Pharma-Kampagne aktuell

05.03.2013 - Aktuelles

Bayer prozessiert gegen indische Zwangslizenz


Am Montag, den 5. März 2013 lehnte das indische Intellectual Property Appelate Board (IPAB) einen Widerspruch des deutschen Pharmakonzern Bayer gegen die Erteilung einer Zwangslizenz auf das Krebsmittel Sorafenib (Nexavar®) ab. Das ist ein wichtiger Schritt um den Zugang zu lebenswichtigen Arzneimitteln für arme Menschen zu sichern.

Die Vorgeschichte:

Im Jahr 2007 erhielt Bayer eine Zulassung in Indien für sein Krebsmittel Sorafenib. Allerdings war der Preis, den Bayer für sein Markenprodukt Nexavar® verlangte - 65.000 US$ pro Jahr - für die meisten InderInnen unbezahlbar. Dabei hatte Bayer nicht einmal einen ernsthaften Versuch gemacht, die Versorgung der PatientInnen sicherzustellen. Im Jahr 2008 importierte Bayer keine einzige Packung, 2009 und 2010 nur geringe Mengen ihres Krebsmittels.

Um den Zugang zu diesem Krebsmittel auch für arme Menschen zu ermöglichen, erteilte das indische Patent Office im Jahr 2012 eine Zwangslizenz auf dieses Produkt. Die indische Pharmafirma Natco produziert das Medikament und konnte es um rund 97% billiger anbieten.

Zum Nachlesen: Pharma-Brief 2/2012 - Weltapotheke gesichert - Indien zeigt Bayer die Zähne

Und jetzt?

Ob der Prozess damit abgeschlossen ist bleibt fraglich. Denn sowohl Natco als auch Bayer könnten gegen die Entscheidung erneut klagen. Natco muss an Bayer in Zukunft eine höhere Lizenzgebühr zahlen - von ehemals 6% des Fabrikabgabepreises nun 7%. 

Bayer hat bereits bestätigt, sich nicht mit diesem Urteil abzufinden. Die Firma plant als nächsten Schritt beim Obersten Gericht in Mumbai zu klagen.

Auch wenn das Mittel keine sensationelle Wirkung bringt - einzig bei Leberkrebs verlängert er das Überleben um 12 Wochen - ist die damalige Entscheidung des Indian Patent Office sowie die Bestätigung jetzt durch das Intellectual Property Appelate Board von grundlegender Bedeutung: Sie öffnet die Tür für Entscheidungen zu weit wichtigeren Medikamenten. Und als Apotheke der Armen ist Indien derzeit unverzichtbar. Sie stammt der allergrößte Anteil der in Afrika eingesetzten AIDS-Medikamente vom indischen Subkontinent.