Pharma-Kampagne aktuell

28.09.2015 - Aktuelles

Aus für unabhängige Patientenberatung


Noch bis Ende Dezember 2015 können sich Patientinnen und Patienten bei der „Unabhängigen Patientenberatung Deutschland“ (UPD) in 21 regionalen Beratungsstellen und per Telefon neutral über Medikamente, Kassenleistungen und Behandlungen informieren. Dann ist endgültig Schluss.
 
Denn ab 2016 wird der kommerzielle Dienstleister Sanvartis GmbH die Patientenberatung nach Paragraph 65b SGB V übernehmen. Sanvartis arbeitet vor allem als Callcenter für Krankenkassen, Pharmaunternehmen und Kliniken. Patientenverbände und Fachorganisationen äußerten sich besorgt über den offensichtlichen Interessenkonflikt. An der Neutralität bestehen erhebliche Zweifel, denn laut Eigendarstellung von Sanvartis „…erhält jeder Anrufer genau das optimal für ihn passende Angebot. So zielgerichtet und individuell, dass Ihr Kunde es nicht als ‚ungefragte Werbung‘ auffasst, sondern als ‚guten Tipp‘, der ihn begeistert.“
 
Die bisherigen gemeinnützigen Gesellschafter der unabhängigen Patientenberatung hatten im Vorfeld die Vergabekammer des Bundes eingeschaltet. Diese hält die Vergabe aber für korrekt. Auch der Patientenbeauftrage des Bundes Josef Laumann (CDU) hält die Entscheidung für richtig. Zahlreiche Proteste großer Verbände und eine Online-Petition bei change.org mit 21.433 UnterstützerInnen (Stand 28.9.20159) ließen den Patientenbeauftragten kalt. "Er muss daher die Verantwortung für die Entscheidung und die Entwicklung übernehmen. Er ist für viele Patienten und Patienten-Organisationen nicht mehr die Vertrauensperson, die seine Vorgängerin und Vorgänger waren," so Gregor Bornes, Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft der Patientenstellen in Deutschland.