Pharma-Kampagne aktuell

26.01.2010 - Aktuelles

Debatten unerwünscht


Eine ExpertInnenarbeitsgruppe (Expert Working Group) der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die eine neue Forschungspolitik für vernachlässigte Krankheiten erarbeiten soll, steht weiterhin in der Kritik. Wie der Pharma-Brief 10/2009 berichtete, ist die Arbeitsgruppe nicht nur dem massiven Einfluss der Pharmaindustrie ausgesetzt, sondern es mangelt auch an der Bereitschaft, neue Wege für die  Förderung der Forschung zu suchen.

Dies macht ein offener Brief der kolombianischen Regierungsvertreterin Cecilia Lopez Montano deutlich, die Mitglied der ExpertInnenarbeitsgruppe und Sprecherin für die Belange der Entwicklungsländer ist. Sie forderte die Mitglieder des Exekutivrates (Executive Board) der WHO, die die Weltgesundheitsversammlung vorbereitet, auf, den Bericht der EWG nicht zu genehmigen. Vor allem bemängelte sie eine fehlende Diskussionsbereitschaft und Transparenz im gesamten Prozess der Erstellung eines Abschlussberichtes. So seien die Informationen der WHO äußerst mangelhaft gewesen und Dokumente erst kurz vor den Arbeitstreffen verschickt worden. Dies habe eine tiefgehende Analyse unmöglich gemacht. Zudem sei die Auswahl der Diskussionspunkte intransparent gewesen. Unter den Tisch fiel vor allem die Diskussion zur Rolle der Patente / geistiger Eigentumsrechte, ohne dass es eine angemessene Begründung für den Ausschluss des Themas gegeben hätte. (Der offene Brief ist bei der US-amerikanischen Organisation Knowledge Ecology International nachzulesen. ) Dieser Kritik schließen sich auch die Regierungen von Thailand, Brasilien, Indien und andere an und fordern stattdessen eine informelle open-end Konsultation, die bis zum Start der Weltgesundheitsversammlung geführt werden soll.

Auch andere Anreizsysteme für die Förderung der Forschung für vernachlässigte Krankheiten wurden nicht angemessen diskutiert. Gerade die Ergebnisse der eigenen Strategie der WHO, der sogenannten Global Strategy and Plan of Action on Public Health, Innovation and Intellectual Property (GSPA) seien im Abschlussbericht nicht angemessen reflektiert worden, monieren neben RegierungsvertreterInnen aus Bangladesh u.a. Ländern auch international tätige gesundheitspolitische Organisationen wie Health Action Internation (HAI) Hier den offenen Brief von HAI lesen [PDF]. Aber auch die fehlende Debatte um die Entkoppelung von Entwicklungs- und Forschungskosten vom Preis des Arzneimittels wurde von vielen Organisationen und RegierungsvertreterInnen kritisiert.