BUKO-Pharma-Kampagne


Pressemitteilung, 2. Mai 2002

Pharma-Werbung:
Patienten lassen sich nicht vor den Karren der Industrie spannen

Mit einer geschickt eingefädelten Diskussionsrunde zur "Arzneimittelinformation" hat der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (VFA) versucht, PatientInnenverbände als Lobby gegen das Werbeverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel einzusetzen. Doch das Vorhaben wurde durch kritische Gruppen vereitelt. Die Patienten ließen sich nicht als "Fußtruppen" der Industrie einspannen.

Zu einem "Roundtable über Information" hatte der VFA Patientengruppen am 19.4. nach Berlin eingeladen. Das klang unverdächtig, denn bessere Information muss doch in jedermanns Interesse liegen. Doch der wahre Zweck der Veranstaltung war, PatientInnengruppen als politische Waffe einzusetzen, damit die Industrie endlich öffentliche Werbung für ihre neuen teuren Medikamente machen kann. Bislang ist dies verboten, denn es handelt sich um potente Mittel mit teilweise erheblichen Nebenwirkungen. Deshalb dürfen solche Medikamente auch nur durch ÄrztInnen verschrieben werden.

Die Industrie möchte nach dem Vorbild der USA PatientInnen gern direkt beeinflussen. Dort ist seit einigen Jahren solche Direktwerbung für rezeptpflichtige Arzneimittel bei Laien erlaubt - mit drastischen Folgen für die Gesundheitsversorgung: die Ausgaben explodieren, denn es gibt zahlreiche Wunschverschreibungen.

Da die Pharmahersteller wenig Chancen sehen, ihre Werbevorhaben allein durchzusetzen, bemühen sie sich, Patienten für ihre Interessen einzuspannen. Die Strategie der britischen Industrie (ABPI) ist durchgesickert, ein Vertreter der BUKO Pharma-Kampagne brachte sie in die Veranstaltung ein:

Die ABPI hat angekündigt, dass sie nun die Schlussphase ihrer Kampagne einleitet, bevor sie die Regierung und die EU frontal angreift. [...] Es ist die Speerspitze einer wohldurchdachten Kampagne. Der Schlachtplan der ABPI sieht vor, Fußtruppen in Form von Patientenselbsthilfegruppen, wohlgesonnener medizinischer Öffentlichkeit und Gesundheitsberufe - auch Stakeholder' genannt - einzusetzen. Sie sollen eine Debatte über den informierten Patienten anführen. Der Effekt wird eine Schwächung der politischen, ideologischen und professionellen Widerstände sein. [...] Danach wird die ABPI hochpräzise Angriffe auf bestimmte Enklaven der Regulation sowohl in Whitehall und Brüssel durchführen.

Zahlreiche PatientenvertreterInnen fühlten sich missbraucht. Denn eingeladen waren sie von dem VFA zu einer Veranstaltung zu Information und nicht zu Werbezwecken.

Christian Wagner von der BUKO Pharma-Kampagne bemerkt dazu: "Wir brauchen bessere und ausgewogene Patienteninformation. Dazu bedarf es aber keiner Gesetzesänderung. Eine Lockerung des Werbeverbots für rezeptpflichtige Arzneimittel ist eindeutig ein Schritt in die falsche Richtung. Die Industrie hat den Unterschied zwischen Manipulation und Information offensichtlich noch nicht begriffen. Von ihr ist ausgewogene Information nicht zu erwarten."

BUKO Pharma-Kampagne
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