Pharma-Kampagne aktuell

18.06.2009 - Aktuelles

Freier Transit von Medikamenten für Entwicklungsländer


Eine Ladung des lebensrettenden Antibiotikums Amoxicillin wurde am 5.Mai 2009 am Frankfurter Flughafen vom Zoll beschlagnahmt. Das Medikament aus indischer Produktion war für die Republik Vanuatu (Pazifik) bestimmt und auf dem Transit durch Frankfurt. Der Zoll reagierte auf das Drängen des Pharmaherstellers GlaxoSmithKline, der das Marken-Antibiotikum Amoxil produziert und sich in seinen Patentrechten verletzt sah. Erst nach einer mehrwöchigen Verzögerung wurde die Ladung jetzt freigegeben. Der Name Amoxicillin ist lediglich ein internationaler Freiname, den auch viele deutsche Generikahersteller für die Bezeichnung ihrer Medikamente verwenden.

Mehrere entwicklungspolitische Organisationen verurteilen diese Maßnahme und fordern eine vollständige Aufklärung der Hintergründe. Die BUKO Pharma-Kampagne, medico international und Oxfam Deutschland fordern die Europäische Kommission dazu auf, sicherzustellen, dass die zeitnahe Versorgung von Entwicklungsländern mit Medikamenten nicht durch EU-Verordnungen blockiert wird... Hier geht es zur Pressemitteilung.

In einem Offenen Brief an das Frankfurter Hauptzollamt protestiert das Bündnis gegen die Vorgehensweise am Frankfurter Flughafen und bietet überdies den Zoll-MitarbeiterInnen ein Informations-Seminar an, bei dem Fragen und Informationen im Hinblick auf Marken- und Patentrecht erörtert werden können.

Überdies ist dies nicht der erste Fall. Denn schon im Frühjahr 2009 wurdem im Hafen von Rotterdam (NL) ebenfalls Medikamentenlieferungen beschlagnahmt. Lesen Sie hierzu einen ausführlichen Artikel, der die Hintergründe und Folgen derartiger Praktiken - insbesondere für die medizinische Versorgung von Menschen in Entwicklungsländern - erläutert: Pharma-Brief 2/2009: Piraten unterwegs - Zoll beschlagnahmt unentbehrliche Medikamente.