Pharma-Kampagne aktuell

17.09.2015 - Aktuelles

Daten verschweigen kann tödlich sein


Foto: Marcus Tieschky, cc

Der Fall des Antidepressivums Paroxetine

2001 wurden die Ergebnisse der von Glaxo Smith Kline (GSK) gesponserten Studie 329 zum Antidepressivum Paroxetin veröffentlicht.  Der Hersteller warb daraufhin mit der „bemerkenswerten Wirksamkeit und Sicherheit“ bei Jugendlichen.[i] Hauptautor der Veröffentlichung  war Prof. Martin Keller von der Brown University (USA). Tatsächlich hatte das Manuskript ein von der Firma bezahlter Ghostwriter verfasst, der die Ergebnisse der Studie 329 falsch wiedergab.

Allerdings war das Medikament gar nicht zur Behandlung von Jugendlichen zugelassen und die Firma musste später für die Bewerbung bei dieser Altersgruppe (und weitere Vergehen) in den USA drei Milliarden US-Dollar Strafe zahlen. Die im Rahmen des Gerichtsverfahrens gegen GSK öffentlich gewordenen Studiendaten wurden von unabhängigen WissenschaftlerInnen erneut ausgewertet. Seit gestern liegen die Ergebnisse vor: Paroxetin wirkt nicht besser als ein Placebo. Zudem begingen elf PatientInnen Suizidversuche oder verletzten sich selbst, unter Placebo waren es zwei.[ii]

Bis heute wurde weder die irreführende Studienveröffentlichung zurückgezogen, noch zog die Universität, bei der Keller angestellt ist, irgendwelche Konsequenzen.

Weitere Informationen unter http://study329.org

[i]Doshi P (2015) No correction, no retraction, no apology, no comment: paroxetine trial reanalysis raises questions about institutional responsibility. BMJ; 351, p h4629

[ii]Le Noury et al. (2015) Restoring Study 329: efficacy and harms of paroxetine and imipramine in treatment of major depression in adolescence. BMJ; 351, p h4320 www.bmj.com/cgi/doi/10.1136/bmj.h4320