Pharma-Kampagne aktuell

10.08.2015 - Aktuelles

Metamizol revisited


Führende Industrieländer hatten in den 1970er Jahren Metamizol wegen der Auslösung von Agranulozytosen bei etwa einem von 3.000 AnwenderInnen verboten. Rund zehn Jahre später wurdne in Deutschland drastische Anwendungsbeschränkungen für Metamizol verfügt. Jetzt wird mit einer Berliner Fallkontrollstudie erneut versucht, die Risiken kleinzureden.

Weil mit der neuen studie alte Fehler wiederholt werden, ist ein Blick in die Geschichte lehrreich. Im Sepütember 1981 führte das zuständige Bundesgesundheitsamt (BGA) eine erste öffentliche Anhörung zur Sicherheit von Metamizol durch, weil das umsatzstarke Analgetikum in der Bundesrepublik zur eineingeschränkten Anwendung bei sChmerzen und Beschwerden auch in der Selbstmedikation rezeptfrei verfügbar war. Zuvaor hatte die Behörde bei Herstellern und bei der ärzteschaft (AKdÄ) Daten zum jährlichen Verbrauch von metamizol und zu den jährlichen meldungen von unerwünschten Wirkungen (UAW) abgefragt und ausgewertet. Die Behörde errechnete aus diesen Daten der Spontanerfassung, dass bei einem von 20.000 Metamizol-AnwenderInnen innerhalb eines Jahres das auftreten einer Metamizol-induzierten Agranuzlozytose (MIA) zu erwarten ist. Zum Pharma-Brief-Artikel

Der Wirkstoff Metamizol

1922 brachte die Firma Hoechst (heute Sanofi Aventis) den Schmerzwirkstoff Metamizol (Novalgin® u.a.) auf den Markt. Wegen seiner Risiken wurde er in den 1980er Jahren in vielen Ländern verboten oder die Anwendung stark beschränkt. In Entwicklungsländern gehört Metamizol aber zu den häufig genutzten Medikamenten und ist oft sogar ohne Rezept erhältlich.

Novalgina® in verschiedenen
Darreichungsformen

Blutbildungsstörungen und allergische Reaktionen sind die wichtigsten Gefahren von Metamizol. Der Wirkstoff kann eine Agranulozytose auslösen. Dabei nimmt die Zahl der weißen Blutkörperchen (Granulozyten) stark ab. Diese sind für die Krankheitsabwehr extrem wichtig. Unbehandelt sterben rund die Hälfte der PatientInnen, und selbst unter intensivmedizinischer Betreuung liegt die Sterblichkeit bei rund 20%. Wahrscheinlich erleidet eineR von 1.000 bis 3.000 PatientInnen die Metamizol einnehmen, eine Agranulozytose. Andere schwere Nebenwirkungen sind starker Blutdruckabfall, anaphylaktischer Schock und weitere immunallergische Reaktionen.
In Großbritannien kam Metamizol nie auf den Markt. In vielen anderen Ländern wurde das Mittel wegen seiner Risiken verboten. In Europa sind das: Dänemark, Schweden, Norwegen und Irland. International ist Metamizol in Australien, den USA, Malaysia, Ghana, Nepal, Nigeria, Pakistan, die Philippinen, Venezuela und weiteren Ländern nicht erlaubt.

Ausführliche Hintergrundinformationen: 90 Jahre und kein Ende (aus: Pharma Brief Spezial / Schmerz)

In Deutschland verboten - Kombinationspräparate mit Metamizol

Seit 1987 sind metamizol-haltige Kombinationspräparate in Deutschland verboten. Das Bundesgesundheitsamt (BGA) begründete seine Entscheidung damit, dass in Kombinationspräparaten die bekannten Risiken des Metamizols erhöht werden können, ohne dass ein entsprechender zusätzlicher Nutzen des Kombinationspräparates als gesichert angesehen werden kann. [1] 1990 bestätigte das BGA seine Entscheidung. [2]

Seit 25 Jahren sind somit keine metamizol-haltigen Kombinationspräparate mehr auf dem deutschen Markt. Das hinderte die deutschen pharmazeutischen Hersteller aber nicht, ihre Produkte weiterhin in Entwicklungsländern zu verkaufen. Mehr auf unserer Webseite