Pharma-Kampagne aktuell

15.03.2010 - Aktuelles

Darf die Pharmaindustrie direkt an die VerbraucherInnen ran?


Der neu gewählte EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz John Dalli sicherte im vergangenen Monat zu, den Gesetzesvorschlag zu PatientInneninformation noch einmal kritisch zu hinterfragen. 29 europäische und nationale Organisationen fordern den Kommissar auf, den Gesetzentwurf komplett umzuschreiben, damit er den Interessen der VerbraucherInnen an guter Gesundheitsinformation gerecht wird. Mitunterzeichner sind HAI, bei dem die Pharma-Kampagne Mitglied ist und ISDB, deren Präsidenten die Pharma-Kampagne derzeit stellt.

Der Gesetzesvorschlag war im Dezember 2008 unter der Führung des Generaldirektorates Unternehmen und Industrie in den parlamentarischen Prozess gebracht worden und würde es der Pharmaindustrie erlauben, direkt mit VerbraucherInnen über Gesundheit, Krankheit und rezeptpflichtige Arzneimittel zu kommunizieren. Basis des Gesetzesvorschlag war ein im Juni 2007 veröffentlichter Bericht, der eine "Bestandsaufnahme" der Quellen für PatientInneninformation zu Gesundheit beinhalten sollte. Jedoch war der Bericht so einseitig, dass Zweifel an der aufrichtigen Bereitschaft der EU-Kommission, die kritischen Punkte zu diskutieren, angebracht erscheinen. (). In öffentlichen Konsultationen äußerten sich dementsprechend eine große Anzahl von EinwenderInnen kritisch, wobei besonders hervorgehoben wurde, dass die Pharmaindustrie wegen ihrer kommerziellen Interessen nicht als eine verlässliche Quelle von unabhängiger Information angesehen werden kann. Auch der

Sollten  sich die Mitglieder des Europäischen Parlamentes mit einem solchen Gesetzesvorschlag beschäftigen?
Nein, denn der vorliegende Text befriedigt nicht die Bedürfnisse der europäischen BürgerInnen nach unabhängiger, vergleichender und ausgewogener Gesundheitsinformation.

Hier sind fünf konkrete Vorschläge, wie Gesundheitsinformationen im Sinne der VerbraucherInnen verbessert werden können

  • Verbesserung des Beipackzettels (z.B. auf Leserlichkeit und Verständlichkeit )
  • Verbesserung der Arzt-PatientInnen-Kommunikation. Die Information der PatientInnen und das Eingehen auf die Bedürfnisse des Einzelnen bedarf eines vertrauensvollen Dialoges. Dies ist die Kernaufgabe von Angehörigen des Gesundheitsdienstes.
  • Stärkung der nationalen Behörden, damit sie aktiver und transparenter Gesundheitsinformationen zur Verfügung stellen. Dies beinhaltet auch den öffentlichen Zugang zu Daten zur Wirksamkeit und Nutzen von Arzneimitteln und anderen Gesundheitsprodukten und zwar vor und nach der Zulassung der Produkte für den Arzneimittelmarkt. 
  • Entwicklung, Vernetzung und Stärkung bereits existierender Quellen unabhängiger Gesundheitsinformationen
  • stärkere Kontrolle von Verstößen gegen das Heilmittelwerbegesetz sowie eine schärfere Ahndung von Verstößen.

Die Pressemitteilung in englischer Sprache wird von 29 Organisationen getragen - darunter 14 aus Deutschland. Lesen Sie hier den vollständigen englischen Text.