Pharma-Kampagne aktuell

16.04.2015 - Aktuelles

Wohlergehen von Aktionären wichtiger als die Gesundheit von PatientInnen


 Gemeinsamer Bundesausschuss

Foto: Jörg Schaaber

 

Heute sollte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) über den Zusatznutzen von Alipogentiparvovec (Glybera®), einem Arzneimittel zur Behandlung der seltenen Stoffwechselerkrankung Lipoproteinlipasedefizienz, entscheiden. Erst am 14.4., also zwei Tage vor der Entscheidung, wurde dem G-BA bekannt, dass der zuständige Rapporteur bei der europäischen Zulassungsbehörde EMA das Medikament für unwirksam hält und deshalb den Widerruf der Zulassung empfiehlt.

Bei Glybera® handelt es sich um ein sogenanntes Waisenmedikament (Medikament gegen seltene Erkrankungen). Aufgrund einer gesetzlichen Regelung gilt der Zusatznutzen bis zum Erreichen einer Umsatzgrenze von 50 Millionen Euro durch die Zulassung als belegt.Deshalb müsste der G-BA trotz erheblicher Zweifel mindestens einen "nicht quantifizerbaren Zusatznutzen" bescheinigen. Dazu kam es heute aber nicht. Die Entscheidung wurde vertagt, auch wenn damit die gesetzliche Frist überschritten wird. Der Hersteller wurde aufgefordert binnen weniger Tage die Unterlagen nachzureichen, die er nur der EMA, nicht aber dem G-BA gegeben hatte.

Pharma-Kampagne Mitarbeiter Jörg Schaaber, der auch ein Patientenvertreter im G-BA ist, sagt dazu: "Dem Hersteller ist das Wohlergehen der Aktionäre offensichtlich wichtiger als die Gesundheit der PatientInnen. Außerdem macht der Vorgang die Absurdität einer gesetzlichen Regelung deutlich, die dem G-BA die Bescheinigung eines Zusatznutzens vorschreibt, auch wenn dafür die wissenschaftliche Basis fehlt."

Die Jahrestherapiekosten von Glybera® betragen pro PatientIn rund 1,3 Millionen Euro.

Der Gemeinsame Bundesausschuss entscheidet über die Erstattungsbedingungen von Arzneimitteln für die gesetzlichen Krankenkassen. Pressemitteilung des G-BA: Verfahren zur Nutzenbewertung von Glybera® (Wirkstoff: Alipogentiparvovec) wegen einer erneuten Befassung der EMA mit dem Wirkstoff vorläufig ausgesetzt

Der Bericht des Herstellers vom 9.4.2015 an die US-Börsenaufsicht