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13.03.2015 - Aktuelles

Süße Verstrickungen


©2015 by British Medical Journal Publishing Group

Zwei wichtige staatliche Einrichtungen zur Ernährungsforschung stehen in Großbritannien unter Korruptionsverdacht.  Die Nutrition Research Unit (HNR) des Medical Research Council sowie das Scientific Advisory Committee on Nutrition (SACN).

Das HNR ließ zahlreiche Forschungsprojekte durch dieIndustrie fördern. Zu den Sponsoren gehören Nestlé ebenso wie Coca Cola, PepsiCo, Weight Watchers oder der Pharmakonzern Sanofi, der zu seinem Schlankmacher Rimonabant forschen ließ, welcher später wegen unvertretbarer Risiken vom Markt genommenen wurde. In den meisten Studien ging es aber um die schädlichen Wirkungen von zu viel Zucker, insbesondere um die steigende Rate Übergewichtiger. Die ForscherInnen betonen zwar, dass sie bei der Durchführung der Studien freie Hand gehabt hätten und auch das Recht, sämtliche Studienergebnisse ohne Einschränkung zu publizieren.

Doch Zweifel sind angebracht: Ein systematischer Vergleich ergab, dass industriegesponserte Studien zu zuckerhaltigen Getränken fünf Mal so oft einen Zusammenhang zwischen den süßen Drinks und Übergewicht verneinten wie unabhängige Studien. Zahlreiche vom HNR beauftragte ForscherInnen kassierten außerdem Beratungsgelder von den Firmen. Ebenfalls in der Kritik steht das 2001 gegründete Scientific Advisory Committee on Nutrition (SACN). Es berät das britische Gesundheitsministerium und hat gerade seine neusten Empfehlungen zu Kohlehydraten in der Ernährung herausgegeben. Fünf Mitglieder der SACN-Arbeitsgruppe hatten massive Interessenkonflikte, denn sie erhielten gleichzeitig Beraterhonorare von Firmen wie Coca-Cola oder Mars. Die Vorsitzende Ann Prentice ist zugleich Direktorin des HNR, das zahlreiche Forschungszuschüsse der Industrie kassiert. Von den 40 ForscherInnen, die für die Einrichtungen arbeiten, hatten nur 13 keine Interessenkonflikte.

Das British Medical Journal (BMJ) machte die engen Verflechtungen zwischen WissenschaftlerInnen, Institutionen und Industrie in einer Infografik mit dem Titel „Sugar´s web of influence“ sichtbar. David Stuckler,  Professor für Ökonomie und Soziologie an der Universität Oxford: „Die Agenda verändern und Wissenschaft zu beeinflussen sind die beiden Taktiken, die im Spiel sind.“

Weitere Themen im Pharma-Brief 2/2015 - Indien unter Druck - USA sehen ihre Handelsinteressen bedroht oder Neuer EU-Gesetzesvorschlag zu Geschäftsgeheimnissen
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