Pharma-Kampagne aktuell

24.10.2008 - Aktuelles

EU-Kommissar Verheugen vorläufig gestoppt


Eigentlich sollte es ein Erfolg werden, doch EU-Kommissar Verheugen ist mit seinem Plan, der Pharmaindustrie mehr Werbung zu erlauben , vorerst gescheitert. Arzneimittelherstellern sollte es in Zukunft gestattet werden, sich mit „Informationen“ über rezeptpflichtige Medikamente direkt an die VerbraucherInnen zu richten. Ursprünglich stand dieser Tagesordnungspunkt am vergangenen Dienstag auf der Agenda des Treffens der EU-Kommissare. Doch wurde das Thema im Vorfeld der Vorbereitungen so kontrovers diskutiert, dass dieser Tagesordnungspunkt gestrichen wurde. Dies ist auch ein Erfolg der BUKO Pharma-Kampagne und ihrer MitstreiterInnen in Deutschland und Europa. (Lesen Sie hierzu auch einen Brief der BUKO Pharma-Kampagne an die Kabinettschefs der EU-Kommissare vom 14.10.2008)

Insbesondere das Kommissariat für Gesundheit und Verbraucherschutz (DG Sanco) will Nachbesserungen. EU-Kommissarin Vassiliou lehnt die Verbreitung von Informationen in Printmedien, sowie Radio und Fernsehen ab. Darüber hält sie sogenannte Ex-post-Kontrollen (d.h. Kontrollen der Informationen nach deren Publikation) für unwirksam und fordert, dass Werbungen durch die Behörden vorab genehmigt werden müssen. Dies sind wichtige Fortschritte, die in unseren Augen aber nicht ausreichen. Denn:

-         Das grundsätzliche Problem des Interessenskonfliktes wird nicht hinterfragt. Arzneimittelhersteller haben ein Interesse am Absatz ihrer Produkte und können deshalb nicht neutral informieren.

-         Vergleiche zwischen verschiedenen Arzneimitteln sollen weiterhin verboten bleiben, obwohl dies gerade für eine informierte Entscheidung für oder gegen ein Arzneimittel notwendig ist

-         Wozu soll der Aufbau einer kosten- und personalintensiven Ex-ante-Kontrolle dienen? Das Geld wäre in der dringend notwendigen Förderung unabhängiger Arzneimittelinformation wesentlich besser angelegt.  

Lesen Sie mehr dazu im Pharma-Brief 9/2008, der in Kürze erscheint.