessary%20use%20and
%20waste.pdf

Forschungspolitik
Schon lange hat kein neues Antibiotikum die Marktzulassung erreicht. Das Chatham House ist ein privater weltweit führender britischer Think Tank, der sich intensiv mit alternativen Forschungsmodelle beschäftigt, der die Antibiotikum-Entwicklung ankurbeln könnte. www.chathamhouse.org/sites/files/chathamhouse/public/Research/Global%20Health/0214SustainableAntibiotics.pdf

Der "Keimatlas"
Die Verbreitung von Keimen in Europa ist von Land zu Land durchaus sehr unterschiedlich. Auf Grundlage von Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt die gemeinnützige Organisation CORRECT!V einen interaktiven Atlas für 30 europäische Länder vor.  Karten sind zu verschiedener Erregern wie etwa Colibakterien, Klebsellien, Streptokokken einsehbar.