Pharma-Kampagne aktuell

09.05.2016 - Aktuelles

Kolumbien will Zwangslizenz für Krebsmedikament


 

Foto: Luz A Villa, cc

Das kolumbianische Gesundheitsministerium will für das Krebsmedikament Imatinib (Glivec®) eine Zwangslizenz erteilen, um den Preis des wichtigen Leukämiemedikamentes (siehe Meldung unten vom 9.5.). 2013 wurde dem Hersteller Novartis in Indien das Patent verwehrt. (Der Pharma-Brief berichtete).

Die Schweiz hatte die kolumbianische Regierung nachdrücklich vor der Erteilung einer Zwangslizenz gewarnt und das Land unter politischen Druck gesetzt (wir berichteten, S.8). Dagegen hatten kritische Gruppen aus sechs Ländern, darunter die Pharma-Kampagne, in einem offenen Brief protestiert

Offensichtlich hat sich aber der Fachausschuss des kolumbianischen Gesundheitsministerium dem Druck nicht gebeugt und die Empfehlung einer Zwangslizenz ausgesprochen. Nun muss nun nur noch das Ministerium zustimmen. Durch eine Zwangslizenz kann das Krebsmedikament dann erheblich günstiger hergestellt werden. Zur Zeit kostet es noch 15.000 US$ und ist damit fast doppelt so teuer wie das Bruttosozialprodukt pro Kopf.

Die Pharma-Kampagne begrüßt diese Entscheidung. "Die Erteilung einer Zwangslizenz ist ein wichtiges politisches Signal. Die Erteilung von Zwangslizenzen sind legal und sind als Schutzklauseln im TRIPS-Abkommen der Welthandelsorganisation (WTO)  festgeschrieben. Mit der Erteilung einer Zwangslizenz ermöglicht die kolumbianische Regierung ihren BürgerInnen den Zugang zu einem wichtigen Krebsmedikament, zu denen die meisten Menschen ansonsten aufgrund des hohen Preises keinen Zugang hätten."