Pharma-Kampagne aktuell

04.09.2009 - Aktuelles

Indien lehnt Patent auf Tenofovir ab


Indien hat den Patentantrag des Pharmaherstellers Gilead auf das unentbehrliche Aids-Medikament Tenofovir abgelehnt. Tenofovir wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Aids-Mittel der ersten Wahl empfohlen und soll ältere nebenwirkungsreichere Medikamente ersetzen. Das Aktionsbündnis gegen AIDS - Dr. Christiane Fischer von der BUKO Pharma-Kampagne sitzt hier im SprecherInnenkreis - hatte Gilead schon vor längerer Zeit aufgefordert, seinen Patentantrag in Indien zurückzuziehen.
Die indische Regierung stützt ihre Entscheidung auf den Paragraphen 3(d) des indischen Patentgesetzes. So kann ein Patentantrag abgelehnt werden, wenn es sich bei dem Arzneimittel um keine wirkliche Neuerung handelt. Der Wirkstoff Tenofovir wurde bereits 1986 von der Akademie der Wissenschaften in der ehemaligen Tschecheslowakei entwickelt und zum Patent angemeldet. Gilead hatte später die Darreichungsform von Tenofovir nur geringfügig geändert, indem sie eine Salz-Verbindung der Substanz (Disoproxil Fumarat)  entwickelte und 1998 dafür einen neuen Patentantrag stellte. Christiane Fischer von der BUKO Pharma-Kampagne: "Gemeinsam mit anderen internationalen Organisationen wurde die indische Regierung bestärkt, von dem 3d-Paragraphen nicht abzuweichen".
Ein Etappensieg auf dem Weg der kostengünstigen Versorgung AIDS-kranker Menschen mit unentbehrlichen Arzneimitteln.

Lesen Sie hierzu auch die Pressemitteilung des Aktionsbündnisses gegen AIDS.

Viele ausführliche Hintergrundinformationen finden Sie auch in unserem neuen Pharma-Brief Spezial 2/09: "AIDS - Normalisierung im Norden - Tragödie im Süden?"