BUKO-Pharma-Kampagne


Pressemitteilung, 24. November 2001

20 Jahre Pharma-Kampagne:
Arzneimittelkritik wichtiger denn je

Am 24.11.2001 feierte die Pharma-Kampagne ihr Jubiläum. Seit 20 Jahren engagiert sich die von Dritte-Welt Gruppen gegründete Kampagne gegen die unverantwortliche Vermarktung von Arzneimitteln. Sie setzte eine Exportkontrolle für Medikamente durch und zwang Hersteller zum Rückzug zahlreicher risikoreicher Mittel. Die Kampagne spielt auch eine wichtige Rolle im Kampf um Zugang zu lebensnotwendigen aber oft unbezahlbaren Arzneimitteln. Die Erfolge dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Weg zu einer an den Bedürfnissen der Menschen orientierten Medikamentenpolitik noch weit ist.

Vor 20 Jahren als kleine Aktion von Dritte-Welt-Solidaritätsgruppen entstanden, hat sich die Pharma-Kampagne zu einem breiten Netzwerk von kritischen Fachleuten und Laien mit weltweiten Kontakten entwickelt. Als Erste hat die Kampagne den Nutzen deutscher Arzneimittel in Ländern der Dritten Welt systematisch untersucht. In teils spektakulären Aktionen machte die Kampagne auf die Missstände aufmerksam. Die Untersuchungen des BUKO zeigten, dass Kritik nicht nur nötig ist, sondern auch nutzt: Waren 1984 zwei Drittel des deutschen Angebots in armen Ländern irrational, sind es 1998 "nur" noch 42% gewesen.

Durch jahrelangen Einsatz erreichte die Pharma-Kampagne, dass deutsche Export-Arzneimittel endlich einer Kontrolle unterworfen wurden. Sie setzte sich auch für eine Bereinigung des deutschen Marktes von ungeprüften Altarzneimitteln ein und bekam einen Expertenstatus auf diesem Feld von fehlendem VerbraucherInnenschutz.

Seit mehreren Jahren setzt sich die Kampagne gezielt für den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten ein, die bislang für große Teile der Weltbevölkerung unerschwinglich sind. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Lobbyarbeit gegen Bestimmungen der Welthandelsorganisation (WTO), die armen Ländern hohe Preise für Arzneimittel aufzwingen. Die WTO setzt den Patentschutz für Medikamente durch und erlaubt es damit den großen Firmen aus Industrieländern exorbitant hohe Preise durchzusetzen. Im Frühjahr 2001 erreichte die Kampagne, dass die Bundesregierung internationale Pharmafirmen aufforderte, ihre Klage gegen Südafrika zurückzuziehen. Die Firmen hatten das Land verklagt, weil es sich für seine Millionen AIDS-Kranke bezahlbare Medikamente verschaffen wollte. Die Aktionen der Pharma-Kampagne und vieler weiterer Gruppen zwangen die multinationalen Konzerne zum Einlenken.

Die Pharma-Kampagne fordert gemeinsam mit kritischen Gruppen aus vielen anderen Ländern den Vorrang für Gesundheit vor Handelsinteressen. Bei der aktuellen WTO-Runde in Katar konnte dieser Vorrang im Grundsatz verankert werden. Ein wichtiger Meilenstein. Für die vielen besonders armen Länder ohne eigene Pharmaproduktion wurde aber noch keine befriedigende Lösung gefunden.

Europäische Pharmapolitik beschäftigt die Kampagne seit langem. Auch hier geht es um den Vorrang von Wirtschaftsinteressen vor Verbraucherschutz. Gemeinsam mit europäischen Gruppen wie Health Action International (HAI) und der International Society of Drug Bulletins (ISDB), deren Mitglied die BUKO Pharma-Kampagne ist, wurde etwas mehr Transparenz in der Arzneimittelkontrolle erreicht. Jetzt gilt es Verbesserungen in der Zulassungspraxis und der Risikoüberwachung zu erreichen, damit Medikamentenabstürze wie der Fall Lipobay nicht zur Regel werden. Vorschläge der Europäischen Kommission gehen aber in die entgegengesetzte Richtung. Arzneimittel sollen nach noch kürzerer Überprüfung zugelassen werden. Hier wird die Kampagne verstärkt aktiv werden.

Mit einem Symposium zum Thema "Medikalisierung der Gesellschaft" und einer Feier mit internationalen Gästen, Prominenz aus Wissenschaft und Politik - und natürlich vielen MitstreiterInnen aus zwei Jahrzehnten - beging die BUKO Pharma-Kampagne am 24. November 2001 ihr 20-jähriges Bestehen. Eine Gelegenheit Rückschau zu halten und neue Arbeitsschwerpunkte für eine bessere Arzneimittel- und damit letztlich auch Gesundheitspolitik zu diskutieren.

Der Bundeskongress entwicklungspolitischer Aktionsgruppen (BUKO) ist ein Netzwerk von über 200 Dritte Welt Gruppen in Deutschland. 1980 begann der BUKO eine Kampagne gegen unvertretbare Geschäftspraktiken international tätiger Pharmakonzerne. Die Pharma-Kampagne des BUKO setzt sich für einen rationalen Gebrauch von Arzneimitteln ein. Sie arbeitet mit ÄrztInnen und PharmazeutInnen, Verbrauchergruppen und StudentInnen zusammen. Die BUKO Pharma-Kampagne hat durch die Mitarbeit im Netzwerk Health Action International (HAI) Kontakt mit Gruppen in über 70 Ländern in aller Welt.


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