BUKO-Pharma-Kampagne


Pressemitteilung, 14. September 2001

DIE GEWALTSPIRALE STOPPEN

Die BUKO Pharma-Kampagne setzt sich seit 20 Jahren für das Menschenrecht auf Gesundheit ein. Nach den schrecklichen Terroranschlägen in den USA sind wir sehr besorgt, dass die Spirale der Gewalt sich fortsetzt und weitere unschuldige Menschen zu Opfern werden. Wir wenden uns ausdrücklich gegen Rachegedanken. Es muss darum gehen, die Täter zu finden und zu bestrafen, nicht aber ganze Länder in Kollektivhaftung zu nehmen. Die allermeisten Menschen rund um den Globus verurteilen Terroranschläge und haben keinen Einfluss auf die Täter. Die befürchtete Bombardierung anderer Länder würde keine Probleme lösen, sondern weitere unschuldige Menschen treffen.

Mindestens ebenso wichtig aber ist es, nach Ursachen für den Terrorismus zu fragen. Eine Weltwirtschaftpolitik die große Teile der Menschheit ausschließt, grassierende Armut, fehlende Arbeit, Perspektivlosigkeit und epidemische Krankheiten wir Malaria und AIDS bilden den Nährboden für Verzweiflung - und bei einigen Wenigen eben auch für Gewalt. Notwendig sind gerechtere Strukturen und echte Hilfe.

Deshalb setzen wir uns für eine Revision der TRIPS-Vereinbarungen ein, die den Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten erschweren. Entwicklungspolitische Gruppen beklagen seit Jahren stagnierende oder sogar sinkende Entwicklungshilfe und das mangelnde Engagement der Industrieländer bei friedlichen Konfliktlösungen in der Dritten Welt. Es kommt jetzt mehr denn je darauf an, aktiv für eine bessere Welt zu arbeiten. Bomben lösen keine Probleme - sie schaffen nur neue.

Wir unterstützen den untenstehenden Aufruf des "Netzwerks Friedenskooperative" und bitten Sie, sich auch in ihrem Medium für die Erhaltung des Friedens und nicht-militärische Lösungen einzusetzen.


ERKLAERUNG VON FRIEDENSORGANISATIONEN

Terroranschläge in den USA: Erklärung von Friedensorganisationen
13.09.2001

BRÜCKEN BAUEN, GEWALTESKALATION VERHINDERN!

Die Welt droht nach dem 11. September 2001 kälter und kriegerischer zu werden. Mit dem Entsetzen und Mitgefühl für die Opfer und deren Angehörige verbindet sich auch die Furcht, dass die US- Administration nach dieser beispiellos brutalen Terroraktion in der Logik der Gewaltspirale zurückschlägt und neue Eskalationen folgen.

Nachzudenken ist auch über die politischen Bedingungen, die es möglich gemacht haben, dass ein Teil der Menschen in einigen Völkern "den Westen" und insbesondere die USA so hasst, dass eine Gruppe von Terroristen anscheinend meint, sich bei ihrem Massenmord auf diese Unterdrückten beziehen zu können. Wir sind mit den Menschen in den USA in ihrem Schock und Leiden uneingeschränkt solidarisch. Das kann aber nicht heißen, mit allen Entscheidungen der US-Regierung im "monumentalen Kampf", den "das Gute gegen das Böse" nach Präsident Bush jetzt zu führen hat, einverstanden zu sein und sich per NATO- Bündnisfall vielleicht an militärischen Racheaktionen zu beteiligen oder sie zu unterstützen. Militärschläge nützen weder den Opfern des Terrors noch sind sie ein geeignetes Mittel zur Verhinderung oder Eindämmung des Terrorismus.

Wir befürchten weiter: Mit den auf dem Verdacht gegen die Gruppe von Osama bin Laden oder andere islamische Fundamentalisten beruhenden Thesen von einer "Kriegserklärung gegen die zivilisierte Welt" (Bundeskanzler Schröder), könnte die bereits schon länger von christlich-abendländischen Fundamentalisten proklamierte Ansicht vom "Kampf der Kulturen" in den westlichen Gesellschaften gefährlichen Zulauf gewinnen. Die Trennung in eine "zivilisierte" und eine "unzivilisierte Welt" vertieft die Gräben.

Es gibt keine Religion, die solche Terrorakte rechtfertigen würde. Jetzt kommt es darauf an, in unseren Gesellschaften keine Feindschaft gegen "den Islam" generell zuzulassen sondern vielmehr Brücken zu bauen.

Gegenüber blankem Terror gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. Eine Politik, die den Terrorismus wirksam bekämpfen und eindämmen will, muss ihm den sozialen, politischen und ideologischen Nährboden entziehen, in dem er gedeiht. Ein Klima des Hasses und der Intoleranz und eine Politik, die Gewalt mit Gegengewalt und Gegengewalt mit neuer Gewalt beantwortet, bereitet auch den Boden für neue Terrorakte. Dem Terrorismus durch zivile Maßnahmen und durch die Stärkung des Rechts und der Gerechtigkeit den Boden zu entziehen ist langfristig das bessere Mittel als der Gedanke an Rache und militärische Vergeltung.

Trotz aller Wut und Trauer appellieren wir an die US-Regierung und deren Verbündete, besonnen und nicht mit militärischer Gegengewalt zu reagieren. Dies kann unser Beitrag dafür sein, dass ein weiteres Drehen an der Gewaltspirale verhindert werden kann.

Abrüstungsinitiative Bremer Kirchengemeinden; AG Zivile Konfliktbearbeitung im Netzwerk Friedenskooperative; Bonner Friedensbüro; Bremer Friedensforum; BUKO-Kampagne "Stoppt den Rüstungsexport"; Bund für Soziale Verteidigung (BSV); Bundesausschuss Friedensratschlag; Darmstädter Friedensforum; Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen: DFG-VK Kiel; DFG-VK Freiburg; Europäisches Bürgerforum; Ralf E. Streibl, Peter Bittner und Dagmar Boedicker, Vorstandsmitglieder des "Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIFF) e.V."; Prof. Dr. Leonie Dreschler-Fischer (Hamburg); Frauennetzwerk für Frieden e.V.; Friedensinitiative Nottuln; Gesellschaft Kultur des Friedens; Gewaltfreie Aktion Atomwaffen abschaffen; Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär; Komitee für Grundrechte und Demokratie; Prof. Dr. h.c. Karlheinz Koppe (Bonn); Kampagne gegen Rüstungsexport, Kasseler Friedensforum; Ohne Rüstung Leben (ORL); Service Civil International - Deutscher Zweig e.V.; Versöhnungsbund - deutscher Zweig (Minden); Rüstungs-Informationsbüro Baden-Württemberg (RIB).

(Stand: 13.09.2001 - vormittags)
f.d.R.: Manfred Stenner
Netzwerk Friedenskooperative, Römerstr. 88, 53111 Bonn
Tel. 0228/692904, Fax: 0228/69906
http://www.friedenskooperative.de



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